Kempter vs. Amerell

"Er hat seine eklige Zunge in meinen Mund gesteckt"

Der Unparteiische und der frühere Schiedsrichterobmann des DFB streiten vor Gericht, wer zu wem intime Nähe gesucht hat.

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Unter großem Medienaufkommen hat im schwäbischen Hechingen der Zivilprozess zwischen Manfred Amerell und Michael Kempter begonnen. Amerell hat den Schiedsrichter wegen Verleumdung und übler Nachrede auf 150.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Er wehrt sich gegen Vorwürfe, Kempter sexuell belästigt zu haben. In dem Prozess geht es primär darum, herauszufinden, ob die intimen Kontakte zwischen beiden im Einvernehmen oder unter Druck Amerells zustande kamen.

Im Prozess drehte der ehemalige Schiedsrichterobmann des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Spieß sogar um. Amerell war mit seinen Anwälten um 9.51 Uhr im Saal 168 des Justizgebäudes erschienen. Kempter kam um Punkt 10.00 Uhr zur Eröffnung der Sitzung. Vater und Freundin des 28-Jährigen nahmen in der letzten Reihe Platz.

Auf die Frage des Richters, wann sich die beiden intensiv kennen gelernt hätten, beschrieb Kempter eine Szene aus dem Jahr 2001. Damals sei er 18 Jahre alt gewesen und auf einen Schiedsrichterlehrgang in Barsinghausen eingeladen worden. Amerell habe ihn auf sein Zimmer gerufen und ihm zum bestandenen Test gratuliert: „Er hat mich umarmt und mir einen Kuss auf den Mund gegeben. Wir saßen auf der Couch und er hat mir den Oberschenkel gestreift. Ich wusste das gar nicht einzuordnen.“

Amerell widersprach vehement: „Das ist unwahr. Wir waren nie auf dem Zimmer. In der Sportschule steht gar keine Couch. Ich habe ihn bei keinem Lehrgang berührt.“ Vielmehr habe sich die Beziehung erst über die Jahre intensiviert. Dies ging laut Amerell keineswegs von ihm aus: „Ich habe ihn nie belästigt. Er hat den Kontakt zu mir gesucht. Das war Stalking. Nach Spielen hat er sich in der Kabine vor mir sexuell produziert.“ Um seine These von der gesuchten Nähe des jungen Mannes zu stützen, zitierte der 63-Jährige wiederholt aus E-Mails Kempters.

Kempter hingegen erklärte, die „ständigen sexuellen Annäherungen von ihm seien „nicht mehr auszuhalten gewesen“. So sei es im Mai 2008 zu einem Vorfall in einem Kölner Hotel gekommen: „Wir waren im Hotelaufzug in den vierten Stock. Plötzlich hat Amerell mich gedrückt und umarmt. Er hat seine eklige Zunge in meinen Mund gesteckt.“

Das Gericht hat am Nachmittag kein Urteil gefällt. Die Parteien müssen ihre Schriftsätze bis zum 14. März bei Gericht einreichen. Am 18. April ist der Verkündungstermin. Dann wird es entweder ein Urteil geben, oder das Verfahren wird fortgesetzt.