Mein Brasilien

Drei Müller, zwei Schweinsteiger und ein Sohn namens Joaquin

Auch für unseren Sportredakteur geht die Zeit in Brasilien jetzt zu Ende. Was Jörn Meyn aus Brasilien und vom WM-Turnier mitnehmen wird – und was die deutsche Hinterlassenschaften im WM-Land sind.

Die WM in Brasilien ist vorbei, und nach fünf Wochen ich stelle mir die ultimative Frage: „Was hast du gelernt?“ Eine Menge. Dass man Fledermäuse nicht mit Plastikflaschen aus Duschen vertreiben sollte, zum Beispiel. Dass hier Kondome in Verpackungen aussehen wie Kaugummi, und dass man einen Schuss durch die Beine eines Spielers in Brasilien jemandem ein Röckchen anziehen nennt.

Aber vor allem hat Brasilien, dieses Riesenland mit riesigen Problemen und riesiger Hoffnung, bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Offenheit der Menschen, ihre freundliche Zurückhaltung und ihre fortwährende Hilfsbereitschaft – das hat imponiert.

Aber auch Deutschland hat wiederum Brasilien beeindruckt. Die Dorfjungs aus dem Fischerort Santo André zum Beispiel, mit denen ich regelmäßig Fußball spielte, haben noch vor dem Turnier oft gestritten, wer auf dem Feld nun Neymar sein durfte, wer David Luiz und wer Oscar. Das waren ihre Helden.

Es war mir ein Fest

So hat es mir der Sohn meiner Herbergseltern erzählt, als ich mich verabschiedete. „Aber jetzt will keiner mehr Neymar oder ein anderer brasilianischer Spieler sein“, sagte Thiago. „Jetzt will jeder Müller, Schweinsteiger, Klose oder Neuer sein“, sagte Thiago und lachte. „Wir haben drei Müller, zwei Schweinsteigers und zwei Neuers auf dem Feld.“

Thiago hat erzählt, dass er Vater wird. Wir haben darauf angestoßen und bis in die Nacht über den Sinn des Lebens philosophiert. Und so schnulzig es klingen mag, aber einen Jungen wird Thiago nun Joaquin nennen. Auch Bundestrainer Löw hat Eindruck hinterlassen.

Nach 38 Tagen endet nun mein WM-Abenteuer. Mancher hat an den Nerven gezerrt. Aber jeder hat sich gelohnt. Danke, Brasilien. Es war mir ein Fest.