Multimedia

Schöne neue Fußball-Welt

Eine der besten Gratis-Apps für die WM in Brasilien kommt aus Berlin. Die Redaktion von „Onefootball“ sitzt in der Greifswalder Straße. Gerade hat sie „Onefootball Brasil“ in allen wichtigen App-Stores an den Start gebracht.

Foto: GES-Sportfoto / picture alliance / GES-Sportfoto

Die Holländer wieder. Die Erzrivalen des deutschen Fußballs, die Oranjes, die vielleicht talentierteste Nation, wenn man die Fußballtalente auf die Einwohnerzahl herunterbricht – von dort kommen gleich zwei der besten WM-Apps für das iPhone: „WM-2014“ und „World Soccer Finals“. Spielplan, Ergebnisse, Statistiken, Tore, Weltrangliste, Tabellen, Spielerinfos: So gut wie alles, was das Fußball-Herz begehrt, ist vorhanden. Und doch... Kann ein deutscher Fußballfan einer App für die WM 2014 vertrauen, die in Amsterdam und Groningen entwickelt wurde?

Natürlich kann er. Haben wir doch den holländischen Fußball längst in unser Herz geschossen. Zumindest Arjen Robben. Wenn man ein Fan von Bayern München ist... Und wenn nicht? Dann gibt es zur WM immer noch weitere Apps, auf die man hierzulande beruhigt zurückgreifen kann.

Gänzlich unverdächtig ist beispielsweise die App des DFB, die für das iOS-System auf iPhones ebenso erhältlich ist wie für Smartphones mit Android-Software. 4,3 von fünf Sternen haben ihr die Nutzer des „Google Play Stores“ gegeben. Sie enthält alles zur deutschen Nationalmannschaft, was wissenswert ist. Von den offiziellen Pressekonferenzen bis hin zu Einzelberichten über Spieler oder Interviews, viele Beiträge gern auch als Bewegtbild. Im „Players Profile“ über Philipp Lahm erfährt man in einem dreiminütigen Video alles, was der Kapitän der Mannschaft über die Rolle eines Führungsspielers zu sagen hat. Aber: „Jeder Spieler kann entscheidend sein, auch wenn er nur für fünf Minuten von der Bank kommt“, sagt Teamplayer Lahm. Klar, dass bei der DFB-App auf kritische Nachfragen verzichtet wird. Dennoch ist keine näher an der deutschen Mannschaft als diese App.

Wieviel Werbung verträgt eine App?

Zur WM ist auf der Startseite ein Button eingeführt, der zum Plan sämtlicher Spiele und aller Tabellen leitet. Angenehm dabei ist das Fehlen von Werbung, die man bei den Apps aus Holland permanent am unteren Rand des Handybildschirms entlanglaufen sieht, wenn nicht die kostenpflichtige Variante gewählt worden ist. Darauf kann die DFB-App verzichten, weil sie von Mercedes-Benz, dem „Generalsponsor“ der deutschen Nationalmannschaft, präsentiert wird. Beim Öffnen der App taucht kurz der Hinweis auf den Automobilhersteller unten am Bildschirmrand auf, während sich der Mercedes-Stern ansonsten oben rechts dezent am Rande hält.

Ähnlich überzeugend verfahren die Entwickler von „Onefootball“ aus Berlin. Für die Bundesliga hat die App „iLiga“ bereits vor ihrer Umbenennung in „Onefootball“ für Aufsehen gesorgt. Anfang Juni hatten im Google Play Store 77.358 Nutzer die App bewertet, 54.719 davon mit fünf Sternen. Für die iOS-Version wurden von 32.679 Bewertern durchschnittlich vier Sterne vergeben.

Jetzt haben die Entwickler aus der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg die App „Onefootball Brasil“ nachgelegt. Im Gegensatz zur kostenlosen Bundesliga-App kann sie dank der Präsentation durch Volkswagen auf weitere Werbung verzichten. In bewährter „iLiga“-Manier lässt sich das gesamte Turnier nach einzelnen Mannschaften strukturieren. Wer etwa „Chile“ bei den Teams anklickt, bekommt auf der folgenden Seite das nächste Spiel von „La Roja“ und die neuesten Nachrichten angezeigt – auch auf Spanisch! Quelle ist unter anderem die Asociación Nacional de Fútbol Profesional de Chile (ANFP), also der chilenische Verband, der auch das Neueste über Arturo Vidal, den Ex-Leverkusener, zu berichten weiß.

„Onefootball“ zapft zur WM 1000 Quellen an

Diesen Service in der jeweiligen Landessprache bietet „Onefootball“ für fast jedes Team. „Wir zapfen rund 1000 Quellen an“, sagt Caspar Schmick, der für die Inhalte verantwortlich ist. Entweder werden frei verfügbare „RSS-Feeds“ aus den jeweiligen Ländern von Verbänden und Medien integriert, oder „Onefootball“ bemüht sich um eine entsprechende Lizenz.

Damit liegen die Berliner in ihrem kostenlosen Service ganz weit vorn. Nicht mal die Apps und Mediatheken von den WM-Sendern ARD und ZDF können das leisten. Dennoch rollt eine „Second-Screen“-Welle auf die deutschen Zuschauer zu, die ihresgleichen sucht. Dank des „zweiten Bildschirms“ können die Zuschauer über die „Sportschau Fifa WM App“, die seit dem 1. Juni für iOS und Android erhältlich ist, Highlights der Spiele aus bis zu 20 Kameraperspektiven sehen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, zwei Spieler statistisch direkt miteinander zu vergleichen. Das ZDF wiederum kontert den Auftritt der ARD auf zdfsport.de, wo während der TV-Übertragung die Stadion-Totale per Internet-Livestream hinzugeschaltet werden kann, um die taktischen Verschiebungen auf dem Spielfeld besser beobachten zu können.

Auch die der Holländer. Über deren Taktik hat Fußball-Philosoph Günter Netzer einmal folgendes Bonmot geprägt: „Es gehört zur Tragik des Fußballs, dass Schönheit nicht immer erfolgreich ist.“ Aber schön spielen sie eben trotzdem. Manchmal.