Fussball

Feuertaufe bestanden: Mit Hierros Spaniern ist zu rechnen

Nach dem Trainer-Chaos zeigte das Team von Fernando Hierro Charakter - und seine große Klasse.

Der neue Spanien-Trainer Hierro kommt bei seinem Debüt zu einem 3:3 gegen Portugal

Der neue Spanien-Trainer Hierro kommt bei seinem Debüt zu einem 3:3 gegen Portugal

Foto: pa

Sotschi. Fernando Hierro lächelte erleichtert. Der Last-Minute-Schock durch Cristiano Ronaldo, der haarscharf verpasste Sieg zum Debüt auf der spanischen Trainerbank, ja selbst der schwere Patzer seines Schlussmanns konnten seiner guten Laune nichts anhaben. Der Interimscoach, das darf nach dem spektakulären 3:3 (1:2) zum WM-Auftakt gegen Europameister Portugal getrost festgehalten werden, hat seine Feuertaufe bestanden.

"Es war überhaupt keine einfache Situation, aber die Jungs haben eine fantastische Reaktion gezeigt", sagte Hierro nach dem fulminanten Schlusspunkt turbulenter Tage: "Ich bin stolz auf alle Spieler. Wir hatten ja kaum Zeit, uns zusammen auf das Match vorzubereiten."

Mit einem fabelhaften Fußballspiel, das von Spanien über weite Strecken dominiert worden war, sendete die Seleccion nur 48 Stunden nach dem Rauswurf von Julen Lopetegui aber eine klare Botschaft: Mit Spanien wird bei der WM zu rechnen sein.

Den Blick in die Zeitungen dürfte Hierro am Wochenende jedenfalls gefallen haben. "Trotz des Unentschiedens zeigte Spanien Charakter", schrieb AS. El Mundo Deportivo nannte die Hierro-Premiere, die in der Heimat mit einer Einschaltquote von 68 Prozent zum Straßenfeger wurde, ein "geiles Spiel". Und auch Bundestrainer Joachim Löw zollte großen Respekt: "Wir haben WM pur gesehen, das, was eine WM ausmacht", sagte er und sprach von einem "klasse Spiel mit Spannung, zwei tollen Mannschaften und technisch sehr, sehr gut, mit spektakulären Toren. Das war ein Genuss".

Dabei imponierten vor allem die Spanier, und zwar nicht bloß durch ihr inzwischen legendäres Tiki-Taka. In vorderster Front bewies der zuvor viel kritisierte Diego Costa (Hierro: "Ein sensationelles Match") mit seinem geradlinigen, schnörkellosen Spiel endlich auch im Nationalteam seinen Killerinstinkt. Und von Rückschlägen, das ist spätestens seit dem Portugal-Spiel klar, lässt sich die Rote Furie nicht aus der Bahn werfen.

Zweimal schlug der Weltmeister von 2010 nach Gegentreffern von Ronaldo durch Costa (24. und 55.) zurück und sah nach einem fulminanten Volleyschuss von Nacho (58.) lange sogar wie der Sieger aus - ehe Ronaldo mit seinem dritten Treffer kurz vor dem Ende noch für das Remis sorgte. Für Hierro kein Problem: "Das Team weiß, was es will", sagte der 50-Jährige und bezeichnete seine Mannschaft als große "Familie", die "so lange es geht, hier in Russland bleiben möchte".

Dafür dürfen solche Fehler wie von Keeper David De Gea, der beim 1:2 einen harmlosen Ronaldo-Schuss passieren ließ, allerdings nicht mehr passieren. "Wir haben keine Zweifel an ihm", beteuerte Hierro. Und auch der Torhüter von Manchester United machte nicht den Eindruck, als müsste ernsthaft Nachwirkungen befürchten. "Wir haben nun ein wichtiges Spiel gegen den Iran und mit einem Sieg können wir einen großen Schritt für die nächste Runde machen", sagte De Gea.