Kai-Pirinha

Ronaldo schämt sich, Rousseff ärgert sich

Brasiliens Ex-Weltmeister Ronaldo kritisiert die WM-Organisatoren. Pikant: Ronaldo ist einer von fünf WM-Botschaftern. Der WM-Blog.

Foto: dpa

Nun also Ronaldo. Nicht der portugiesische Waschbrettbauch-Ronaldo. Sondern der brasilianische Kugelrund-Ronaldo. Ausgerechnet dieser Ronaldo (und nicht Ronaldinho, wie gestern zunächst falsch von mir geschrieben) schämt sich. Er schämt sich für sein Land, das er (natürlich!) liebe. Er schämt sich für diese WM, die er (natürlich!) immer befürwortet habe. Und er schämt sich für die Regierung, die er (natürlich!) immer unterstützt habe.

Ausgerechnet Ronaldo ist nun also neues (selbsternanntes) Aushängeschild der Opposition.

Im Wahlkampf wolle der früher Nationalstürmer Präsidentschaftskandidat Aécio Neves („ein guter Freund!“ Natürlich!) bei den Wahlen gegen Amtsinhaberin Dilma Rousseff unterstützen. Warum? „Es ist eine Schande“, sagte er im Interview mit der Agentur Reuters, „diese ganze Bürokratie, diese Verwirrung, diese ganzen Verzögerungen. Es ist mir peinlich, denn es ist mein Land, das Land, das ich (natürlich!) liebe. Wir können der Welt doch nicht so ein Bild von uns präsentieren.“

Nun also Ronaldo. Und im Prinzip ist alles, was der kleine, etwas dickliche Ex-Fußballer gesagt hat, richtig. Es gibt viele Gründe, die aktuelle brasilianische Regierung schwer zu kritisieren. Es gibt auch viele Gründe, die WM-Organisatoren zu kritisieren. Komisch ist nur, dass ausgerechnet dieser Ronaldo noch vor einem Jahr gesagt hatte, dass die WM nicht in Krankenhäusern, sondern in Stadien stattfinden würde. Es war so ungefähr das Dümmste, was ein Fußballer zur Kritik sagen konnte, dass Brasilien zu viel in unsinnige WM-Arenen ausgegeben habe und mehr ins Gesundheitssystem, Bildung und Sicherheit investieren solle.

Und Dilma Rousseff? Die Präsidentin ist nach eigenen Angaben „genervt“. Nicht von den Problemen des Landes, sondern von Ronaldo. Ausgerechnet Ronaldo. Übrigens einer von fünf WM-Botschaftern…

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