Fußball-WM 2014

Ronaldo trifft und fährt nach Hause - genau wie Ghana

Portugal gewinnt das letzte Gruppenspiel –ein 2:1 gegen Ghana ist aber zu wenig. Ronaldo hätte allein sein Team ins Achtelfinale schießen können. Mehr als der Siegtreffer gelang ihm aber nicht.

Foto: DAVID GRAY / REUTERS

Cristiano Ronaldo winkte noch einmal lässig den Fans zu, bevor er die Weltbühne verließ. Die Trauer über das erwartete WM-Aus hielt sich beim Weltfußballer aus Portugal in Grenzen, zumal er beim 2:1 (1:0) gegen Ghana doch noch sein WM-Tor geschossen hatte.

Die Black Stars dagegen waren am Boden zerstört. Ein durchaus möglicher Sieg mit einem Tor Unterschied hätte ihnen zum Achtelfinal-Einzug genügt. Doch so jubelten am Ende die USA über den Einzug in die K.o.-Runde – trotz des 0:1 gegen Deutschland. „Wir sind einfach nur enttäuscht, niedergeschlagen. Wir hatten hier noch eine Chance, aber jetzt müssen wir nach Hause fahren“, sagte Torschütze Asamoah Gyan, der kopfschüttelnd hinzufügte: „Ich weiß gar nicht, was ich sonst dazu sagen soll.“

Ronaldo zerstörte in der 80. Minute mit seinem ersten Tor in Brasilien alle Hoffnungen der Afrikaner. Den Portugiesen hätte allerdings nur ein 5:1-Erfolg noch in die K.o.-Runde geholfen. Mit seinem Tor ist Ronaldo der erste Spieler nach Jürgen Klinsmann, der bei sechs aufeinanderfolgenden Welt- oder Europameisterschaften trifft. „Die Bilanz ist negativ. Wir haben unser erstes Ziel nicht erreicht. Aufgrund der Art und Weise, wie die drei Spiele liefen, haben wir bekommen, was wir verdient haben“, sagte Portugals Trainer Paulo Bento: „Deutschland und die USA stehen zu Recht im Achtelfinale.“

Enttäuschung der Portugiesen hielt sich in Grenzen

Kapitän Gyan glich für die Black Stars in der 57. Minute die Führung der Portugiesen aus, die John Boye per Eigentor erzielte (31.) hatte. Mit seinem insgesamt sechsten Treffer avancierte Gyan zum erfolgreichsten afrikanischen Torschützen der WM-Geschichte – und wurde dennoch nicht belohnt. Majeed Waris verpasste mit einem Kopfball Zentimeter neben das Tor (61.) die riesige Chance zur erlösenden Führung, bevor Ronaldo alle Träume zunichte machte. In der Schlussphase verpassten die Iberer einen durchaus möglichen höheren Sieg.

Die Enttäuschung der Portugiesen hielt sich nach dem Schlusspfiff allerdings in Grenzen, der Glaube an ein Wunder war offensichtlich ohnehin nicht vorhanden gewesen. „Wir haben uns vor allem von der Niederlage im ersten Gruppenspiel nicht mehr erholt“, sagte Bento. Aber auch Ghana erreichte nach dem Viertelfinal-Einzug 2010 sein Minimalziel nicht. Nach dem Rauswurf von Kevin Prince Boateng und Sulley Muntari, der erst am Morgen vor dem Spiel öffentlich gemacht worden war, zeigten die Ghanaer zunächst ihre schwächste Turnierleistung, bevor sie sich nach der Pause steigerten.

In der fünften Minute wäre Ronaldo vor 67.540 Zuschauern in Brasilia beinahe erstmals erfolgreich gewesen, seine verunglückte Flanke flog aber nur an die Latte. Portugal dominierte zu Beginn das Spiel, war bei der Führung aber auf ghanaische Hilfe angewiesen. Bei einer Hereingabe von Miguel Veloso traf John Boye den Ball falsch, der Versuch seines Befreiungsschlags flog ins lange Eck des eigenen Tores. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte unterlief ihm fast ein zweites Eigentor, doch sein nächster Querschläger flog knapp über die Latte.

Heute ist für Ghana der Wurm drin

Nach der Suspendierung von Boateng und Muntari nahm Ghanas Coach Akwasi Appiah keine weiteren Veränderungen vor, als die beiden „Sünder“ zu ersetzen. Für Milan-Star Muntari rückte Emmanuel Badu ins Mittelfeld, Majeed Waris ersetzte den Schalker Boateng. Beide waren wegen Undiszipliniertheiten aus dem Kader geworfen worden.

Nach der Pause wurde Ghana stärker, und der Ausgleich, den Gyan nach einer Flanke von Kwadwo Asamoah erzielte, war verdient. Danach drückten die Black Stars auf das 2:1, nachdem Thomas Müllers Tor im Parallelspiel ihnen voll in die Karten gespielt hatte. Doch Waris, der völlig freistehend neben das Tor köpfte, ließ schon erahnen: Heute ist für Ghana der Wurm drin. Ronaldo profitierte bei seinem Siegtreffer von einer verunglückten Faustabwehr von Torwart Fatawu Dauda.