Fussball

Die jungen Löwen greifen für England an

Nach peinlichen Auftritten bei den vergangenen Turnier hat das Team aus dem Fußball-Mutterland einen radikalen Wandel vollzogen.

Phil Jones (l.) und Danny Welbeck während des Trainings

Phil Jones (l.) und Danny Welbeck während des Trainings

Foto: pa

Wolgograd. Vor zwei Jahren lag das Fußball-Mutterland am Boden. Geschlagen und gedemütigt vom krassen Außenseiter Island war England im EM-Achtelfinale auf groteske Art und Weise gescheitert. Hohn und Spott ergossen sich über Wayne Rooney und Co. - nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2014 und der peinlichen Pleite gegen das 300.000-Einwohner Land war das Selbstverständnis einer ganzen Nation in seinen Grundfesten erschüttert.

Es gebe also genug Gründe, dass die englischen Fußballfans wie so viele Male seit dem Titelgewinn 1966 mit dem urenglischen Fatalismus dem Turnier entgegenblicken. Doch die Stimmung hat sich gedreht. Auch wenn (noch) niemand zu euphorisch wirken will: Mit einem neuen Teammanager, einem neuen Torjäger und einem radikalen Kurswechsel geht die stolze Fußballnation vorsichtig optimistisch in die WM-Endrunde in Russland. Die Three Lions wollen Wiedergutmachung für die vergangenen Enttäuschungen. Erste Chance: Der WM-Auftakt gegen Tunesien am Montag (20.00 Uhr) in Wolgograd.

"Die WM bietet die Gelegenheit, etwas zu korrigieren", sagte Harry Kane, Kapitän, Hoffnungsträger und Gesicht des drittjüngsten Teams der Endrunde, dem Magazin FourFourTwo: "Ich möchte, dass die Menschen wieder stolz auf England sind. Selbst wenn wir verlieren, sollen die Fans sehen, dass wir da waren und es versucht haben. Ich denke, es ist wieder wichtig, diese Verbindung zu den Fans zurückzubekommen."

Teilweise hat das Team das bereits geschafft. Seitdem Gareth Southgate, 1996 bei der EM tragischer Fehlschütze im Elfmeterschießen gegen Deutschland, das Team übernommen hat, krempelte er es gehörig um. Gerade einmal eine Handvoll Spieler der vergangenen WM sind noch im Aufgebot - auch die Zeit von Rekordtorschütze Wayne Rooney ist vorbei.

Bisher griff die kompromisslose Verjüngungskur

Souverän gelang die Qualifikation, gerade einmal drei Tore kassierten die Engländer. Und auch die Vorbereitung darf sich sehen lassen, zuletzt gab es gegen die WM-Teilnehmer Nigerias und Costa Rica klare Siege, die letzte Niederlage liegt bereits mehr als ein Jahr zurück.

Daher hofft nicht nur Sturm-Idol Gary Lineker auf eine neue "Goldene Generation". Das Team um Kane, 2016 und 2017 Torschützenkönig der Premier League, seinen Tottenham-Mannschaftskollege Dele Alli oder den erst 20-Jährige Marcus Rashford haben jedenfalls das Potenzial dazu. Fraglich ist, ob das Turnier in Russland vielleicht nicht etwas zu früh kommt.

"Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Entwicklung", sagte Southgate: "Aber ich denke, die Menschen sehen eine Entwicklung und haben Spaß, uns zuzusehen." Trotzdem sollten sich die Engländer in der Gruppe G gegen Tunesien, Belgien und Panama für das Achtelfinale qualifizieren. Im Viertelfinale könnte es dann sogar zu einem Duell mit Deutschland kommen.

"Es gibt nur Empörung, wenn England zurückkommt und kein Schweiß auf dem Trikot ist. Dieses junge Team hat sich bei der Nation beliebt gemacht. Machen wir das beste daraus", schrieb die Times. Vielmehr schiefgehen als bei den letzten Auftritten auf der großen Bühne kann aber eigentlich ohnehin nicht mehr.

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