Kolumski

Fifa öffnet auch nicht alle Türen

Für Reporter Kai Schiller fängt das WM-Abenteuer an. Er erlebte bereits schon kuriose Sachen.

Kai Schiller  beschert sein Geheimcode in Russland wenigstens ein Bier

Kai Schiller beschert sein Geheimcode in Russland wenigstens ein Bier

Foto: Andreas Laible

An diesem Donnerstag geht er also wieder los: der ganz normale WM-Wahnsinn. Für mich ging das WM-Abenteuer aber bereits vor ein paar Wochen los, als ich mich um ein Russland-Visum bemühte.

Alles fing mit dem Visazentrum in Hamburg-Winterhude an. Dort sagte man mir netterweise, dass ich Geld sparen könnte, wenn ich direkt drei Straßen weiter ins russische Konsulat gehen würde. Wichtig sei nur, dass ich am Eingang Bescheid gebe, dass ich etwas mit der Fifa-WM zu tun habe.

Gesagt, getan. Angekommen am Konsulat klingelte ich. Einmal, zweimal, zehnmal. Am Ende klingelte ich 15 Minuten lang Sturm, ehe sich plötzlich eine Stimme am anderen Ende meldete. „Ich würde gern ein Visum beantragen“, sagte ich höflich in die Gegensprechanlage hinein. „Kein Deutsch“, war die Antwort. „I need a visa“, versuchte ich es. „No english“, schallte es mir diesmal entgegen. Mein letzter Joker: „Fifa!“

Und Simsalabim: Es dauerte handgestoppte zehn Sekunden, ehe ein kleines, russisches Männlein mich am Eingang abholte und mich zum entsprechenden Beamten führte. Fifa? Kein Problem! Keine Viertelstunde später hatte ich mein Visum in der Hand.

Die Ernüchterung folgte allerdings nach der Ankunft in Moskau in der vorigen Woche. Als der Taxifahrer mich vom Bahnhof zum Hotel fahren sollte, entschied er sich für die große Stadtrundfahrt. „No english! No deutsch“, sagte er noch, als ich versuchte zu protestieren. Selbst mein Einwand „Fifa“ erzeugte diesmal nur ein Lächeln. Im Hotel wollte dann das Warmwasser nicht so wie ich. Also noch ein Versuch: „Fifa!“ Doch es blieb eiskalt. Und auch der ernst dreinguckende Sicherheitsmann vor dem deutschen Mannschaftshotel ließ sich von meinem flehenden „Fifa“ nicht erwärmen.

Ist der ganze Zauber also schon wieder vorbei? Von wegen! Als ich gestern Abend noch ein letztes (spätes!) Feierabendbier trinken wollte, machte die Bedienung unmissverständlich klar, dass man schließe. Dann sah sie die offizielle WM-Akkreditierung, die hier alle Journalisten wie Schlüsselkinder um den Hals baumeln haben. „Fifa?“, fragte sie – und brachte ein eiskaltes Bier. Sa sdorowje! Prost!

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