WM 2018

Deutschlands WM-Gegner Mexiko im Check

Deutschland trifft bei der Weltmeisterschaft in der ersten Partie auf Mexiko. Wie gut ist die Mannschaft aus Lateinamerika? Der Check.

Am 17. Juni beginnt für Deutschland die WM im ersten Spiel gegen Mexiko.

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Moskau. An dieser Geschichte kommt man vor Mexikos 16. WM-Endrunde einfach nicht vorbei. An der Familiengeschichte von Javier Hernández Balcázar, besser bekannt als Chicharito, kleine Erbse.

Dieser Mini-Erbse, die zwischen 2015 und 2017 stolze 28 Treffer für Bayer Leverkusen erzielen konnte, ist das Toreschießen buchstäblich in die Wiege gelegt. „Schon durch meinen Papa war ich mittendrin in dieser Fußball-Welt. Ich war oft im Stadion, kannte die Spieler, hörte zu, was sie redeten. Ich kann nur sagen, dass ich eine wunderbare Kindheit hatte“, sagte der Rekordtorschütze der mexikanischen Nationalmannschaft mal in einem Interview mit „11 Freunde“.

Chicharitos Papa Javier, der nur Chicharo (Erbse) genannt wurde, stürmte von 1983 bis 1994 35 Mal für El Tri. 1986 gehörte die Senior-Erbse sogar zum Kader der mexikanischen Mannschaft bei der Heim-WM, kam allerdings nicht zum Einsatz. Besser machte es Opa-Erbse Tomás Balcázar González. Chicharitos Großvater spielte bei der WM 1954 in der Schweiz und konnte beim 2:3 gegen Frankreich sogar ein WM-Tor erzielen. „Wenn du auch bei einer WM ein Tor geschossen hast, können wir auf Augenhöhe reden“, sagte Großvater Balcázar stets zu seinem Enkel, der sich die Worte sehr zu Herzen genommen haben muss. Denn fast auf den Tag 56 Jahre später wiederholte der Torjäger bei der WM 2010 in Südafrika das Kunststück des Superseniors. Und anders als die Opa-Erbse konnte die kleine Erbse vor acht Jahren nicht nur treffen sondern auch noch gegen Frankreich gewinnen. Chicharitos Tor beim 2:0-Sieg war gleichzeitig Mexikos 50. WM-Treffer.

Durchbruch bei der Weltmeisterschaft 2010

Die Weltmeisterschaft 2010 war Chicharitos internationaler Durchbruch. Mit 32,14 km/h war er sogar schnellster Turnierspieler – und durfte sich nach dem Turnier genauso schnell über zahlreiche Angebote internationaler Top-Klubs freuen. Anders als Papa Javier und Opa Balcázar, die nie in Europa spielten, wagte Chicarrón, wie der Junior oft als Kind genannt wurde, das Abenteuer und wechselte nach der WM 2010 zu Manchester United. In England wurde er zweimal Meister, ehe es ihn nach der WM 2014 zu Real Madrid und nur ein Jahr später zu Bayer Leverkusen zog.

Dort wurde aus ChichaDios, Chicha-Gott, trotz seiner starken Torquote bald die „Verknallererbse“ („Kölner Express“), nachdem er zwei Elfmeter hintereinander verschossen hatte. Als der Stürmer nach nur zwei Jahren im Sommer 2017 für 17,9 Millionen Euro zu West Ham United wechselte, war in Leverkusen niemand so richtig traurig.

In Mexiko und ganz Lateinamerika ist das anders. Dort wird CH14 ähnlich verehrt wie CR7, also Cristiano Ronaldo, in Portugal und im Rest von Europa. Chicharito taucht regelmäßig in der Comicserie „Mucha Lucha“ auf, hat zahlreiche Werbeverträge und mittlerweile knapp neun Millionen Follower bei Twitter. Zum Vergleich: Ganz Bayer Leverkusen hat 58 200 Follower.

Die schnellste Erbse Mexikos

Alleine wird der mexikanische Superstar, dessen Anhänger den 14. August zum „Chicharito-Tag“ erklärt haben, seine Nationalmannschaft in Russland aber kaum zum Sieg führen können. Im endgültigen WM-Aufgebot sind neben der schnellsten Erbse Mexikos auch die beiden Frankfurt-Legionäre Carlos Salcedo (24) und Marco Fabián (28) dabei. Ebenfalls nominiert nach der letzten Auslese ist überraschend Altstar Rafael Marquéz (39).

Sechsmal in Folge ist Mexiko bei den vergangenen WM-Endrunden jeweils im Achtelfinale ausgeschieden. Diesmal wäre überhaupt die Qualifikation für das Achtelfinale schon ein Erfolg. Da Deutschland unumstrittener Gruppenfavorit ist, müssen Chicharito und Co. auf jeden Fall gegen Schweden und Südkorea punkten. Nationaltrainer Juan Carlos Osorio bleibt im Hinblick auf die WM aber „optimistisch, stolz und sehnsüchtig“, wie der Trainer bei der Kaderpräsentation verriet.

Neben Chicharito sollten deutsche Fans beim DFB-Auftaktgegner ein Augenmerk auf Mittelfeldmann Hector Herrera legen, der laut „transfermarkt.de“ genau wie Chicharito einen Marktwert von 18 Millionen Euro aufweist. Spitzenreiter in der Marktwerttabelle ist allerdings Eindhovens Supertalent Hirving Lozano, der sogar 22 Millionen Euro wert sein soll. Der 22 Jahre alte Offensivmann soll vom FC Valencia umworben sein.

Doch wenn am 17. Juni Mexiko und Deutschland in Moskau aufeinandertreffen, werden vor allem zwei Ex-Nationalspieler ganz genau hinschauen: Chicharitos Papa Javier und Opa Tomás Balcázar Gonzálesz. Der Erbseneintopf ist angerichtet