2. Fussball-Bundesliga

Acht Millionen in zwölf Tagen – sonst ist 1860 pleite

Der deutsche Meister von 1966 benötigt innerhalb der nächsten zwölf Tage acht Millionen Euro. Ansonsten droht die Insolvenz.

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Fußball-Traditionsklub 1860 München steht kurz vor der Insolvenz. Der deutsche Meister von 1966 benötigt innerhalb von zwölf Tagen acht Millionen Euro, ansonsten gehen bei den Löwen die Lichter aus. „Das ist eine ernste Situation. Ich kann nicht versprechen, dass wir das schaffen“, sagte 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Eine Insolvenz würde einen Absturz ins Amateurlager nach sich ziehen.

Schäfer und 1860-Präsident Dieter Schneider, die seit ihrem Amtsantritt Mitte November den Klub sanieren, informierten die Öffentlichkeit über die tatsächliche Lage - und die sieht mehr als düster aus. 1860 benötigt für die laufende Saison noch 3,5 Millionen Euro und für den Erhalt der Lizenz für das kommende Jahr 4,5 Millionen Euro.

Angesichts der prekären Lage richteten die Verantwortlichen einen Hilferuf und Appelle an die Öffentlichkeit und wollen damit Verborgenes freilegen. Schäfer rief dazu auf, dass „mögliche Geldgeber aus der Deckung kommen, an die wir bisher noch nicht gedacht haben“. Geldgeber aller Art könnten dies laut 1860-Führung sein, Investoren oder auch Privatleute.

Den Sechzigern waren bereits im Oktober zwei Punkte wegen Verstößen gegen die Lizenzierungsordnung abgezogen worden. Im Januar erbrachten die Münchner in letzter Minute einen von der Deutschen Fußball Liga (DFL) geforderten Liquiditätsnachweis über 5, 3 Millionen und wendeten die Insolvenz ab - vorerst.

Vonseiten der DFL hat der Verein trotz seiner langen Tradition keine bevorzugte Behandlung zu erwarten. „Natürlich sind große Vereinsmarken gut für die Liga. Im Rahmen der Lizenzierung hat dies aber keinerlei Einfluss auf die Prüfung und Entscheidung. Grundlage hierfür ist einzig und allein die Lizenzierungsordnung, die alle Klubs gleich behandelt“, sagte DFL-Kommunikationsdirektor Christian Pfennig.

Schäfer und Präsident Schneider wollten trotz der angespannten Situation aber auch Optimismus verbreiten, schließlich stehe man nicht „blank“ da. „Solange wir noch Gespräche mit potenziellen Partnern führen, bin ich zuversichtlich“, sagte Schäfer.

Zehnprozentiger Gehaltsverzicht

Zuletzt hatten Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer einen zehnprozentigen Gehaltsverzicht angeordnet. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ist nach Lage der Dinge inzwischen aber ungewiss, wie in zwei Wochen die nächsten Monatsgehälter bezahlt werden sollen. Nach SZ-Informationen hat sich bei 1860 auch eine lange Zeit vielversprechende Bankenlösung unerwartet zerschlagen.

Selbst Bayern München hatte dem Lokalrivalen bereits unter die Arme gegriffen und die Miete der Allianz-Arena gestundet. Dem Vernehmen nach wären im Juli zwei Millionen Euro an die Arena-GmbH fällig. Sogar die Fernsehgelder dieser Saison sollen bereits verpfändet sein.

Am 15. März reichte der TSV 1860 bei der DFL die Lizenzierungs-Unterlagen für die kommende Saison ein - mit einer Lücke, was den Investor betrifft, wie auch Schäfer einräumte: „Den Nachweis, dass alles so hinhaut, wie wir uns das vorstellen, konnten wir noch nicht erbringen. Aber man kann ja auch Dinge nachreichen.“

Wie verzweifelt die Lage ist, dokumentierte dann auch der fast rührende Einlassung Schäfers zur Bedeutung des Arbeiterklubs: „München ist nicht nur Champagner und Maximilianstraße. München ist auch eine vierköpfige Familie, der Polizist, der Lehrling oder der normale Arbeiter. Für den steht der TSV 1860. Die Stadt München sollte in der Lage sein, einen Verein wie 1860 zu erhalten.“