Fanmeile

Frankfurt will Berlin die ganz große WM-Show stehlen

Der 7:1-Sieg der Deutschen ist nur wenige Stunden alt, schon wappnet man sich in Berlin für die Möglichkeit des ganz großen Triumphes. Doch auch Frankfurt buhlt um die Gunst der deutschen Elf.

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Nach dem furiosen Halbfinalsieg der deutschen Elf gegen Brasilien buhlen mit Berlin und Frankfurt gleich zwei Städte um eine mögliche Titel-Party in der kommenden Woche.

Die Berliner Politik hofft auf eine Party der deutschen Elf auf der Fanmeile am Brandenburger Tor, schränkte am Mittwoch allerdings vorsichtig ein.

„Es wäre wunderbar, wenn wir die Mannschaft als Weltmeister in Berlin begrüßen könnten. Aber das zu entscheiden ist Sache der Mannschaft selbst, und zuerst muss mal das Finale gespielt werden“, sagte der Berliner Senatssprecher Richard Meng.

Klar sei aber: „Ganz Berlin drückt am Sonntag die Daumen, und ganz Berlin ist am Sonntag Fan.“

Auch Berlins Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) hält die Hauptstadt für den passenden Ort, die Fußball-Nationalmannschaft nach der WM in Brasilien zu Hause zu begrüßen.

„Natürlich ist Berlin als Hauptstadt prädestiniert dafür, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach dieser jetzt schon sehr erfolgreichen Turnierteilnahme begeistert und würdig zu empfangen“, so Henkel. „Ich drücke der Mannschaft die Daumen für Sonntag und hoffe auf einen Sieg.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich mit Blick auf das Endspiel optimistisch. „In der Form kann man natürlich Weltmeister werden. Und das ist der Anspruch, mit dem Jogi Löw und seine Truppe angetreten sind, und wir stehen hinter ihm“, sagte Wowereit am Mittwochmorgen im RBB-Inforadio.

„Ich glaube, egal, wer jetzt der Gegner sein wird, es wird ein ganz schweres Spiel werden. So leicht wie gestern wird's nicht“, meinte Wowereit. „Aber die Deutschen haben alle Voraussetzungen dafür, tatsächlich Weltmeister zu werden und das wollen wir doch hoffen.“

Wie die Berliner Fanmeile den Sieg gegen Brasilien erlebte

Auch Frankfurt möchte einen Empfang für die Deutschen bereiten

Die Veranstalter der Fanmeile teilten mit: „Wir planen noch keinen Empfang der Nationalmannschaft und haben auch bisher keinerlei Kontakt zum DFB.“

Der Landessportbund (LSB) unterstützte Überlegungen zu einem Besuch der Nationalelf in der Hauptstadt. „Die Berliner sind ein großartiges Sportpublikum. Die Stimmung am Brandenburger Tor in diesen Tagen dürfte einmalig sein in Deutschland“, erklärte der LSB-Präsident Klaus Böger. „Nichts liegt also näher als der Abstecher einer WM-Siegerelf dorthin, wo die Fans die letzten Wochen über intensiv mit ihren Fußball-Helden mitgefiebert haben. Dazu sollte die Fanmeile gerne noch bis Dienstag geöffnet bleiben.“

Doch nicht nur Berlin hofft auf einen möglichen Triumph-Zug nach Ende der WM. Auch Frankfurt (Main) rechnet sich Chancen aus. Bereits vor der Weltmeisterschaft habe Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einem Brief eingeladen, im Erfolgsfall nach Frankfurt zu kommen, sagte OB-Sprecher Ralph Klinkenborg am Mittwoch. Die Entscheidung, ob es nun Frankfurt oder Berlin werde, liege beim DFB. Dort sagte eine Sprecherin, die Planungen liefen, es könne aber noch nichts gesagt werden. Man mache sich Gedanken über beide Optionen.

OB-Sprecher Klinkenborg rechnete damit, dass die DFB-Verantwortlichen im Verlauf des Mittwochs in Brasilien entscheiden würden. Für die Stadt sei es kein Problem, kurzfristig einen Empfang am Dienstag etwa auf dem Römerberg auf die Beine zu stellen. Auf dem Platz hatten die deutschen Kicker etwa ihre WM-Titel 1974 und 1990 gefeiert, auch nach dem zweiten Platz bei der WM 2002 war das Team dort bejubelt worden.

Ein fast schon historisches Spiel

Im Kurznachrichtendienst Twitter und bei Facebook kündigten viele Menschen in der Euphorie nach dem 7:1 gegen Brasilien an, spontan zum Endspiel nach Berlin reisen zu wollen. Hotelzimmer für das Wochenende wurden im Internet noch angeboten, zum Teil aber mit dem Zusatz, jetzt sei Eile geboten.

Nach der Heim-WM in Deutschland 2006 hatte sich die Mannschaft auf der Fanmeile von Hunderttausenden Fans feiern lassen, auch wenn sie nur Dritter wurde. 2010 erreichte die Mannschaft erneut den dritten Platz und verzichtete auf eine Feier in Berlin.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich am Mittwoch zur deutschen Nationalmannschaft. Auf der Regionalkonferenz der ostdeutschen Ministerpräsidenten im Roten Rathaus in Berlin sagte sie: „Ich schließe mich der Meinung der gesamten Welt an, dass es ein sehr gutes Spiel war, das man fast schon historisch nennen kann.“

Bundespräsident Joachim Gauck und Merkel werden nach Rio de Janeiro reisen, um am Sonntag beim Endspiel der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Das teilte das Bundespräsidialamt am Mittwoch mit.

Zehntausende Fans feierten den 7:1-Triumph auf der Fanmeile

Die polizeiliche Bilanz zum Public Viewing auf der Fanmeile am Dienstagabend ist unterdessen durchaus positiv. Bis zum Mittwochmittag meldete die Polizei lediglich die Festnahme zweier mutmaßlicher Taschendiebe: Ein 43-Jähriger hatte gegen 1.25 Uhr in der Ytzhak-Rabin-Straße einen 24-Jährigen das Handy aus der Hosentasche gezogen. Der Dieb reichte die Beute sofort an seinen 41-Jährigen Begleiter weiter.

Der Bestohlene wandte sich umgehend an Beamte einer Einsatzhundertschaft, die beide Täter in der Menge ausfindig machen konnten und die Tatverdächtigen festnahmen.

Ansonsten blieb es auf der Fanmeile friedlich. Einige zehntausend Anhänger der deutschen Nationalmannschaft ließen sich auch von Regen und Gewitter nicht vertreiben – und bereuten es nicht. Schon eine halbe Stunde nach Anpfiff war das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien entschieden und die Straße des 17. Juni eine einzige Partymeile.

Kleiner Autokorso, 11.000 Schaulustige

Fortgesetzt wurde das Fußball-Fest in der Nacht auf dem Kudamm in Charlottenburg. Nach dem furiosen Sieg der Löw-Truppe hatten nur etwa 60 bis 70 Autos an einem Autokorso auf dem Kudamm teilgenommen - nicht zuletzt dadurch bedingt, dass sich geschätzt 11.000 Schaulustige am Boulevard einfanden und den Verkehr zum Erliegen brachten.

Vereinzelt kam es auch zu Flaschenwürfen, wodurch eine Polizistin so schwer verletzt wurde, dass sie nach ambulanter Behandlung vom Dienst abtreten musste. Ein weiterer Beamter wurde ebenfalls leicht verletzt, verblieb aber im Einsatz.

Nachdem die BSR die Hinterlassenschaften der Feiernden auf dem Kudamm beseitigt hatte, war die City-West von 3.30 Uhr an für den Verkehr wieder normal nutzbar, heißt es bei der Polizei.

Das Minutenprotokoll zum Halbfinal-Spiel

Handy-Nutzer kommen hier zum Minutenprotokoll