Copa-America-Aus

Brasiliens historisches Scheitern aus elf Metern

Copa-Titelverteidiger Brasilien blamierte sich mit vier Fehlversuchen im Elfmeterdrama gegen Paraguay. "Das war heute nicht unser Tag", sagte der Selecao-Coach.

Foto: dapd/DAPD

Der Chef der Elfmeter-Deppen hatte es eilig. Als die brasilianischen Stars nach dem Viertelfinal-Aus gegen Paraguay bei der Copa America noch mit hängenden Köpfen in der Kabine des Estadio Ciudad de La Plata saßen, ließ Verbandspräsident Ricardo Teixeira schon über seinen Pressesprecher verkünden: "Mano bleibt Trainer der Selecao!"

Doch der angesprochene Mano Menezes kennt die Gesetze des Marktes, weiß um die Kurzlebigkeit solcher Treueschwüre - besonders nach Blamagen wie diesen. "Der Fußball wertet nur denjenigen auf, der gewinnt", erklärte der Nachfolger von Dunga nach dem 0:2 (0:0, 0:0) im denkwürdigen Elfmeterschießen gegen in den 120 Minuten zuvor deutlich unterlegene Paraguayer.

"Torhüter war der Held"

Seine Spieler hatten an einem kühlen Abend in La Plata 20-mal den Ball in Richtung gegnerisches Tor befördert, doch Neymar und Co. verzweifelten an Justo Villar, dem Tausendsassa im Albirroja-Tor. "Unser Torhüter war der Held", sagte auch der Dortmunder Lucas Barrios, der in seinen 82 Spielminuten vergeblich auf einen eigenen Torschuss gewartet hatte.

"Kopf hoch und jetzt nur daran denken, die WM 2014 in unserem Land zu gewinnen", riet Milan-Star Robinho, der als fünfter Schütze nicht mehr antreten brauchte. Elano, Andre Santos und Fred hatten ihre Versuche kläglich über oder neben das Tor gesetzt, Thiago Silva war an Villar gescheitert. Kein einziger Treffer in einem Elfmeterschießen für Brasilien - das hatte es noch nie gegeben. "Das war heute nicht unser Tag", sagte Menezes.


Für den Selecao-Coach hat die Copa America aber dennoch gezeigt, dass sein Team sich entwickelt. "Wir müssen den Weg weitergehen und eine Mannschaft formen, die der brasilianische Fan sehen will", sagte der 49-Jährige. Dabei baut er auf Talente wie Neymar , Paulo Henrique Ganso, Alexandre Pato oder Lucas. Diese müssen aber noch lernen, Ballbesitz in Tore umzumünzen.

Den Paraguayern war der Sprung ins Halbfinale mit dem vierten Unentschieden fast schon peinlich. "Brasilien hätte gewinnen müssen, und das schon in der regulären Spielzeit", analysierte Coach Gerardo Martino. "Sie haben uns klar beherrscht. Es blieb nur, uns mit allen Mitteln zu verteidigen", räumte auch der neue Nationalheld Villar ein.

Venezuela überrascht

Die "Guaranies" treffen nun am Mittwoch in Mendoza auf das Überraschungsteam aus Venezuela, das Chiles Traum vom ersten Copa-Gewinn mit einem 2:1 (1:0) zerstörte. "Wir haben eine unglaubliche Chance aus der Hand gegeben, die Copa America zu gewinnen", lamentierte Leverkusens Arturo Vidal , der zudem das Pech bei drei Pfosten- und Lattentreffern beklagte.

"Glorreiche Vinotinto! Viva Venezuela!", schrieb Staatspräsident Hugo Chavez nach den Toren von Oswaldo Vizcarrondo (34.) und Gabriel Cichero (80.) per Twitter. Selbst der zwischenzeitliche Ausgleich durch Humberto Suazo (69.) und die Rote Karte für den Hamburger Tomas Rincon in der Nachspielzeit konnten die Freude über den erstmaligen Einzug ins Halbfinale des ältesten Nationenturniers der Welt nicht trüben.