Fussball-Bundesliga

Das große Trainerstühlerücken könnte unschön enden

Freiburgs Coach Robin Dutt geht nach Leverkusen, Jupp Heynckes wohl zu den Bayern. Und Ralf Rangnick staunt am ersten Tag seiner Rückkehr auf Schalke.

Foto: dpa/Getty

Notwendige Veränderungen im Berufsleben hat Robin Dutt in zwei sehr schöne Sätze gegossen. Der eine klingt fast philosophisch, der andere ist eher als Warnung ausgelegt. „Jeder, der Dinge tut, weil er sie immer so gemacht hat, ist auf dem Weg nach unten“, hat der 46 Jahre alte Trainer einmal gesagt und damit einen kleinen Einblick gewährt in sein Innenleben. Stagnation, Gewohnheit und Routine sind demnach in Dutts Augen wenig förderliche Eigenschaften, um sich in der Fußball-Bundesliga dauerhaft zu behaupten.

„Machen Sie sich nie, nie abhängig vom Cheftrainer, auch nicht von Robin Dutt“, lautet das zweite Motto, das seit gestern so schön passt zum bevorstehenden Wechsel. Dutt, dieser charismatische und doch unnahbare Trainer, wird den SC Freiburg im Sommer verlassen und dann in Leverkusen anheuern. Beim Nochklub hinterlässt er ein bestelltes Feld, in Leverkusen bekommt er das, wonach sich jeder Trainer sehnt: eine ambitionierte Mannschaft mit Titelchancen.

Seit Monaten schon hatten die Bayer-Verantwortlichen um Dutts Zusage gebuhlt. Es galt, einen Nachfolger für Jupp Heynckes (65) zu finden, entweder schon nach dieser Saison, vielleicht aber auch erst nach der nächsten. Weil sich der älteste Bundesligatrainer aber nicht zu einem dritten Amtsjahr in Leverkusen durchringen konnte, war nun rasches Handeln gefragt. Dutt kommt schon in drei Monaten an den Rhein, Freiburg erhält knapp eine Million Euro Ablöse, weil der Trainer dort noch bis zum Sommer 2012 gebunden war.

„Robin Dutt war immer unser erster Ansprechpartner für die Nachfolge von Jupp Heynckes – egal ob 2011 oder 2012“, sagte Sportchef Rudi Völler am Montag. Und Dutt ergänzte brav: „Ich freue mich sehr auf die Herausforderung in Leverkusen und die Arbeit mit einer von Jupp Heynckes hervorragend betreuten Mannschaft. Die mir in den Gesprächen vermittelte Philosophie von Bayer 04 Leverkusen entspricht auch meiner Sichtweise auf den Fußball.“

Heynckes Nein und Dutts Ja zu Bayer beschleunigen das ohnehin schon große Trainerstühlerücken in der Liga nochmals. Während Freiburg die Nachfolge wie erwartet intern löst und den Chef der Regionalligamannschaft, Marcus Sorg, in die erste Reihe beordert, zieht es Heynckes nach München. Von 1987 bis 1991 und im Frühjahr 2009 hatte er dort bereits gearbeitet, die Freundschaft zu Präsident Uli Hoeneß und die hohe Wertschätzung innerhalb des Klubs befeuern nun eine dritte Amtszeit des Übungsleiters bei den Bayern – auch wenn der Umworbene sich selbst noch nicht bekennen mag zum künftigen Arbeitgeber.

„Es gibt weder eine Zusage von mir, noch haben bisher Vertragsverhandlungen mit dem FC Bayern stattgefunden“, sagte Heynckes und bestätigte, dass ihm Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der beschlossenen Trennung von Louis van Gaal am 7. März das Traineramt angeboten habe. Auch mit seinem Kumpel Hoeneß habe er bereits telefoniert.

Die bevorstehende Verpflichtung birgt für beide Partner einige Klippen. Am 17. April treffen Leverkusen und die Bayern aufeinander, beide Klubs streben mit aller Macht in die Champions League, und am Ende könnte ein für Heynckes unschönes Szenario eintreten: Er schafft mit Bayer den Sprung in die Königsklasse, muss aber mit den Bayern in der Europa League ran.

An derlei Saisoneinlauf hätte Dutt vermutlich nur wenig zu beanstanden. Für ihn ist Bayer nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ein Riesensprung. 30.000 Euro verdient er bislang im Monat in Freiburg, in Leverkusen dürfte es demnächst rund das Vierfache sein. Gut angelegtes Geld, finden sie bei Bayer, schließlich steht Dutt für Systemfußball, er hat sich in Freiburg den Ruf erworben, jeden Spieler ein Stückchen besser zu machen. Dass ihm das lange Zeit fast unbemerkt gelang, ist auch den Umständen im Breisgau geschuldet.

Vom großen Druck befreit und abseits nervender Medien lässt sich dort offenbar in Ruhe arbeiten. Das wird in Leverkusen anders sein, und noch ist fraglich, wie sich der eher reservierte Trainer an neuer Arbeitsstätte wird einrichten können.

Mit 30 Jahren Spielertrainer

Schließlich mag er nicht mehr preisgeben als nötig. Die Zeitschrift „Kicker“ versuchte, dem gebürtigen Kölner vor Weihnachten ein paar persönliche Einblicke zu entlocken – und scheiterte kläglich. Mit wem würden Sie gern einen Tag tauschen? „Mit niemandem.“ Sie unternehmen eine Zeitreise, wohin? „In das Hier und Jetzt. In der Gegenwart fühle ich mich wohl.“ Was fehlt nie in ihrem Kühlschrank? „Platz, leider.“

Dutt, so scheint es, ist völlig auf seine Profession fokussiert. Als Spieler brachte er es nicht über die vierte Liga hinaus, aber schon mit 30 Jahren wurde er Spielertrainer, mit 34 trat er beim TSF Ditzingen seine erste Cheftrainerstation an. 2005 wurde er beim Trainerlehrgang in Köln Jahrgangsbester mit der Note 1,4. Freiburg führte er in die Erste Liga und in dieser Spielzeit bis an die Europapokalränge heran. Sie hätten ihn dort gern gehalten, aber Dutt sieht seine Mission offenbar als beendet an. „Für mich war es wahrscheinlich, dass ich den SC ohnehin 2012 verlassen werde. Ein nächster Schritt mit dem Verein wäre nicht über ein Jahr, sondern über drei bis vier Jahre gegangen“, sagte er gestern.

Jene lange Schaffenszeit wünscht sich auch Ralf Rangnick an neuer Wirkungsstätte, immerhin hat der 52 Jahre alte Trainer gleich bis zum Juni 2014 beim FC Schalke 04 unterschrieben. Offenbar braucht er Zeit, seine Vorstellungen umsetzen zu können, die sich kaum decken mit denen seines allmächtigen Vorgängers Felix Magath. „Einige Spiele waren wie Blaupausen. Man hatte den Eindruck, dass die Mannschaft keine Idee davon hat, wie sie den Gegner auch mal in Bedrängnis bringen kann“, sagte Rangnick am Montag bei seiner Vorstellung in Gelsenkirchen. „In den nächsten Wochen will ich eine Spielweise entwickeln, wo man ein Stück weit ein Team erkennen kann.“

Auf den Rat des neuen Wolfsburgers pfeift er beim hehren Unterfangen auf Schalke aber: „Felix Magath hat dort genug zu tun und ich hier.“