Razzia

Staatsanwalt ermittelt bei SV Babelsberg 03

Eine Razzia hat den Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 im Kampf ums Überleben weit zurückgeworfen und einen enormen Imageschaden angerichtet. Denn jetzt ermittelt das LKA wegen Wirtschaftskriminalität.

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Am Dienstag schaltete sich das Landeskriminalamt (LKA) ein und sorgte mit Durchsuchungen in Potsdam für den vorläufigen Höhepunkt der Chaostage beim SV Babelsberg. Im Zentrum der Ermittlungen steht der ehemalige Babelsberger Aufsichtsrats-Chef Peter Paffhausen. 15 Spezialisten für Wirtschaftskriminalität untersuchten drei Objekte, in denen wichtiges Beweismaterial sichergestellt wurde.

„Wir haben in der Angelegenheit strafprozessuale Maßnahmen vorgenommen“, sagte Sprecher Helmut Lange von der Potsdamer Staatsanwaltschaft und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten. Untersucht wurden die Wohnung des früheren Stadtwerke-Chefs Paffhausen, Geschäftsräume der Potsdamer Stadtwerke sowie Räume des SV Babelsberg 03. Die Beamten erbaten die Herausgabe wichtiger Unterlagen und stießen dabei auf keinen Widerstand.

Ermittlungen wegen angeblicher Untreue

Paffhausen ist wegen angeblich illegaler Bürgschaften in den Fokus der Ermittler geraten. Der vor zehn Tagen abgelöste Stadtwerkechef soll zwei Spielzeiten lang Etatlücken des Fußballvereins mit Bürgschaften der Stadtwerketochter EWP ausgeglichen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblicher Untreue. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug. Paffhausen blieb zunächst auf freiem Fuß.

Wie Lange bestätigte, haben unter anderem Presseartikel vom Wochenende dazu geführt, dass ein Anfangsverdacht besteht. Darin hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs erklärt, dass Paffhausen die Bürgschaften ohne die erforderliche Abstimmung zur Verfügung gestellt habe. Nach Auskunft von Jakobs war darüber der Aufsichtsrat der Stadtwerke, dem er vorsitzt, nicht informiert worden. Potsdams SPD-Chef Mike Schubert hatte den Verdacht geäußert, daraus könne sich der Verdacht der Untreue ergeben.

Für Jakobs könnte es eng werden

Ob auch das Stadtoberhaupt in das Visier der Ermittler rückt, ließ Lange offen. „Dafür ist es noch zu früh. Wir stehen erst am Anfang der Untersuchungen“, sagte Lange. Doch für Jakobs könnte es eng werden. Dass der Oberbürgermeister Paffhausen offenbar mit einer hohen Summe abgefunden hat, könnten die Strafverfolger als Untreue zulasten der EWP und der Stadt Potsdam werten. Paffhausen soll angeblich eine Million Euro erhalten haben.

Unterdessen kämpft die neue Führungsmannschaft des finanzschwachen SV Babelsberg mit dem Präsidenten Thomas Bastian um den Verbleib in der 3. Liga. „Ich werde mit Firmen bis zur letzten Minute kämpfen“, sagte der 51-Jährige. Kino-Besitzer Bastian war am Montagabend auf der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt worden und sucht händeringend nach Sponsoren, um die Etatlücke von insgesamt 1,4 Millionen Euro zu stopfen.


Zeit bis Mittwoch 15.30 Uhr

Mit seiner Wahl hatte Bastian die Nachfolge von Rainer Speer angetreten. Brandenburgs früherer Innenminister hatte sein Amt am Montag nach anhaltender Kritik an seiner Person zur Verfügung gestellt. Bis Mittwoch (15.30 Uhr) haben die Potsdamer Zeit, Klarheit zu schaffen, in welcher Liga im nächsten Jahr gespielt wird. Bis dahin müssen die Unterlagen für die kommende Saison beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingereicht sein. Am Dienstagabend stellt sich der neue Vorstand auf einer außerordentlichen Klub-Versammlung den Mitgliedern.

Bastian zeigte sich über das hohe Spendenaufkommen seitens der Fans erfreut. Es sei eine sechsstellige Summe zusammengekommen. Die Stadt Potsdam will zudem 700.000 Euro beisteuern. Trotz der finanziell prekären Lage denkt der Klub nicht daran, die Namensrechte für das traditionsreiche Karl-Liebknecht-Stadion zu veräußern.