WM 2018

Schüchterner Reus als Hoffnungsträger: "Ich biete mich an"

Gegen Mexiko brachte Marco Reus nach seiner Einwechslung frischen Wind. Für das Spiel gegen Schweden drängt er in die Startelf.

Marco Reus ist zurück im DFB-Trikot

Marco Reus ist zurück im DFB-Trikot

Foto: pa

Sotschi. Marco Reus spricht mit leiser Stimme. Auf dem Podium des Konferenzsaals im Fünf-Sterne-Hotel Radisson Blu wirkt der Dortmunder neben Teamkollege Thomas Müller ein bisschen schüchtern. Auch als er auf einen Einsatz von Beginn an im wegweisenden WM-Spiel gegen Schweden am Samstag (20.00 Uhr MESZ/ARD und Sky) in Sotschi angesprochen wird, äußert sich Reus zurückhaltend. "Es liegt nicht in meiner Hand. Ich gebe im Training Gas und biete mich an", sagte der 29-Jährige. Ein Lautsprecher klingt anders.

Diese Rolle haben für Reus andere übernommen. Experten und Fans fordern eine Startelfgarantie für den Offensivspieler. "Das bekommt man natürlich grundsätzlich mit. Der Bundestrainer hat sich aber noch nicht festgelegt. Er weiß aber um meine Fähigkeiten", sagte Reus.

Beim WM-Fehlstart gegen Mexiko (0:1) durfte er diese erst nach einer Stunde unter Beweis stellen. Mit seiner Geschwindigkeit und seinen Ideen brachte der immer wieder von Verletzungen geplagte Reus bei seinem WM-Debüt zumindest etwas Schwung ins lahmende deutsche Angriffsspiel. "Alle Einwechslungen waren positiv. Jeder hat sich reingehauen", sagte Kapitän Manuel Neuer. Das gilt besonders für Reus.

Für das Schweden-Spiel in der Olympiastadt von 2014 ist er nun zum Hoffnungsträger avanciert. Reus ist torgefährlich und kann mit seinen teils überraschenden Aktionen mehr Flexibilität ins zuletzt starre Spiel des Weltmeisters bringen. Bei der WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien (2:1) war er einer der wenigen Lichtblicke.

Auch wenn sich Löw offiziell noch nicht entschieden hat, dürfte es daher verwundern, wenn er erneut auf Reus verzichten würde. "Irgendeinen Impuls wird es schon geben", sagte auch Nationalmannschaftsdirektor Olivier Bierhoff am Mittwoch in der deutschen Confed-Cup-Oase.

Dieser Impuls dürfte Reus sein. Er könnte entweder im Angriff für den noch unerfahrenen Timo Werner oder in der offensiven Mittelfeldreihe eingesetzt werden. Dort müssten entweder Mesut Özil oder Julian Draxler weichen. "Ich hoffe, dass ich zum Einsatz komme und der Mannschaft helfen kann. Die Position ist mir eigentlich egal", sagte Reus, der betonte, dass er "den Ehrgeiz" habe zu spielen: "Sonst wäre ich hier fehl am Platz."

Angesichts seiner langen Liste an Verletzungen kam er bisher nur bei der EM 2012 zum Einsatz. Auch die Anzahl der gewonnenen Titel ist mit dem Pokalsieg 2017 überschaubar. Vor dem WM-Triumph 2014 in Brasilien verletzte er sich ausgerechnet bei der Generalprobe gegen Armenien.

Daher hat Reus große Hoffnungen in die Endrunde in Russland gesetzt. Noch lebt sein Traum vom Titel. Dass er nicht schon am Samstag platzt, dazu will er unbedingt mit Toren in der Startelf beitragen. Öffentlich sagen würde er das aber nie.