WM 2018

Kriegsverbrecher-Vergleich: Serbien-Trainer Krstajic sorgt für Eklat

Das politisch aufgeladene WM-Duell zwischen der Schweiz und Serbien könnte ein Nachspiel für Nationaltrainer Mladen Krstajic haben.

Diese Aussagen dürften ein Nachspiel haben. Serbien-Trainer Mladen Krstajic hat sich nach der Niederlage gegen die Schweiz auf den deutschen Schiedsrichter Felix Brych eingeschossen.

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Moskau. Der Fußball-Weltverband FIFA hat erste Ermittlungen gegen den serbischen Nationaltrainer Mladen Krstajic wegen seines Kriegsverbrecher-Vergleichs in Zusammenhang mit dem deutschen Schiedsrichter Felix Brych (München) aufgenommen. Die FIFA bestätigte am Samstagabend, dass die Disziplinarkommission mit "Voruntersuchungen" begonnen habe.

Zudem ermittelt die FIFA gegen die Schweizer Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka. Die beiden Torschützen mit kosovo-albanischen Wurzeln hatten ihre Treffer am Freitag zum 2:1 gegen Serbien mit der politisch aufgeladenen Doppeladler-Geste gefeiert.

Krstajic: "Würde ihn nach Den Haag schicken"

Krstajic hatte am Tag nach dem WM-Spiel für einen Eklat gesorgt. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken", sagte der frühere Bundesligaprofi über Brych (42), der die Partie geleitet hatte. Den Haag in den Niederlanden ist der Sitz des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemaligen Jugoslawien.

Die Serben geben Brych die Schuld an der Niederlage, weil er ihnen in der 66. Minute einen Strafstoß verweigerte. Zudem bemängelt der Verband FSS, dass der Videobeweis nicht eingesetzt wurde. Deshalb haben die Serben ein Protestschreiben an die FIFA geschickt.

Die Entscheidung Brychs auf Freistoß zugunsten der Schweizer war allerdings vertretbar. Deshalb war sie auch kein Fall für den Videobeweis, der nur bei klaren Fehlern des Referees zum Einsatz kommen darf.

Schweizer Verband stellt sich hinter Xhaka und Shaqiri

Der Schweizer Fußball-Verband hat seine beiden Profis Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri in der Jubel-Affäre nach dem 2:1 gegen Serbien in Schutz genommen. "Der SFV stellt sich vor die Spieler", hieß es auf der Verbandsseite, nachdem der Weltverband FIFA am späten Samstagabend ein Disziplinarverfahren gegen die zwei ehemaligen Bundesligaspieler eröffnet hatte.

Die beiden Torschützen Xhaka und Shaqiri müssen sich wegen ihres Jubels in der emotionalen Partie am Freitagabend verantworten. Beide haben kosovarische Wurzeln und formten nach ihren Treffern mit den Händen den doppelköpfigen Adler, der die Flagge Albaniens ziert. Serbien erkennt das Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, dies gibt den heftig diskutierten Jubelgesten eine politische Dimension.

Schon bevor die FIFA mitgeteilt hatte, gegen Xhaka und Shaqiri zu ermitteln, hatte der Schweizer Generalsekretär Alex Miescher am Samstag um Verständnis für die Spieler gebeten. "Es gibt durchaus Momente von großer Emotionalität, in denen Fußball-Funktionäre oder Medienschaffende sich nicht wirklich vorstellen können, wie sich derart heftig provozierte Spieler fühlen, zumal in einem Spiel mit dieser Dramaturgie", hatte Wiescher gesagt.

Die FIFA ermittelt

Die Schweizer haben nun 24 Stunden Zeit für eine Stellungnahme an die FIFA-Disziplinarkommission. Xhaka und Shaqiri werden sich erst einmal nicht öffentlich zu dem Fall äußern. Die Schweizer haben am Sonntag trainingsfrei und beginnen erst am Montag mit ihrer Vorbereitung auf das letzte Gruppenspiel gegen Costa Rica am Mittwoch.

Der Schweizer Verbandspräsident Peter Gilliéron geht nicht davon aus, dass Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri ihrer Nationalmannschaft im letzten WM-Gruppenspiel gegen Costa Rica am Mittwoch fehlen werden. "Eine Sperre wäre ein Hammerschlag", sagte Gilliéron am Sonntag im Trainingscamp der Eidgenossen in Togliatti. (sid/dpa)