Streetsoccer

Durch den Fußball aus den Slums ins Glück

Drei Mädchen aus Südafrika kämpfen mit Hilfe des Fußballs gegen Hoffnungslosigkeit und für ihre Träume – und haben damit eine Reise nach Berlin gewonnen.

Foto: Stefanie Straubel

Gekonnt schwingen die beiden jungen Südafrikanerinnen ihre Hüften im Rhythmus. Pata Pata von Miriam Makeba dröhnt aus den Boxen. Noshipo und Zhikona und strahlen über das ganze Gesicht.

Sie gewannen bei einem Fußball-Turnier in Kapstadt eine Reise nach Berlin. Auf der Landebahn des alten Flughafens Tempelhof spielen sie gemeinsam mit Jungen und Mädchen aus sieben Nationen um die Krone des Straßenfußballs.

Der Wind pfeift über die weiten hellgrünen Wiesen, die das Asphalt-Spielfeld umgeben. Die Ähren, die sich zwischen dem Gras durchsetzen, biegen sich im Wind. Wolken fliegen am Himmel vorbei und geben gelegentlich die wärmenden Sonnenstrahlen frei. So viel Platz gibt es an dem Ort, an dem Noshipo und Zhikona leben, nicht.

Sie kommen aus Khayelitsha, einem der größten Townships Südafrikas, gelegen am Stadtrand von Kapstadt. Hier reihen sich Hütten aus Blech, Holz und Pappe von eineinhalb Millionen Menschen aneinander. Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Aids prägen den Alltag der Bevölkerung.

„Ich sehe zu viel Gewalt in den Straßen“, erzählt die 19-jährige Zhikona mit weit aufgerissenen Augen. „Das letzte Mal wurde ich von zwei Kerlen überfallen. Riesige, hässliche Kerle. Diese Typen haben keine Jobs und sind es gewohnt, schlimme Dinge zu tun.“

Auch Akona und Noshipo kennen die Probleme ihres Viertels: „Viele Jugendliche hängen auf der Straße herum und nehmen Drogen. Die Mädchen werden viel zu früh schwanger. Sie nehmen die Möglichkeiten nicht wahr, die sie hier haben“. Alle drei Mädchen spielen zwei Mal in der Woche bei der Organisation Amandla EduFootball e.V. Fußball.

Die deutsche Dachorganisation vermittelt mit Hilfe des Sports Kindern aus benachteiligten Verhältnissen Bildung und Werte. 45 soziale Einrichtungen, darunter Heime und Jugendgefängnisse, nehmen an der Fußball-Liga von Amandla teil. Auf spielerische Weise werden den Jugendlichen Life Skills vermittelt.

Ziele sind die Stärkung von Sozialkompetenzen sowie beruflichen sowie sozialen Aufstiegschancen. „Kinderschwangerschaften, die Rolle der Frau oder Rassismus sind immer wieder wichtige Themen. Wir wollen mit unserem Programm Kindern aus schlechter gestellten Familien die Chance geben, erfolgreich ihren Lebensweg zu bestreiten“, sagt Annika Beste, Communications & Operations Director von Amandla.

Das Projekt Amandla ist Mitglied des weltweiten Netzwerkes streetfootballworld, das über 80 Organisationen vereint. Alle nutzen den Fußball als Möglichkeit, Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen. In Zusammenarbeit mit streetfotballworld und der vom Auswärtigen Amt geförderten Partnerschulinitiative (Pasch) wurde in den letzten Monaten die sogenannte Pasch-Turnierserie in sechs Ländern ausgetragen. Dem jeweiligen Siegerteam winkte eine Reise nach Berlin, zum großen Finale.

Im Rahmen des Pasch-Festivals treffen die jungen Fußballerinnen aus Südafrika auf Jugendliche aus Indien, Brasilien, Israel und Palästina, Kamerun, dem Balkan und Berlin, um in neu gemischten Teams zu kicken und fremde Kulturen kennenzulernen. Sieger werden am Ende alle sein, denn gespielt wird nach der Fair-Play-Methode. Vor jedem Spiel legen die Teams ihre Regeln selbst fest, Schiedsrichter gibt es keine. Soziales Verhalten kann genauso viel zählen wie ein Tor.

Noshipo passt den Ball auf einem der drei Straßenfußballfelder ihrem Mitspieler zu. In ihrer weißen Sporthose und dem schwarzen Kapuzenpulli rennt sie Richtung Tor und gestikuliert mit den Armen: „Ich stehe frei!“

Auf dem Fußballplatz des von Straße!kickt Open 2011 organisierten Turniers stehen mindestens drei Mädchen auf dem Feld. Viele von ihnen hatten mit Vorurteilen in der Männerdomäne Fußball zu kämpfen. „Die Jungs haben mich am Anfang nicht akzeptiert und sagten, ich sei kein richtiges Mädchen, wenn ich Fußball spiele“, sagt Zhikona. „Aber mein Traum ist es, für unser Nationalteam Banyana Banyana zu spielen.“

Die Organisation Amandla versucht, Mädchen und junge Frauen in ihrem Bewusstsein zu stärken. Noshipo geht mit gutem Beispiel voran. „Ich wünsche mir, dass sich Frauen in dieser Männerwelt behaupten und dass sie sich nicht unterkriegen lassen.

Ein Mädchen muss nicht unbedingt Friseuse werden. Keine soll sich an die gängigen Stereotype anpassen müssen“, sagt das selbstbewusste Mädchen mit dem runden Gesicht. „Ich spiele Fußball und werde respektiert. Fußball kann dich und dein Leben verändern!“