Mein Brasilien

Im Outfit vergriffen

Sogar Fußball-Anhänger können sich im Trikot vergreifen. Jörn Meyn über die Kleiderordnung einiger WM-Fans.

Auch Fußballfans haben manchmal das Problem, im Kleiderschrank daneben zu greifen. Im deutschen WM-Spielort Fortaleza stapfte ein fülliger Herr mit breitem Grinsen aus der Hotellobby. Er hatten sich eine ganz besondere Schlachtentracht für diesen Tag ausgesucht: Ein etwas älteres Trikot des Hamburger SV spannte am Bauch und hing ihm bis zu den Knien.

„Das ist Kult hier in Brasilien“, sagte er zu seinem Kumpanen, der sich uninspiriert für ein DFB-Trikot entschieden hatte. „Ach ja?“, fragte der. „Ja. Deswegen!“. Der Dicke drehte sich um und zeigte auf die Beflockung des HSV-Shirts. „Van Nistelrooy“ stand drauf – der Starstürmer von früher, der auf seine alten Tage noch einmal in Hamburg Station machte.

„Bist du denn wahnsinnig? Ausgerechnet ein Holländer?“, fand der DFB-Trikotträger, und das Grinsen verschwand aus dem Gesicht des Fülligen. Hatte er nicht dran gedacht und schämte sich nun. So kann man daneben lieben bei der Wahl des Stadion-Outfits.

Aber manchmal holt einen ja auch die Zeit ein wenig ein und man steht als Fußballfan bedröppelt da. In Salvador zum Beispiel hatte sich ein Brasilianer für die Partie der Deutschen gegen Portugal ein ganz besonderes Shirt ausgesucht. Die neueste Version des DFB-Dresses mit diesem roten Brustdingsbums, das aussieht wie ein Pfeil nach unten, aber wohl eher zwei Adlerflügel darstellen soll. Beflocken lassen hatte er es aber nicht mit Müller öder Özil, sondern mit „Beckenbauer“.

Dem „Kaiser“ aber ist jetzt ja erst einmal für ein paar Wochen der Zutritt zu Fußballstadien untersagt, weil er die Fragen der Fifa-Ethikhüter zu den WM-Vergaben an Russland und Katar zunächst ignorierte. Den Trikot-Kaiser haben sie trotzdem reingelassen.