DFB-Kommentar

So können die Bayern von Löws DFB-Umbruch profitieren

Löws Probleme in Russland waren Bayern-Probleme. Gegen Frankreich liefert der Bundestrainer Lösungsansätze - auch für die Münchener.

Im Formtief: Thomas Müllerr und Mats Hummels.

Im Formtief: Thomas Müllerr und Mats Hummels.

Foto: Getty Images

Paris. Thomas Müller bekam eine fiese Frage gestellt. Was er von der Länderspielreise für sich mitnehme zurück nach München, sollte er beschreiben. Nach Bayern, wo es zuletzt vier Spiele keinen Sieg für Müller und sein Team gegeben hatte. Von wo aus die DFB-Delegation mit Müller, Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Niklas Süle, Joshua Kimmich und später auch Serge Gnabry ausgezogen war, um vielleicht mit wohligeren Gefühlen heimzukehren. „Grundsätzlich hat das Auftreten heute gut getan“, antwortete Müller nach dem 1:2 gegen Frankreich, obwohl er dabei selbst nur wenige Minuten beteiligt sein durfte. „Man geht positiver zurück nach München als nach dem Holland-Spiel.“

Für den FC Bayern war diese Länderspielreise eigentlich die Fortsetzung der eigenen Krise. Ihre alten Koryphäen Müller und Boateng wurden im Nationalteam als zunehmend verzichtbar entlarvt. Und selbst über Neuer wurde plötzlich debattiert wie über einen gewöhnlichen Torwart.

Löws Probleme in Russland waren Bayern-Probleme

Aber im Auftreten der DFB-Auswahl gegen den Weltmeister steckt auch ein Lösungsansatz, der für die Münchner taugt. Bundestrainer Joachim Löw nahm hier, gezwungenermaßen zugegeben, endlich den Umbruch in seinem Team vor, den es beim FC Bayern noch braucht. Süle ersetzte Boateng, Gnabry Müller. Jugend bekam den Vorzug vor Überreife.

Sollten sie das auch in München für sich in Erwägung ziehen, wäre das eine Umkehrung der Ideentransfers aus der Vergangenheit. Denn sonst war es stets Löw, der vom FC Bayern profitierte. Von der Versetzung Bastian Schweinsteigers ins zentrale Mittelfeld durch Louis van Gaal vor der WM 2010. Oder vom Ballbesitzspiel eines Pep Guardiolas ab 2013. Nun sollten die Bayern mal auf Löws zaghafte Erneuerungsansätze schauen. Warum nicht mal Gnabry statt Müller, Arjen Robben oder Franck Ribery? Warum nicht Süle als Abwehrchef? Warum nicht Kimmich als Sechser, auch wenn man im Winter dann besser neue Außenverteidiger kauft?

Löws Probleme in Russland waren Bayern-Probleme. Nun hat er begonnen, sie zu beheben. Und das dient als Vorbild. Wie Löw müssen sich die Bayern von alten Gewissheiten lösen und die Selbsttäuschung beenden. Dann dürfte es bald wieder so sein wie früher: Die Ideen wandern eher von München nach Freiburg zum Bundestrainer.