Fußball-WM

Spontaner Protest und Schadenfreude im Iran nach Niederlage

Eine iranische Flagge hängt nach dem Spiel über einer Lehne auf der Tribüne.

Eine iranische Flagge hängt nach dem Spiel über einer Lehne auf der Tribüne.

Foto: Christian Charisius/dpa

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Autofahrer nach der WM-Niederlage gegen die USA vereinzelt ihre Schadenfreude ausgedrückt. An belebten Plätzen riefen Menschen in der Nacht zu Mittwoch etwa: „War wohl nichts mit Eurem Nationalteam“. Sie spielten damit auf die hohen politischen und sportlichen Erwartungen an das Team Melli an.

Teheran. In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Autofahrer nach der WM-Niederlage gegen die USA vereinzelt ihre Schadenfreude ausgedrückt. An belebten Plätzen riefen Menschen in der Nacht zu Mittwoch etwa: „War wohl nichts mit Eurem Nationalteam“. Sie spielten damit auf die hohen politischen und sportlichen Erwartungen an das Team Melli an.

Die Spieler standen angesichts der landesweiten Proteste durch den heimischen Fußballverband stark unter Druck. Politiker hatten sich einen Sieg gegen den Erzfeind USA und dadurch Rückendeckung in der Innenpolitik erhofft. Irans Führung habe viel politischen Druck vor dem Spiel ausgeübt, erklärte ein Sportjournalist in Teheran.

Auch Frust war auf den Straßen zu vernehmen, wie Augenzeugen berichteten. In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, in denen Protestslogans von Balkonen der Wohnviertel zu hören waren. Menschen riefen darin „Tod dem Diktator“ - als Anspielung auf das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Bereits nach Anpfiff hatten viele Iraner im Netz die Aufmerksamkeit genutzt, die jüngsten Todesopfer im Rahmen der Proteste beim Namen zu nennen. „Nun freuen sich die Revolutionäre über eine Niederlage des Teams der Islamischen Republik“, schrieb die bekannte iranische Sozialaktivistin Atena Daemi auf Twitter.

Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verhaftet worden war. Nach Einschätzungen von Menschenrechtlern wurden seitdem mindestens 450 Demonstranten getötet und rund 18 000 Protestteilnehmer verhaftet.

( © dpa-infocom, dpa:221129-99-715244/2 (dpa) )