Mein Brasilien

Das verwunschene Dorf und der Geist von Santo André

Jörn Meyn berichtet von der Fußball-WM. Fünf Wochen war er zu Gast in Santo André, dem Zuhause der deutschen Nationalelf. Nun nimmt er Abschied von einem besonderen Ort.

Ein letztes Mal bin ich durch das germanische Dorf gejoggt, bevor es nach Rio zum Finale ging. Santo André, das fünf Wochen das Zuhause der deutschen Nationalelf und meines war. Das 800-Seelen-Dorf riecht ganz anders als Berlin. Es duftet süßlich nach Früchten und tropischen Pflanzen.

Ich startete meine Runde am Wohnhaus meiner Herbergseltern, deren Herzlichkeit mich verblüfft hat. Als ich einmal in Recife gestrandet war und zwei Tage später als erwartet zurückkam, fiel mir ihr Sohn um den Hals. Er hatte sich Sorgen gemacht.

Ich lief auf dem staubigen Sandweg am kleinen Supermarkt vorbei, dessen Verkäufer mir immer zunickte. Die Freundlichkeit der Dorfbewohner, für die die Anwesenheit der Deutschen auch eine Belastung war, hat mich jedes Mal im Magen getroffen. Ihre Erhabenheit, ihr Stolz, mit dem sie ihr Leben in nicht so einfachen Verhältnissen führen.

Vorbei an den Militärpolizisten vor dem DFB-Quartier

Ich lief vorbei am Dorfplatz, der von den Besitzern des Campo Bahia zu einem saftig grünen Fußballplatz umgebaut werden sollte, aber immer noch nicht fertig ist. Ich lief vorbei an der kleinen Spelunke, in der wir ein Spiel der Selecao gesehen hatten.

Ich rannte die Straße hoch vorbei an den Militärpolizisten vor dem DFB-Quartier, die erst jetzt am Ende ihre Gruseligkeit für mich verloren haben, und sah aus der Ferne den Bolzplatz, auf dem ich mit den Dorfjungs Fußball spielte. Zurück lief ich am Strand des Atlantiks, in dem ich nur ein einziges Mal schwamm.

Zurück im Bungalow, vom klapprigen Liegestuhl schaute aufs ich Meer. Nach fünf Wochen hier fühlt es sich an, als würde ich etwas zurück lassen. Aber diese WM, das verwunschene Dorf und der Geist von Santo André, das nehme ich mit.