Neu bei der WM

Deutsche Technik auf der Torlinie

Bei der WM in Brasilien kommen erstmals Tor-Kameras zum Einsatz. Sie stammen von einer deutschen Firma. Auslöser für das Umdenken der Fifa war ein Torschuss des Engländers Lampard gegen Deutschland.

Foto: Jon Hrusa / picture alliance / dpa

Tor oder nicht Tor? Damit diese Frage bei der WM in Brasilien stets fehlerfrei beantwortet werden kann, bekommen die Schiedsrichter ein technisches Hilfsmittel zur Hand: Tor-Kameras. Den Zuschlag für die Installation des neuen Systems an allen Spielorten hat die deutsche Firma GoalControl aus Würselen bei Aachen erhalten. Schon vergangenes Jahr beim Confederations Cup hatte das Unternehmen die Torlinientechnik bereitgestellt.

„Beim Turnier gab es zwar keine Torlinienszenen, bei denen die Technologie Tor oder Nicht-Tor hätte anzeigen müssen, doch das System erfüllte alle Fifa-Vorgaben und zeigte jedes der 68 gefallenen Tore korrekt an“, teilte der Fußball-Weltverband Fifa mit. Zudem seien die Spieloffiziellen mit dem System sehr zufrieden gewesen.

„Wir freuen uns, dass unser System alle Match-Offiziellen überzeugt hat und wir nunmehr mit der Fifa diese weitergehende Kooperation vereinbaren konnten“, sagt GoalControl-Geschäftsführer Dirk Broichhausen. „Wir haben beim ConfedCup wertvolle Erfahrungen zu den Gegebenheiten vor Ort im Gastgeberland Brasilien sammeln können.“ Im Sinne größtmöglicher Qualität sei jedes System nach erfolgter Installation einer ausführlichen Prüfung unabhängiger Testinstitute unterzogen worden. Zudem würden die Spieloffiziellen vor jedem WM-Spiel eine Systemkontrolle durchführen.

14 Hochgeschwindigkeitskameras im Stadion

Das GoalControl-4D System basiert auf insgesamt 14 Hochgeschwindigkeitskameras – sieben pro Tor –, die rund um das Spielfeld angeordnet und am Stadiondach angebracht sind. Die Kameras sind mit einem Computer verbunden, der die Bewegung aller Objekte auf dem Spielfeld verfolgt und störende Faktoren wie Spieler oder den Schiedsrichter ausblendet. Alles, was zählt, ist der Ball. Dessen Position wird kontinuierlich verfolgt und automatisch in drei Dimensionen mit einer Präzision von wenigen Millimetern erfasst, sobald er in der Nähe der Torlinie ist. Hat der Ball die Torlinie komplett überquert, sendet die zentrale Auswertungseinheit in weniger als einer Sekunde ein verschlüsseltes optisches und akustisches Signal an die Empfängeruhr des Schiedsrichters. Die Kamerabilder werden zudem aufgezeichnet, um die Entscheidung des Systems später bewerten zu können.

Lange hatte sich die Fifa gegen den Einsatz technischer Hilfsmittel gewehrt. Doch nach dem WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und England (4:1) 2010 drehte sich die Stimmung: Damals gab der Schiedsrichter ein klares Tor des Engländers Frank Lampard nicht. Seitdem sagt Fifa-Präsident Sepp Blatter: „Torlinientechnik ist eine Notwendigkeit.“

200.000 Euro pro Stadion für die ganze Technik

Der europäische Verband Uefa sieht das anders, genau wie das Gros der Profivereine in Deutschland. So wird es – trotz der jüngsten Debatte um das beim Pokalfinale nicht gegebene Tor von Borussia Dortmund gegen Bayern München (0:2) – wohl auch in der kommenden Saison in der Bundesliga keine Tor-Kameras geben.

Dabei wären die Kosten für die millionenschweren Klubs der Liga im Bereich des Machbaren: Rund 200.000 Euro pro Stadion würde die Ausstattung mit der entsprechenden Technik laut Angaben von GoalControl kosten. Aber dann würde eben auch ein Computer entscheiden und nicht mehr der Schiedsrichter.