Studie

Südafrika – Angst vor Gewalt schreckt Fußballfans ab

Durch die Fußball-WM hofft man in Südafrika auch langfristig auf mehr Touristen. Doch die Zahl der erwarteten Besucher ist ernüchternd.

Die Fußball-Weltmeisterschaft wird nach einer Studie der Commerzbank weniger Touristen nach Südafrika locken als ursprünglich erhofft. Die für dieses Jahr geschätzte Besucherzahl sei mittlerweile auf 350.000 gesenkt worden, die wirtschaftliche Wirkung auf etwa 0,5 Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts halbiert, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Das Fazit der Studie: „Da die Ausgaben dreimal so hoch waren, kann dieses Resultat als enttäuschend bezeichnet werden.“ Gelder seien vor allem in die Renovierung und den Bau von Stadien, die Modernisierung von Flughäfen sowie die Verbesserung des Straßen- und Bahnnetzes geflossen.

Ursprünglich waren die Organisatoren des Spektakels, das am 11. Juni beginnt, von 450.000 Besuchern ausgegangen. Abschreckend wirkten vor allem die Kosten. „So scheuen insbesondere Besucher aus Europa in Zeiten einer Rezession der Weltwirtschaft die Kosten eines langen Fluges und die hohen Hotelpreise.“ 2006 bei der WM in Deutschland seien viele Besucher wegen der kurzen Anreise gekommen.

Ein weiterer Grund für das Ausbleiben der Gäste könnte die Angst vor Gewalttaten in Südafrika sein. Wer als Tourist im Land unterwegs ist, sollte gewisse Vorsichtsmaßregeln beachten, rät das Auswärtige Amt. Denn vor allem in den Großstädten und ihren Randgebieten sei die Kriminalitätsrate hoch, warnt das Ministerium. Andererseits kam eine Delegation des Deutschen Bundestages bei einem Südafrika-Besuch im April zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen zur WM höchsten Ansprüchen genügten. Deutsche Fans sollten sich nicht von „reißerischen Schlagzeilen“ verunsichern lassen, hieß es.

Wie gehen WM-Urlauber mit dieser Situation um? „Scheuen Sie sich nicht, Leute auf der Straße anzusprechen“, rät Theresa Bay-Müller, Deutschland-Chefin von South African Tourism. Die Südafrikaner seien sehr offen und freuten sich, wenn sie Reisenden helfen können – zum Beispiel, indem sie Fragen beantworten, wohin man gehen kann und welcher Weg vielleicht besser doch gemieden wird.

Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass die Gewaltkriminalität überwiegend in Regionen auftritt, in denen sich normalerweise keine Touristen aufhalten, und unter Umständen, „von denen üblicherweise deutsche Urlaubs- und Geschäftsreisende nicht betroffen sind“. Sinnvoll sei es aber in jedem Fall, eine Reihe von Sicherheitstipps zu befolgen. Dazu gehört, die Zentren von Großstädten wie Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt nach Geschäftsschluss zu meiden.

Touristen sollten außerdem nur zu organisierten Stadttouren und Township-Besuchen mit ortskundiger Begleitung aufbrechen und um die Vorortzüge der Großstädte einen großen Bogen machen. Außerhalb der Städte sei es wichtig, keine einsamen Wanderwege zu benutzen. Handtaschen und Fotoapparate sollten nicht sichtbar im Auto liegen. Erhöhte Vorsicht sei an Geldautomaten angebracht. Und es sollten keine Stopps an Aussichtspunkten oder Rastplätzen eingelegt werden, „wenn dort keine anderen Touristen in Sichtweite sind“.