Test gegen Italien

Nationalelf wärmt sich mit Daniel Brühl auf

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Lars Wallrodt

Foto: dpa / dpa/DPA

Obwohl am Mittwoch gegen Italien ein echter Länderspiel-Klassiker ansteht, war die Nationalmannschaft am Montag vor allem mit PR-Terminen beschäftigt.

Als Oliver Bierhoff den Damenbesuch empfing, war er bemerkenswert gut geschminkt. Bevor nun allerdings Mutmaßungen über das Freizeitverhalten des Managers der Fußball-Nationalmannschaft einsetzen, sei erwähnt, dass der Einsatz von Makeup ausschließlich beruflich bedingt war. Und die Frauen, die am Montagvormittag in der Sportschule Kaiserau vorbeischauten, waren Nationalspielerinnen, die mit ihren männlichen Kollegen einige Werbespots drehten, unter anderem für Mercedes. Abends dann schaute sich die Mannschaft gemeinsam den Film „Der ganz große Traum“ an, der am 24. Februar in die Kinos kommt. Hauptdarsteller Daniel Brühl („Good Bye Lenin“, „Inglourious Basterds“) war auch dabei.

Es deutet also wenig darauf hin, dass sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw auf ein Länderspiel vorbereitet. Lediglich bei der einzigen Trainingseinheit am späten Nachmittag kamen die Spieler am Montag ihrem eigentlichen Beruf nach. Dabei duellieren sie sich am Mittwoch mit einem Gegner, der sich wie kaum ein anderer einen Platz in den Annalen der deutschen Fußball-Geschichte gesichert hat. Spiele gegen Italien waren stets dramatisch.

1970 gab es im Weltmeisterschafts-Halbfinale eine Partie, die von vielen Experten noch immer als das beste WM-Spiel aller Zeiten angesehen wird, sie endete mit 3:4 nach Verlängerung. Oder das WM-Finale von 1982, als die deutsche Mannschaft beim 1:3 chancenlos war. Nicht zu vergessen die Niederlage bei der Heim-WM 2006, als die Südländer den Traum vom deutschen Sommermärchen zerstörten – im Halbfinale stand es nach 120 Minuten 0:2. Schon vor dem Turnier hatten die Italiener das Gastgeberland in tiefe Depression gestürzt, als das Team von Jürgen Klinsmann 100 Tage vor WM-Beginn 1:4 verdroschen wurde, was den Trainer beinahe den Job gekostet hätte.

Doch ein Hauch von Historie ist nicht zu spüren in Kaiserau, wo sich die DFB-Auswahl auf das Spiel in Dortmund vorbereitet. Das liegt zum einen an der Bedeutung des Spiels, die bei aller Liebe nicht zum Dramatisieren taugt. Zum anderen hat sich aber auch eine weltmännische Gelassenheit der Mannschaft bemächtigt. Die Glanzleistungen bei der WM in Südafrika und das souveräne Agieren in der Qualifikation zur Europameisterschaft, wo Deutschland mit vier Siegen aus vier Spielen die Gruppe A anführt, hat einen enormen Wandel im Selbstverständnis des Teams bewirkt. Der gipfelt unter anderem darin, dass vor einem Freundschaftsspiel gegen Italien weder Nervosität noch Angst zu spüren ist.

Selbst ein so heurigen Hasen wie Mario Götze (18), der seinem zweiten Länderspiel entgegensieht, ist erstaunlich gelassen. Als sich die Mannschaft am Sonntagabend traf, flachste der Dortmunder mit Schalkes Torwart Manuel Neuer, gegen den er am Freitag gespielt hatte und der beim 0:0 im Prestigeduell eine überragende Leistung geboten hatte: „Ich habe ihm gesagt, dass er ja mal den ein oder anderen Ball hätte durchlassen können“, sagte Götze und schmunzelte: „Er hat gesagt, er will es sich fürs nächste Mal überlegen."