Kai-Pirinha

Warum ich in Shkodran Mustafis Bett schlafen musste

Kein Taxi, kein Flieger und kein Hotel… Nach einem Horrortag durfte ich immerhin in Shkodran Mustafis Bett schlafen – allerdings nicht alleine. Der WM-Blog unseres Sport-Reporters Kai Schiller.

Foto: Kai Schiller

Es gibt so Tage… Gestern zum Beispiel: Klar, Deutschland hat gegen die USA 1:0 gewonnen, ist Gruppenerster geworden und ist ins Achtelfinale eingezogen. Doch all das war spätestens kurz nach dem Abpfiff schon wieder vergessen. Von mir. Und von fast all meinen Kollegen. Denn so einen Tag wie Donnerstag, das muss ich ehrlich zugeben, den hatte ich noch nie.

Los ging der Tag um 1.20 Uhr morgens. Da klingelte der Wecker. Duschen, anziehen, um 1.40 Uhr am Auto treffen. Schnell zum Anleger, dann mit der Zwei-Uhr-Fähre über den Fluß und ab zum Flughafen. Mit dem Flieger um 4.30 Uhr morgens nach Salvador, umsteigen, den nächsten Flieger nehmen. Und weil das alles so viel Spaß gemacht hat, wieder eine Zwischenlandung, diesmal in einem Nest, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Um 10 Uhr sind wir dann tatsächlich in Recife angekommen – und es folgte der nächste Hammer: wegen Unwetter war der gesamte Verkehr der Stadt zusammengebrochen. Ein Taxi, so sagte uns eine nette Mitarbeiterin am Flughafen, würde zwei bis drei Stunden dauern.

Die Metro war die Lösung. Allerdings auch für die knapp 50.000 Fans, die ebenfalls ins Stadion wollten. Mit der Metro also in die Stadt rein, wieder umsteigen (damit kannte man sich ja mittlerweile aus), die nächste Metro und wieder umsteigen. Diesmal in den Bus. Dieser fuhr uns doch immerhin bis rund zwei Kilometer vom Stadion entfernt. Weiter ging es zu Fuß – natürlich durch den strömenden Regen. Ankunft am Stadion: gegen 12 Uhr Ortszeit, eine Stunde vor dem Anpfiff. Also keine Zeit zum essen mehr. Macht ja aber nichts, können wir ja auch nach dem Spiel noch machen. Dachten wir…

Denkste! Denn der wirkliche Horror begann erst nach der Partie: Um 17 Uhr sollten drei Busse zum Flughafen fahren, wo wir unseren Flieger um 20.30 Uhr bekommen mussten. Das Problem: nur einer der drei Busse fuhr zum Flughafen. Die anderen beiden fuhren in die falsche Richtung und landeten: direkt im Stau. Und dreimal darf man raten, in welchem der Busse ich war… Genau!

Ankunft am Flughafen um 21 Uhr. Der Flieger war natürlich weg – und einen anderen gab es nicht. Nicht gestern. Und auch nicht heute. Und auch ein Hotel war in Recife, wo immerhin knapp 50.000 Fans (wir erinnern uns) untergebracht waren, nicht zu bekommen.

Die gute Nachricht: Rund 80 anderen Journalisten, die im Gegensatz zu mir und meinen Kollegen über das DFB-Reisebüro gebucht hatten, erging es genauso. Zumindest fast. Denn für die netten Kollegen organisierte das DFB-Reisebüro immerhin ein Hotel. Ein Hotel? Das Hotel! Das Hotel, das eigentlich noch eine Nacht lang für die Nationalmannschaft geblockt war. Die war aber – im Gegensatz zu uns – rechtzeitig losgefahren waren. Und sie hatte einen Busfahrer, der den Weg kannte.

Doch das Schlimmste kommt noch: Da unsere Elfer-Gruppe nicht über den DFB gebucht hatte, mussten wir bei netten Kollegen für eine Nacht auf dem Zimmer unterkommen. Und wo habe ich, der HSV-Reporter, mich einquartiert? Natürlich! Bei Marc Hagedorn (Foto), dem Werder-Reporter… Die Höchststrafe! Immerhin bekamen wir das Zimmer, das eigentlich auf den Namen Shkodran Mustafi gebucht war, einem ehemaligen HSVer… Eine Nacht in Mustafis Bett reichte zur Kompensation aber nicht aus…

Um 23 Uhr habe ich dann erstmals an diesem Tag etwas gegessen, danach musste gearbeitet werden. Und wie es heute weiter zurück nach Porto Seguro geht? Keine Ahnung! Linienflüge gibt es jedenfalls nicht, auch nicht in eine andere Stadt mehr oder weniger in der Nähe. Wir sind also vorerst: gestrandet. Fortsetzung folgt…