Kai-Pirinha

„Und die Deutschen sind noch nicht mal da…“

Es wird rummelig im 800-Einwohner-Örtchen Santo André. Dabei kommen die Deutschen doch erst am Sonntag an.

Foto: Kai Schiller

Morgenfrüh ist es also endlich so weit: Gegen 6.30 Uhr werden Jogi und Co (leider ohne Marco Reus) am Fähranleger von Santo André erwartet. Dass man beim Warten auf eine der drei Fähren zwischen Santa Cruz Cabrália und Santo André durchaus gute Nerven braucht, habe ich bereits gestern gemerkt. Eine knappe Stunde mussten eine Fotografin und ich dort warten, weil plötzlich eine Polizeieskorte an der Schlange vor dem Fähranleger vorbeirauschte und die nächste Fähre in Beschlag nahm. Ein Polizist mit Gewehr im Anschlag stellte sich einfach vor die bereits wartenden Autos, ein anderer dirigierte die Einsatzfahrzeuge seiner Kollegen auf die Fähre. „Und die Deutschen sind noch nicht mal da…“, sagte einer der Mitwartenden, der sich keine großen Illusionen macht, dass es mit der Ruhe im 800-Einwohner-Örtchen in den kommenden Wochen vorbei sein wird.

Tatsächlich ist es beeindruckend, wie brasilianisch entspannt die meisten Einwohner reagieren. Denn auch die einzige Sandstraße durch den Ort ist seit Freitag rund um das Quartier Campo Bahia gesperrt. „Wir hatten noch nie einen Polizisten hier im Ort“, sagt eine Anwohnerin, „jetzt sind es 250.“ Neu sind auch die Parkverbotsschilder, die es vorher in Santo André nicht gab. Mein erster Gedanke: Wie würde man eigentlich in Deutschland reagieren, wenn ein Dorf plötzlich zum Ausnahmegebiet erklärt werden würde?

Da ich in Hamburg im Schanzenviertel wohne, durfte ich zumindest schon mal die Erfahrung machen, wie es ist, wenn ganz plötzlich das eigene Wohnviertel zum Gefahrengebiet erklärt wird. Der Unterschied: Hier gibt es keine vermummten Autonomen, die Budnikowsky-Scheiben einschmeißen. Hier gibt es ja noch nicht mal einen Budnikowsky – und auch keine Scheiben zum Einschmeißen…

Doch die Brasilianer haben ja diese „tudo tranquilo“-Mentalität im Blut. Alles wird schon irgendwie gut. „Wenn die Deutschen gut spielen, dann dauert das ganze Theater nicht länger als fünf Wochen“, sagt Alex, der Chef meiner Pousada. Und wenn sie nicht gut spielen? „Dann ist ja in zwei Wochen auch schon wieder alles vorbei.“ Na dann: Tudo tranquilo!