Mein Brasilien

Gegen Portugals Abwehr-Recken helfen wendige Angreifer

Morgenpost-Sportredakteur Jörn Meyn berichtet von der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Heute: Warum eine Tollwut-Impfung in Brasilien zu empfehlen ist und gegen Portugal die Kleinen eine Chance haben.

Foto: Martin Rose / Getty Images

Die Tropenärztin hatte mir empfohlen, mich von Hunden in Brasilien fern zu halten. „Tollwut, Herr Meyn! Dann ist das Turnier für Sie beendet“, sagte sie. So richtig klappt das aber nicht. Auf dem Gelände meiner Unterkunft rennen nämlich zwei der Tollwutkandidaten herum: ein Golden Retriever und ein Yorkshire Terrier. Laica und Logan – „wie der Superheld Wolverine“, sagen meine Herbergseltern.

Laica und der Wolverine kommen nicht viel zum Faulenzen: Jeden Morgen steht Victoria, ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren und Haselnussaugen, vor ihrer Hüte und will spielen. Dann wird die grüne Quietschtorte, das Spielzeug der beiden, über die Anlage geworfen, und Laica und Logan kloppen sich drum. Manchmal gucke ich mir das etwas länger an und denke an Fußball. Das muss niemanden beunruhigen.

Überall Fußbälle und Laufwege zu sehen, sei im Turniertunnel völlig normal, sagen die erfahrenen Kollegen. Wie der Retriever und der Terrier sich so beharken, erzählt aber tatsächlich etwas über das Spiel: Allein mit ihrer Masse drückt Laica den kleinen Logan einfach weg, wenn sie will. Der glänzt dafür mit Schnelligkeit, wenn die Quietschtorte mal verspringt. Die kurzen Beinchen sind da hilfreich.

Wendige Angreifer gegen massige Verteidiger

Die Überlegungen von Bundestrainer Löw dargestellt durch zwei Tollwutüberträger, denke ich: Gegen große, massige Verteidiger wie den Portugiesen Pepe, stellt man am besten kleine, wendige Angreifer – Özil oder Götze zum Beispiel.

Pepe hat „Bild“ mal den „Portufiesen“ genannt, und Laica beherrscht die Rolle perfekt: Ab und an beißt sie Logan in die Hinterbeinchen, bis der die Quietschtorte fallen lässt. Doch irgendwann wird Laica müde und schleppt sich mit heraushängender Zunge übers Gehöft.

Logans Dominanz ist dann endgültig, und er genießt das sichtlich. Wenn auch Victoria keine Lust mehr hat, kommt der Wolverine zu mir. Wie Hummels schlage ich die Pässe in die Spitze direkt in Logans Lauf und denke: Die Kleinen sind es. Mit denen kann das was werden gegen Portugal.

WM 2014: Diese Spieler wollen den Titel - unsere interaktive Grafik