Fussball-WM 2018

Ohne Identifikation geht gar nichts

In 100 Tagen beginnt die Fußball-WM: Wie die russischen Organisatoren ein gelungenes Turnier sichern wollen und wo es Tickets gibt.

Der Wolf Zabiwaka wirbt als  Maskottchen für die Fußball-WM 2018.

Der Wolf Zabiwaka wirbt als Maskottchen für die Fußball-WM 2018.

Foto: Andrey Golovanov / picture alliance / GES/Andrey Go

Berlin.  Christoph Ladwein hatte beste Laune. Im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur erhielt der Anhänger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am vergangenen Freitag die erste sogenannte Fan-ID. Im Beisein des russischen Botschafters Sergej Netschajew, des Berliner Verbandspräsidenten Bernd Schultz und von Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, wurde ihm das Identifikationsdokument für Ticketinhaber überreicht, die Spiele der Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli besuchen wollen. Die laminierte Karte ermöglicht die visumsfreie Ein- und Ausreise und berechtigt zur kostenfreien Nutzung von Sonderzügen sowie des öffentlichen Nahverkehrs an den Spielorten des Turniers.

Damit, aber spätestens mit dem heutigen Tag begann so etwas wie der Countdown der Titelkämpfe. An diesem Dienstag sind es noch genau 100 Tage bis zum WM-Auftaktspiel zwischen Gastgeber Russland und Saudi-Arabien im Moskauer Luschniki-Stadion. Die Vorfreude auf das Turnier wächst, die Nachfrage nach Tickets ist groß. Der Weltverband Fifa vermeldete während der zweiten Verkaufsphase Ende Januar 4,9 Millionen Anfragen, was die Zahl der zur Verfügung stehenden Karten für die 64 Spiele bei Weitem übersteigt. Besonders kauflustig sind deutsche Fans. Mit 338.414 Anfragen belegen sie Platz zwei hinter den Russen (rund 2,5 Millionen).

Antragsteller werden einem Sicherheitscheck unterzogen

Der Confed-Cup im Sommer vergangenen Jahres blieb als insgesamt geglückte Generalprobe in Erinnerung. Fifa-Präsident Gianni Infantino ist optimistisch, dass auch die WM ein Erfolg wird: „Ich bin überzeugt, dass es keinerlei Probleme geben wird.“ Cheforganisator Alexej Sorokin versicherte: „In wenigen Wochen wird alles bereit sein. Wir arbeiten hart, damit sich die Besucher wohl fühlen und damit Russland in 100 Tagen für sie ein Zuhause wird.“

Sorgen vor Hooligans, die zuletzt bei der EM 2016 in Frankreich abstoßende Bilder lieferten und die vor allem aus Russland, England und Deutschland angereist waren, versuchen die Gastgeber zu zerstreuen. Bei der WM werden Tausende Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Doch nicht nur die abschreckende Komponente soll wichtig sein, auch eine intelligente. Nämlich besagte Fan-ID: Nur wer sie besitzt, kommt in die Stadien. Und vor ihrer Ausgabe werden Antragsteller einem Sicherheitscheck unterzogen. Die Behörden haben außerdem eine Liste mit Hunderten bekannten Hooligans zur Verfügung, die nicht zu den Spielen kommen dürfen. So versucht Russland, von vornherein mögliche Gefährder kalt zu stellen.

Russland sieht sich nicht als Favorit auf den Titel

Was nach viel Bürokratie klingt, soll sich für die echten Fußball-Anhänger aber nicht so anfühlen. Christoph Ladwein zumindest sagte: „Kompliziert oder umständlich ist die Beantragung der kleinen Karte nicht gewesen.“ Der Berliner, der viele russische Freunde hat, freut sich auf die bevorstehende Reise. Von einer erfolgreichen Titelverteidigung der Mannschaft Joachim Löws scheint er allerdings nicht ganz überzeugt zu sein. Jedenfalls besitzt er Tickets für das Spiel um Platz 3 am 14. Juli in Sankt Petersburg.

Am 13. März startet auf der Fifa-Internetseite die vorletzte Verkaufsphase für Einzeltickets. Bis 3. April werden dabei Karten nach Reihenfolge des Bestellungseingangs vergeben. Dabei wird der Erwerb direkt im Anschluss bestätigt. Sollte der Kauf in diesem Zeitraum nicht gelingen, bietet die Last-Minute-Verkaufsphase, die am 18. April startet, eine letzte Chance, um sich Tickets zu sichern und bei der WM selbst dabeizusein. Ob sie ein Erfolg wird, hängt auch vom Abschneiden Russlands ab. Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow dämpft allerdings die Erwartungen: „Wir müssen uns selbst gegenüber objektiv bleiben. Deutschland gehört klar zu den Favoriten. Und auch Teams wie Brasilien, Argentinien und Frankreich stehen auf der Favoritenliste deutlich höher als wir.“