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WM-Stürmer Werner macht sich keinen Druck

Werner geht als deutscher Stürmer Nummer eins ins Turnier. Er tritt damit die schwierige Nachfolge von Weltklasse-Angreifern an.

Timo Werner schuftet beim Training

Timo Werner schuftet beim Training

Foto: pa

Watutinki. Die Pfiffe gegen Ilkay Gündogan lösten bei allen Teamkollegen großes Mitgefühl aus, Timo Werner berührten sie aber ganz besonders. Der Stürmer des Bundesligisten RB Leipzig kennt wie kein anderer Nationalspieler das bedrückende Gefühl, wenn einem die geballte Fan-Wut entgegenschlägt. Nach seiner plumpen Schwalbe gegen Schalke 04 im Dezember 2016 wurde Werner monatelang beschimpft und mit Schmähgesängen verunglimpft. Doch der 22-Jährige ist gestärkt aus dieser schweren Phase hervorgegangen - und bei der WM in Russland Deutschlands Stürmer Nummer eins.

"Mit 22 die erste WM zu spielen und dann gleich in dieser Rolle, das haben nicht so viele gemacht", sagte Werner im kicker-Interview. Die Fußstapfen, in die er dabei tritt, sind riesig. Gerd Müller, Rudi Völler oder Miroslav Klose hießen die Top-Angreifer der DFB-Auswahl bei vergangenen Weltmeisterschaften. Zu viele Gedanken macht sich Werner deshalb nicht: "Ich kann bei der WM eigentlich nur gewinnen. Ich fliege immer noch so ein bisschen unter dem Radar."

Außerdem sei bei der DFB-Elf "nicht wie in Leipzig überwiegend alles darauf ausgerichtet, dass ich gut in Szene gesetzt werde. Wir haben in der Nationalmannschaft auch andere Superspieler, die Spiele entscheiden können. Das nimmt mir schon mal viel Druck weg."

Doch Treffer werden in erster Linie von dem pfeilschnellen Torschützenkönig des Confed Cups erwartet. Er habe sich kein Ziel gesetzt, was die Torquote betreffe, sagte Werner zwar, doch auch ihm ist klar, "dass man als Stürmer am Ende einer Kette steht, da muss man die Bälle reinschießen".

Dies ist ihm in 14 Länderspielen achtmal gelungen

Das Vertrauen des Bundestrainers und seiner Mitspieler ist entsprechend groß. "Er ist ein Spieler mit besonderen Fähigkeiten, das macht ihn so gefährlich für unser Spiel", sagte Joachim Löw und betonte, dass Werner "sehr, sehr wertvoll" sei.

Werners Geschwindigkeit ist dabei eine echte Waffe. Auf den ersten 30 Metern soll er sogar schneller als Sprint-Superstar Usain Bolt sein. "Er zieht damit Abwehrreihen auseinander", sagte Innenverteidiger Jerome Boateng und hob Werners "sehr guten Abschluss für sein Alter" hervor. Werner habe zwar noch viel Potenzial nach oben, so der Münchner, "aber er muss eine tragende Rolle spielen."

Diese Rolle soll er schon zum Turnierstart am Sonntag (17.00 Uhr/ZDF und Sky) gegen Mexiko übernehmen. Bei den ersten Trainingseinheiten auf dem Gelände des russischen Spitzenklubs ZSKA Moskau gab sich Werner gelöst. Da blieb auch Zeit für Scherze oder ein Stein-Schere-Papier-Duell mit Julian Brandt. "Ich probiere, einfach locker und nicht verbissen an die ganze Sache ranzugehen. Dann wird mich auch ein schwächeres Spiel nicht aus der Bahn werfen", sagte Werner, der zuletzt immer wieder betonte, auch in der kommenden Saison definitiv in Leipzig zu spielen.

Ein starker Auftritt bei der WM würde aber Begehrlichkeiten wecken. "Ich möchte einfach so viel wie möglich beitragen, dass wir gewinnen und diesen Traum von der Titelverteidigung irgendwie wahr werden lassen, ob durch Vorlagen oder Tore, das ist mir wirklich völlig egal", sagte Werner, der sich in diesen Tagen aber auch viel mit Gündogan und den Pfiffen beschäftigt. "Ich kenne das und weiß deshalb, wie es Ilkay geht. Aber er ist Profi und wird es wie ich schaffen, mit Leistung die Situation wieder zu drehen", sagte Werner.

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