Blatter-Gegner

Ausgerechnet ein Katarer will mehr Demokratie wagen

Mohamed Bin-Hammams Machtanspruch ist mehr als ein Manöver, er meint es ernst. Zweifel sind allerdings angebracht, ob dies zu demokratischeren Strukturen führt.

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Die arabische Welt übt sich in Demokratie. In Ägypten, Tunesien oder Bahrain gehen die Menschen für mehr Eigenbestimmung in ihren Ländern auf die Straße und hoffen, bei ihren Bemühungen Hilfe aus dem Westen zu bekommen. Mohamed Bin-Hammam scheint den Spieß umzudrehen: Der Geschäftsmann aus Katar konkurriert mit dem mächtigen Fußball-König Joseph Blatter, Chef des Fußballweltverbandes Fifa, der ein bemerkenswertes Alleinregiment führt.

Bin-Hammam, Präsident des asiatischen Verbandes, lässt sich am 31. Mai als Blatters Gegenkandidat aufstellen. Er wolle innerhalb der Fifa für mehr Transparenz und Demokratie sorgen, so sein Wahlversprechen. Für Aufmerksamkeit und Unruhe im Blatter-Reich hat dies allemal gesorgt. Blatter, seit 1998 im Amt, ist nämlich kein Freund von Wahlmöglichkeiten bei Wahlen. Zuletzt ließ er sich als einziger Kandidat von seinen Getreuen per Akklamation im Amt bestätigen.

So einfach wird es diesmal nicht. Bin-Hammams Machtanspruch ist mehr als ein Manöver. Der 61-Jährige meint es ernst. Zweifel sind allerdings angebracht, ob dies zu demokratischeren Strukturen führen wird. Zum einen war Bin-Hammam selbst jahrelang ein Steigbügelhalter Blatters gewesen. Er organisierte Geld für dessen Wahlkampf, ging für ihn auf Stimmenfang, stützte das System. „Bruder Mohammed“, rief ihn der Schweizer gern.



Zum anderen ist Bin-Hammam das Kind einer absoluten Monarchie und kam als Freund der Herrscherfamilie Katars zu Reichtum. Jenem Land also, das als krasser Außenseiter die Austragung der Weltmeisterschaft 2022 zugesprochen bekam – dank kungelnder Funktionäre, hervorragender Lobbyarbeit aus dem Emirat und Bin-Hammams Einfluss.

Noch gar nicht lange ist es her, da sollte er selbst Opfer einer Revolte werden. Der Südkoreaner Chung Mong-joon wollte Bin-Hammam 2009 dessen Sitz in der Fifa-Exekutive streitig machen. Der Katarer wehrte den Angriff ab und konstatierte: „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf und Hände ab.“ Demokratie geht wahrlich anders.