WM 2014 in Brasilien

Eine Torte und ein Ständchen für Opa Klose

Mit 36 Jahren will der Stürmer den WM-Torrekord knacken. Noch hält Ronaldo den Rekord. Klose genügt ein Treffer, um mit dem längst pensionierten Brasilianer gleichzuziehen. Der hält dagegen.

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Im Training kann man das Jugendliche sehen. Auf dem piekfeinen Fußballplatz in Santo André, auf dem die deutsche Nationalmannschaft am Montagmorgen um 9.30 Uhr bei 27 Grad und drückender Schwüle schwitzte, trug Miroslav Klose die Stutzen auf Halbmast. Ein Blick auf seine Waden wurde frei, und ein großflächiges Tattoo auf der rechten stach hervor.

Modisch zumindest, könnte man sagen, schließt das Tattoo die Lücke zwischen Klose und den vielen Jugendlichen um ihn herum im DFB-Team, die ja zuletzt immer nur größer geworden ist. Am Montag feierte der Stürmer seinen 36. Geburtstag. Es gab eine Torte und ein Ständchen von der Mannschaft.

Als Klose bei seiner ersten WM 2002 in Südkorea und Japan seine Tore noch mit einem Salto bejubelte, ging der Dortmunder Erik Durm, 22, in die vierte Klasse. Klose ist der Opa im Team von Bundestrainer Joachim Löw. Weil er sich aber nicht nur beim Körperschmuck, sondern auch sportlich in den vergangenen Jahren äußerst anpassungsfähig gezeigt hat, bietet sich für ihn nun in Brasilien eine historische Gelegenheit: Bei seiner vierten WM könnte der Angreifer von Lazio Rom WM-Rekordtorjäger Ronaldo einholen.

Ronaldos Bestmarke soll bei der WM fallen

14 WM-Tore hat Klose bereits erzielt. Nur ein Treffer genügt, um mit dem längst pensionierten Brasilianer gleichzuziehen. Ronaldo, ein Jahr älter als Klose, schmeckt das natürlich nicht. Beim offiziellen Auftakt der Fanfeste in Fortaleza forderte der Weltmeister von 1994 und 2002 die 20.000 Zuschauer wenig charmant auf: „Haltet doch bitte gegen Deutschland, damit Klose hier keine Tore schießt.“

Beim letzten Testspiel vor der WM gegen Armenien (6:1) hatte Klose mit seinem 69. Länderspieltreffer schon Gerd Müller als deutschen Rekordtorjäger abgelöst. „Das ist eine tolle Sache für ihn. Er hat das verdient“, sagte Löw. Klose sei trotz seines fortgeschrittenen Fußballeralters weiterhin ein „großartiger Stürmer“. Nun also soll die Bestmarke bei der WM fallen: „Das würde mir sehr viel bedeuten und treibt mich an. Wer mich kennt, weiß, dass der Rekord schon auch ein Ziel für mich ist“, sagte Klose. Allerdings habe der Erfolg der Mannschaft Priorität – ein typischer Klose-Satz.

Nur könnte eben jene Fokussierung auf den Teamerfolg ihm bei seiner Rekordjagd im Weg stehen wird. Denn Löw scheint für das Unterfangen Titelgewinn eine Angriffsvariante zu bevorzugen, in der Klose zunächst außen vor bliebe. Statt mit einer echten Sturmspitze will der Bundestrainer wohl mit einer „falschen Neun“ spielen lassen – gegeben durch Thomas Müller, Mario Götze oder auch Mesut Özil. Für Löw bleibt der alternde Angreifer trotz der Bedenken über seine Fitness so etwas wie das gute Gewissen. Sollte die Variante mit der „falschen Neun“ holpern wie beim Test gegen Kamerun (2:2), hätte er Klose in der Hinterhand. „Miro ist noch nicht ganz bei 100 Prozent, aber er wird für uns ganz wichtig sein“, sagte Löw.