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Griezmann lächelt, Entwarnung bei Mbappe

Die Grande Nation gehört in Russland zu den Titelfavoriten. Das Sportliche rückte aber vor dem Auftaktmatch in den Hintergrund.

Mbappe und Griezmann während einer Trainingseinheit

Mbappe und Griezmann während einer Trainingseinheit

Foto: pa

Istra. Antoine Griezmann quittierte die ungewöhnliche Aktion mit einem breiten Grinsen. Auch der Erfindungsreichtum eines spanischen Reporters, der über den Umweg Google Translate via Mikrofon doch noch halbwegs eine Frage auf Französisch stellte, lockte den Torjäger von Atletico Madrid nicht aus der Reserve.

Er habe eine Entscheidung über seine Zukunft getroffen, aber es seien nicht der Ort und der Zeitpunkt, diese zu verkünden, betonte der 27-Jährige. Der französische Pressechef Philippe Tournon war dagegen alles andere als erfreut und fuhr den spanischen Reporter harsch an: "Die Pressekonferenz wird nur auf Französisch gehalten."

Eine kleine Episode beim Pressemeeting der Equipe Tricolore in Istra vor den Toren Moskaus, die aber klar macht, dass der Transferpoker um Griezmann den Weltmeister von 1998 auch bei der WM in Russland nicht in Ruhe lässt. In Spanien gilt der Wechsel des pfeilschnellen Angreifers von Atletico zum Meister FC Barcelona für 100 Millionen Euro längst als beschlossene Sache.

Am Samstag (12 Uhr/ZDF) trifft die französische Auswahl im Spiel der Gruppe C in Kasan auf Australien. Ein machbarer Aufgalopp für die hoch gehandelten Schützlinge von Trainer Didier Deschamps. Zumal auch 180-Millionen-Mann Kylian Mbappe nach seiner im Training erlittenen Knöchelverletzung Entwarnung gab.

"Mir geht es gut", twitterte das Sturm-Juwel von Paris St. Germain, "ich habe nur einen Schlag abbekommen." Dass ihn Adil Rami im Zweikampf unglücklich getroffen hatte, verzieh Mbappe diesem sofort. Der 19-Jährige dürfte gegen die Socceroos dabei sein.

Ansonsten geht es für Deschamps darum, in seinem vor allem in der Offensive hoch veranlagten Team die Balance herzustellen. Viele Experten glauben, dass Les Bleus zwar an guten Tagen jeden Gegner aus dem Stadion schießen können, aber gleichzeitig in der Abwehr sehr anfällig sind.

Bei der EURO vor zwei Jahren gelang dem Gastgeber im Endspiel gegen Portugal nicht der große Wurf, die Iberer gewannen trotz der frühzeitigen Verletzung von Superstar Cristiano Ronaldo in der Verlängerung. Nicht wenige erwarten nun, dass Frankreich am 15. Juli im Luschniki-Stadion von Moskau zum zweiten Mal Weltmeister wird.

Eine entscheidende Rolle wird dabei Mittelfeld-Stratege Paul Pogba zukommen. Der 105-Millionen-Mann von Manchester United wurde zwar in der laufenden Saison häufig von Teammanager Jose Mourinho mit Missachtung gestraft. In der französischen Elf gilt er jedoch als gesetzt. "Ich will die Zügel der Mannschaft in die Hände nehmen, ich will ihr Patron sein, auf und neben dem Platz", zitierte die Süddeutsche Zeitung den französischen Star.

Deschamps, Kapitän und Kopf des Weltmeister-Teams 1998 und des Europameisters 2000, nahm einst in der Equipe Tricolore dieselbe Position im Mannschaftsgefüge ein. Der heute 49-Jährige galt allerdings als absoluter Teamplayer, einer, der sich voll in den Dienst der Mannschaft stellte. Glänzen konnten damals andere - allen voran Superstar Zinedine Zidane.

Pogba wird hingegen nachgesagt, dass sein Ego deutlich größer ist als bei vielen seiner Mitspieler. Deschamps setzt wie sein deutscher Kollege Joachim Löw auf die mannschaftliche Stärke, Pogba könnte mit seinen Extratouren das Kollektiv gefährden. Die ersten WM-Spiele werden Aufschluss geben, ob der Star seinem Anspruch gerecht werden kann.

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