WM 2014

Thomas Müller öffnet Deutschland das Tor zum Achtelfinale

Die deutsche Elf feiert einen abgeklärten Sieg gegen Jürgen Klinsmanns US-Team und zieht als Gruppenerster in die K.o.-Runde der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ein. Gegner ist Algerien.

Foto: TONY GENTILE / REUTERS

Es dauerte nur wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff, ehe sich Bundestrainer Joachim Löw und US-Coach Jürgen Klinsmann, beide pitschnass, in den Armen lagen. „Seid ihr auch weiter?“, fragte Löw seinen langjährigen Freund, der die Frage mit einem typischen Klinsmann-Grinsen und dem erhobenen Daumen beantwortete. Auch DFB-Manager Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke eilten herbei und umarmten ihren einstigen Trainer-Kollegen.

Mit 1:0 (0:0) hatte die deutsche Nationalmannschaft gegen die USA gewonnen. Wenig später gab es dann auch für die Zuschauer die Gewissheit, als Portugals 2:1 (1:0) gegen Ghana im Parallelspiel auf der Videowand eingeblendet wurde.

Deutschland ist Erster und trifft damit im Achtelfinale am Montag (22 Uhr) in Porto Alegre auf Algerien, die sich mit einem 1:1-Unentschieden gegen Russland den zweiten Platz in Gruppe H sicherten. Die USA muss als Zweiter der Gruppe G am Dienstag (22 Uhr) in Salvador gegen die belgische Mannschaft ran, die mit einem 1:0-Sieg gegen Südkorea den Gruppensieg in Gruppe H klarmachten.

Die erhoffte deutsch-amerikanische Party in Recife konnte also beginnen. „Wir haben mit guter Organisation gespielt und bis zur Endphase keine Chancen zugelassen. Was wir versäumt haben, ist mit dem letzten Pass noch mehr Chancen zu kreieren und das 2:0 zu machen“, sagte Löw: „Ich habe Jürgen kurz gratuliert. Vor dem Spiel hatten wir keinen Kontakt. Wenn die WM vorbei ist, gehen wir mal essen.“

Heftige Regengüsse brachten Spiel in Gefahr

Dabei war die gemeinsame Feier nach dem Spiel noch anderthalb Stunden vor der Partie ernsthaft in Gefahr. Nach heftigen Regengüssen in den vergangenen Tagen entschied die Fifa erst 90 Minuten vor dem Anpfiff, dass das „Freundschaftsspiel“ zwischen Löw und Klinsmann tatsächlich pünktlich stattfinden könnte. Auch Rasenexperte Löw gab mit einem Regenschirm bewaffnet und mit dem erhobenen Daumen kurz zuvor sein Okay.

Alles andere als chaotisch war es dagegen, was Löws Mannschaft ablieferte. Die gegen Ghana in der Schlussphase verloren gegangene Ordnung war von der ersten Minute an wieder da. Und auch von einem transatlantischen Nicht-Angriffspakt, den viele angesichts der Tabellensituation befürchtet hatten, war rein gar nichts zu sehen. Besonders Toni Kroos, der wiedererstarkte Philipp Lahm und „Neuling“ Bastian Schweinsteiger brillierten im zentralen Mittelfeld, in der Dreierreihe davor lauerten Mesut Özil, Thomas Müller und überraschenderweise auch Lukas Podolski auf ihre Chancen.

Der Londoner ersetzte zunächst den Ghana-Torschützen Mario Götze, fiel aber im Vergleich zu seinen Kollegen deutlich ab. „Bastian im Mittelfeld war nötig, um Sami Khedira eine Pause zu geben. Lukas war bemüht im Spiel, aber er hat keine richtige Bindung gefunden“, sagte Löw zu seinen Umstellungen.

Schon nach 90 Sekunden vergaben Müller und Podolski erste Möglichkeiten. Dann verfehlte Müller eine Podolski-Hereingabe (8.), zwei Minuten später standen sich die Verteidiger Per Mertesacker und Benedikt Höwedes im Strafraum der Amerikaner im Weg, schließlich wurde Müller im letzten Moment am Torschuss gehindert (14.).

Klinsmann schrie, klatschte, feuerte an

Amerikanische Aktivitäten konnte man dagegen nur vor der eigenen Bank erkennen, wo Klinsmann, natürlich in seinen jetzt schon berühmten Khakihosen, in seiner Coachingzone auf und ab lief. Während sein früherer Co-Trainer Löw meist den Schutz vor dem strömenden Regen unter dem Plastikdach suchte, versuchte der Wahl-Kalifornier aktiv auf das aus seiner Sicht zunächst nicht optimale Spielgeschehen einzugreifen. Klinsmann („Wir hatten zu viel Respekt“) schrie, klatschte, feuerte an.

Erst Mitte der ersten Halbzeit schafften es Klinsmanns US-Boys, sich langsam auf das dominante Ballbesitzspiel des Löw-Teams einzustellen, und versuchten, aus einer dicht gestaffelten Abwehr mit schnellen Kontern zum Erfolg zu kommen. Es blieb im ersten Durchgang allerdings bei einer einzigen Torchance durch Graham Zusi (22.).

Anders als beim Anpfiff der ersten Halbzeit waren zu Beginn des zweiten Durchgangs alle Anhänger auf ihren Plätzen. Die Pünktlichkeit sollte belohnt werden. Thomas Müller brauchte nur zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff, um die Dominanz der ersten Halbzeit durch ein Tor zu untermauern. Flanke Özil, Kopfball Mertesacker, gehalten von US-Keeper Tim Howard – und den Abpraller schlenzte Müller überlegt ins rechte Eck (55.), sein vierter Treffer bei dieser WM und schon sein neuntes Tor im neunten WM-Spiel.

Und die Serie hielt: Deutschland gewann jedes WM-Spiel, in dem Müller getroffen hat. „Das war eine gut herausgespielte Ecke. Ich habe den Ball schon nach dem Kopfball drin gesehen, doch der Torwart hat gut reagiert. Aber Müller hat den Blick für diese Momente“, lobte Löw. Der Torschütze flachste: „Jetzt habe ich tatsächlich mal ein schönes Tor geschossen. Insgesamt haben wir über 90 Minuten ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Wir haben zwar nur 1:0 gewonnen, aber auch das nehmen wir gerne mit.“

Echte Chancen für die USA erst in der Nachspielzeit

Erst in der Nachspielzeit hatten die USA eine wirkliche Torchance. Doch Lahm warf sich in den Schuss von Alejandro Bedoya, kurz darauf köpfte Clint Dempsey am Tor vorbei. Es blieb beim verdienten Erfolg des deutschen Teams, auch wenn trotz des dominanten Auftretens das erhoffte Ausrufezeichen ausblieb.

Das war aber Manuel Neuer herzlich egal. „Ich bin zufrieden, wir sind im Achtelfinale“, sagte der deutsche Torwart, der im ganzen Spiel keinen Ball abwehren musste. „Wenn es nicht so gewesen wäre, wäre es eine Riesenkatastrophe. Da ist man als Spieler natürlich schon mal erleichtert.“