Fabian Lustenberger

Der Schlüssel im Team war Bastian Schweinsteiger

Sebastian Schweinsteiger hat im defensiven Mittelfeld eine Schlüsselrolle eingenommen. Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger über das Ghana-Spiel.

Ghana hatte eine gute Taktik für das Spiel gegen Deutschland, sie haben sehr gut dagegen gehalten. Da waren die Deutschen gefordert. Ich fand, dass ein wenig die Balance auf der Doppel-Sechs gefehlt hat. Sami Khedira ist ein toller Spieler. Aber er ist nicht die perfekte Lösung, wenn dort das Spiel gemacht werden muss. In der ersten Partie, beim 4:0 gegen Portugal war das nicht nötig, weil die Offensivreihe davor sehr stark war. Gegen Ghana war es für Özil, Kroos, Götze oder Müller schwerer. In solchen Situationen ist dann die Doppel-Sechs auch im Aufbau gefordert.

Mein Eindruck war, dass Deutschland sich nach der Führung von Mario Götze hat überraschen lassen. Eigentlich denkt man, dass man so einen Vorsprung nach Hause bringt. Stattdessen antwortet Ghana mit einem Doppelschlag.

Aber in solchen Situationen zeigt sich auch, wie viel Qualität Deutschland im Kader hat. Gegen Portugal werden eben mal Podolski und Schürrle eingewechselt. Gegen Ghana kommen Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose. Schweinsteiger hat im defensiven Mittelfeld besser für die Situation gepasst als Khedira, weil er mehr den Blick nach vorne hat. Und es ist ja kein Zufall, dass Schweinsteiger die Ecke herausholt, die Klose mit dem Tor zum 2:2-Ausgleich beendet.

Ich weiß, wie viel Arbeit es braucht, um fit zu sein für Profifußball. Und ich haben einen Riesenrespekt vor Miro Klose, dass er mit seinen 36 Jahren immer noch zur Weltspitze gehört. Er hat jetzt mit 15 WM-Toren mit Ronaldo gleichgezogen. Als Trainer würde ich Klose noch mehrfach bringen. Der ist in jedem Fall für ein, zwei weitere Treffer gut. Bester WM-Torjäger aller Zeiten, das wäre eine tolle Sache für Miro.

Das Hoch und Runter nach dem 2:2 kann man verschieden beurteilen. Als Trainer möchte man, dass man ruhig zu Ende spielt. Ich habe gesehen, dass Beide trotz der Belastungen, trotz der Temperaturen auf Sieg gesetzt haben. Deutschland und Ghana haben auf den Lucky Punch gehofft. Das war spannend und macht mir als Fan Spaß.

Mehr Spaß jedenfalls als das 2:5 der Schweiz gegen Frankreich. Ich habe mit Steve von Bergen ein wenig geschrieben. Der muss nach seinem Bruch des Augenhöhlenboden zurück in die Schweiz fliegen und wird dort operiert. Ich wünsche ihm alles Gute. Verletzungen am Augen sind nicht ohne. Wir haben nach der Niederlage – Frankreich war wirklich stark – eine klare Aufgabe. Wir müssen das hinbekommen, was wir vor vier Jahren im letzten Gruppenspiel nicht geschafft haben: gegen Honduras gewinnen.

Ich kann dem Taktieren, auf welchen Gegner man in der nächsten Runde treffen will, nichts abgewinnen. Wenn die Schweiz siegt, wartet im Achtelfinale Argentinien. Das ist dann die K.o.-Runde, da ist alles möglich. Ich finde, es gibt schlimmeres, als im Achtelfinale auf Argentinien zu treffen.

Fabian Lustenberger, Kapitän von Hertha BSC und Schweizer Nationalspieler, schreibt als Kolumnist der Morgenpost über die WM in Brasilien