WM 2018

Kroatien greift nach den Sternen

Kroatien fühlt sich bereit für den großen Wurf. Die aktuelle Generation will die Helden von 1998 übertrumpfen.

Die Mannschaft jubelt mit Torschütze Rebic

Die Mannschaft jubelt mit Torschütze Rebic

Foto: pa

Nischni Nowgorod. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht humpelte Ante Rebic durch die Katakomben der Arena in Nischni Nowgorod. Der Körper zwickte und schmerzte, die vielen Duelle mit den Argentiniern hatten ihre Spuren hinterlassen. Aber das trübte die Laune des kroatischen Matchwinners nicht im Geringsten. Das ebenso überraschend deutliche wie verdiente 3:0 (0:0) gegen den Vizeweltmeister, das den ersten Achtelfinaleinzug Kroatiens bei einer WM seit 1998 besiegelte, war Balsam für die Wunden.

Endlich tritt die Generation der Fußballkünstler Ivan Rakitic, Luka Modric und Co. das schwere Erbe der Helden von Frankreich 1998 an - und auch Rebic hat daran seinen Anteil. "Wir haben ein tolles Spiel gemacht - ehrlicherweise haben wir auch nicht erwartet, dass es so deutlich ausgeht", sagte er.

Der Frankfurter Pokalheld hatte die Kroaten selbst in Führung geschossen (53.) und einen Aussetzer des argentinischen Keepers Willy Caballero eiskalt ausgenutzt. "Ich erwarte immer Fehler von den Gegnern, und ich mache bei jeder Gelegenheit Druck", sagte Rebic.

Der 24-Jährige hatte sich gegen Argentinien in jeden Zweikampf geworfen und dem Vizeweltmeister mit dem schwächelnden Lionel Messi von der ersten Minute an klargemacht: Wenn ihr etwas holen wollt gegen uns, dann müsst ihr an die Schmerzgrenze gehen.

Er kämpft, er kratzt, er beißt

Genau für dieses körperbetonte Spiel steht Rebic. Und er spult dieses Pensum nun regelmäßiger ab als früher. "Manchmal hat er Sachen gemacht, die waren Wahnsinn, aber dann hat er mich auch in den Wahnsinn getrieben", erzählte der ehemalige Frankfurter Trainer Niko Kovac einmal über seinen Schützling.

Rebic jedenfalls gibt der kroatischen Mannschaft, die von den Feingeistern Rakitic (Schütze des 3:0, 90.+1), Modric (2:0, 80.) oder Ivan Perisic bestimmt wird, damit eine neue Komponente. "Es ist zu früh, um über den weiteren Verlauf des Turniers zu sprechen", sagte Rebic: "Wir gehen Schritt für Schritt."

Abwehrchef Dejan Lovren, der unter Jürgen Klopp beim FC Liverpool spielt, trat forscher auf, und er wertete den Sieg als Kampfansage an die Konkurrenz. Die Gegner, sagte er, "werden uns respektieren und fürchten. Wer auch immer kommt, wir sind bereit. Mir ist es völlig egal, gegen wen wir spielen. Wir können besser abschneiden als 1998."

Nach Platz drei bei der WM in Frankreich vor 20 Jahren würde das bedeuten, dass Kroatien diesmal bis ins Finale vorstößt. Lovren steht damit nicht alleine da, auch der ehemalige Bundesligastürmer Mario Mandzukic hat längst noch nicht genug und lobte das neue Wir-Gefühl bei den Kroaten: "Dieser Sieg ist etwas Besonderes. Die Mannschaft ist der 'Man of the Match'. Wir haben aber nicht viel Zeit zum Feiern, denn wir wollen nicht nur die Gruppenphase überstehen", sagte er.

Co-Trainer Ivica Olic, ebenfalls langjähriger Bundesligaprofi, dachte bereits weiter. "Der nächste Schritt ist jetzt die K.o.-Runde", sagte er: "Wir haben bewiesen, dass wir auf höchstem Niveau Fußball spielen können. Und jetzt warten wir auf unseren Gegner."