Kommentar

Von wegen Stress mit Videobeweis

Sportredakteur Michael Färber über das erstmals bei der WM angewandte Hilfsmittel.

Griezmann kommt in der 54. Minute im gegnerischen Strafraum zu Fall

Griezmann kommt in der 54. Minute im gegnerischen Strafraum zu Fall

Foto: pa

Berlin. Was wurde nicht alles heraufbeschworen: Spielertrauben, die sich auf dem Rasen mit den Schiedsrichtern epische Diskussionen liefern. Fans, die ihren Unmut lautstark kundtun, weil ihre Mannschaft wieder vermeintlich benachteiligt wurde. Und Funktionäre, die dieses Teufelszeug wieder loswerden wollen, am besten schon gestern. Kurzum: Viele Experten haben nichts Geringeres als das große Chaos vorhergesagt.

Nach drei WM-Tagen in Russland ist festzuhalten: Der Umgang mit dem Video-Assistenten ist entspannter denn je. Stress mit dem VAR? Von wegen. Dafür Spiele, die er fairer macht, wie in der Mehrheit auch schon in der vergangenen Bundesliga-Saison. Das heißt nicht, dass Fehlentscheidungen damit gänzlich verhindert werden. Wo Menschen arbeiten und entscheiden, wird es immer Fehler geben. Das muss man in die persönliche Betrachtung jedes Spiels einpreisen, auch wenn dies als Portugiese ohne Zweifel schwer fällt nach dem grenzwertigen Einsatz des Spaniers Diego Costa gegen Pepe vor dem 1:1 – und der VAR stumm blieb.

Doch den Elfmeter für Frankreich, den Antoine Griezmann gegen Australien verwandelte, muss es ebenso zwingend geben wie den Strafstoß für Peru, den der gefoulte wie anschließend bedauernswerte Christian Cueva über das dänische Tor drosch. Möglich gemacht hat dies der Video-Assistent, der die Unparteiischen auf dem Feld aufforderte, sich die Szene noch einmal auf dem Monitor anzuschauen. Beide korrigierten daraufhin ihre ursprünglich falschen Entscheidungen.

Und noch etwas wurde in den ersten WM-Tagen deutlich. Es macht sich bezahlt, Schiedsrichter mit der Überprüfung zu betrauen, die bereits über Erfahrung mit dem VAR verfügen. So wie am Sonnabend der Berliner Felix Zwayer. Auch dass es entsprechende Vorgaben im Umgang mit der erstmals bei einer WM angewandten Technik gibt, schafft Vertrauen in die von vielen immer noch abgelehnte Technik und nimmt Kritikern zugleich Angriffsmöglichkeiten. Dass jedes bei der WM geschossene Tor auf seine Korrektheit überprüft wird, gibt allen ein größeres Gefühl von Sicherheit. Von der Information auf den Videowänden für die Zuschauer, warum der VAR eingreift, ganz zu schweigen. Nachmachen, liebe Bundesliga.

Mehr zum Thema:

Frankreich gewinnt mit Videobeweis-Hilfe gegen Australien

Unterhaltung mit Haltung

Frühstück mit Hindernissen