Fußball-WM 2018

Die WM-Gruppenspiele laufen parallel – Das ist der Grund

In den Gruppen E und F finden an diesem Mittwoch die Spiele gleichzeitig statt. Grund ist ein Spiel der deutschen Elf bei der WM 1982.

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Berlin.  Bei der Fußball-WM in Russland werden auch an diesem Mittwoch die Gruppenspiele parallel ausgetragen. Das Deutschland-Spiel gegen Südkorea findet parallel zum Spiel Mexiko gegen Schweden statt.

Für Mexiko, Deutschland und Schweden geht es noch um alles – Südkorea kann den Einzug ins Achtelfinale nicht mehr schaffen.

In der Gruppe F treten die vier Mannschaften um 16 Uhr gegeneinander an. Deutschland trifft in Kasan auf Südkorea , Mexiko auf Schweden in Jekaterinburg.

In der Gruppe E werden die beiden letzten Gruppenspiele um 20 Uhr (MESZ) angepfiffen. Serbien spielt gegen Brasilien in Moskau, die Schweiz gegen Costa Rica in Nischni Nowgorod.

ZDF schaltet auch um

Die TV-Zuschauer müssen sich also entscheiden, welche Partie sie sehen wollen – oder sie müssen zappen. Das Spiel Deutschland-Südkorea wird ab 16 Uhr live im ZDF gezeigt, die Parallelpartie Mexiko-Schweden auf ZDFInfo. Abends um 20 Uhr läuft Serbien gegen Brasilien im ZDF, Island-Kroatien bei ZDFInfo.

Aber: Fällt ein Tor oder gibt es etwa einen Elfmeter, will das ZDF direkt zum Parallelspiel schalten.

Die Konsequenz aus der „Schande von Gijon“

Aber warum werden die letzten Gruppenspiele parallel ausgetragen?

Die gleichzeitige Ansetzung soll Benachteiligungen oder Manipulationen einen Riegel vorschieben. Würden die Spiele, wie in den ersten beiden Runden, nacheinander stattfinden, hätten die Mannschaften in der späteren Partie womöglich einen Vorteil – weil sie ja wüssten, wie die Konkurrenten gespielt haben. Sie könnten sich darauf in Aufstellung und Taktik einstellen – etwa wenn ihnen aufgrund des Ergebnisses in der ersten Begegnung schon ein Remis fürs Weiterkommen reicht.

Die parallele Ansetzung war nicht immer Usus. Zu einem Eklat kam es bei der WM 1982 in Spanien, als im letzten Gruppenspiel die deutsche Mannschaft auf Österreich traf. Die Partie ging als „Schande von Gijon“ in die Fußballgeschichte ein. Und das kam so:

In der zweiten Begegnung der Gruppe hatten zuvor die überraschend starken Algerier, die Deutschland zuvor mit 2:1 geschlagen hatten, gegen Chile gewonnen. Somit war klar: Deutschland musste gewinnen, Österreich durfte sich eine Niederlage mit zwei Toren erlauben. Dann würden beide Teams weiterkommen, Algerien wäre raus.

Deutschland und Österreich schlossen „Nichtangriffspakt“

Und genauso kam es. Die DFB-Elf ging früh durch ein Tor von Horst Hrubesch in Führung – und fortan schlossen die beiden Mannschaften eine Art „Nichtangriffspakt“. Zweikämpfe oder Torschüsse fanden vor allem in der zweiten Halbzeit so gut wie gar nicht mehr statt, stattdessen schob man sich den Ball in der eigenen Hälfte zu. Es blieb beim 1:0.

Die spanischen Zuschauer winkten mit weißen Taschentüchern als Zeichen ihrer Verachtung, aufgebrachte algerische Fans zeigten Geldscheine und vermuteten Schiebung. Der damalige ARD-Reporter Eberhard Stanjek, der das Spiel live kommentierte, sprach von „Schande“ – und schwieg minutenlang. Der österreichische TV-Kommentator Robert Seeger „schämte“ sich und forderte die Zuschauer sogar zum Abschalten auf.

Der Weltfußballverband Fifa und die europäische Uefa zogen aus dem „Trauerspiel“ die Konsequenzen: Seit 1984 finden die letzten Spiele einer Gruppe bei internationalen Meisterschaften zeitgleich statt.