Vor der WM

Fußball und mehr – Kleine Anleitung für Südafrika

Joachim Löw hat seinen erweiterten Kader für die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent bekannt gegeben. Mit ihr beginnt am 11. Juni auch eine großartige Party für rund 250.000 ausländische Touristen – solange sie sich an die Spielregeln halten: Sicherheit, Verkehr, Unterkünfte und Wetter.

Sie übernachteten zu Hunderten auf Campingstühlen. In Decken gehüllt, mitten in Soweto. Im April gingen die verbliebenen 500.000 der 2,8 Millionen Tickets für die WM in den freien Verkauf. Und vor dem Maponya-Einkaufszentrum hatten sich die Fans schon am Vorabend eingefunden, um noch an Karten zu kommen. Aufgeregt redeten sie die Nacht hindurch, fachsimpelten über den nächsten Weltmeister – und stürmten um neun Uhr schließlich das Büro. Die Nachfrage steigt endlich: Innerhalb von sechs Tagen wurden landesweit 180.000 Tickets verkauft.

Fünf Wochen vor Beginn der vierwöchigen WM sind fast 90 Prozent der Karten verkauft. Sämtliche Begegnungen in Johannesburg, darunter das Eröffnungsspiel und das Finale, sowie in Pretoria sind bereits ausverkauft. Noch Karten gibt es für Begegnungen in Polokwane, Port Elizabeth und Nelspruit.

Keine Frage, es liegt etwas in der Luft. Immer mehr Vuvuzela-Tröten ertönen in diesen Tagen in den Straßen Johannesburgs, immer mehr Südafrikaner tragen das Trikot der Nationalmannschaft – auch an fußballfreien Tagen. „Halala“ steht auf einem überdimensionalen Plakat geschrieben, das an einem Johannesburger Wolkenkratzer befestigt ist. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Freude, eine große Party“ – und die Welt ist willkommen. Rund 250.000 ausländische Fans werden erwartet, und sie werden ein großartiges Turnier erleben. Dafür, so viel steht fest, hat Südafrika in der Vorbereitung alles erdenklich Mögliche unternommen. Ein wenig müssen nun noch die Touristen selbst mithelfen – indem sie sich an einige Spielregeln halten.

Die Sicherheit

Die Südafrikaner warten etwas schmunzelnd auf die rund 10.000 deutschen WM-Touristen. Als eine deutsche Sportzeitschrift einen privaten Sicherheitsdienst mit der Empfehlung zitierte, die deutschen Spieler sollten außerhalb ihres Quartiers schusssichere Westen tragen, spottete eine südafrikanische Zeitung: „Schießt nicht auf uns, wir sind Deutsche“. Wer sich die blanken Zahlen anschaut, der erkennt schnell, dass Südafrika ein attraktives – und damit nicht übertrieben gefährliches – Reiseziel ist. 1994 bereisten lediglich 600.000 Ausländer die Nation, im vergangenen Jahr waren es 9,93 Millionen – 15-mal so viele, darunter allein 250.000 Deutsche.

Kaum ein Land kann trotz aller Negativschlagzeilen zum Thema Kriminalität eine solche Entwicklung aufweisen. „Dieser Erfolg ist kein Zufall“, sagt Tourismus-Minister Marthinus van Schalkwyk, „er ist das Resultat ständiger Bemühungen, Besuchern das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind. Unser Status als WM-Gastgeber hat sicherlich auch zum Wachstum beigetragen.“

Allen Verantwortlichen ist indes klar, dass ein positiver Verlauf der WM und eine weitere Steigerung der Touristenzahlen von der Sicherheit abhängen. „Wir haben früh erkannt, dass sie die Grundvoraussetzung für Tourismus ist und die entsprechenden Weichen gestellt“, sagt Annelie Barkema, die Leiterin der Tourism Safety Initiative (TSI). Immerhin verdankt Südafrika dem Tourismus eine Million Arbeitsplätze und acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das lässt sich nur halten oder ausbauen, wenn ausländische Besucher das Land mit guten Erfahrungen wieder verlassen und weiterempfehlen.

Es waren kleine Maßnahmen, die große Veränderungen gebracht haben. Am Flughafen mussten einreisende Touristen bis vor Kurzem die Menge ihres Bargelds angeben. Wer größere Beträge mit sich trug, wurde zuweilen noch am gleichen Tag Opfer eines Überfalls – die Zusammenarbeit der Räuber mit Flughafenpersonal war offensichtlich. Kurzerhand wurde die Bestimmung geändert, die Auskunft ist nicht mehr vorgeschrieben.

Auch das private Sicherheitspersonal der Hotels und Gasthäuser wird inzwischen in einer Datenbank erfasst – mit den Personalien. Angesichts von 180.000 Polizisten und der erhöhten Wachsamkeit der Behörden sind die „Arbeitsbedingungen“ für Verbrecher während der WM ohnehin erschwert. „Unsere Sicherheitspläne sind felsenfest“, sagt Polizeiminister Nathi Mthethwa, „gegen jede Art von unangemessenem Verhalten wird kompromisslos vorgegangen.“

Weiterhin ist die Kriminalitätsrate höher als in Deutschland, auch die Gewaltbereitschaft. Doch Verbrechen finden vor allem in Gegenden statt, wo sich Touristen klassischerweise nicht aufhalten. Für Fans, die ihre Reise genau planen, ist das Risiko überschaubar. Man sollte also keine Wertgegenstände offen präsentieren, sich im Hotel über mögliche Ausflugsziele informieren und nachts nicht zu Fuß gehen, sondern ein Auto nehmen.

Der Verkehr

Südafrika hat die dreifache Größe Deutschlands. Bis auf den Großraum Johannesburg, von wo aus immerhin sechs der zehn WM-Stadien mit dem Auto erreichbar sind, bleibt zu Spielen wie in Kapstadt oder Durban nur die Reise mit dem Flugzeug. Doch auch die Entfernungen innerhalb der Ausrichter-Städte können gewaltig sein. Da das öffentliche Verkehrssystem nicht empfehlenswert ist, bleiben als Transportmittel nur Mietwagen. Diese sind in gutem Zustand, doch auf den Straßen ist Vorsicht geboten, schließlich sterben dort jährlich 15.000 Menschen – in Deutschland ist es nicht einmal ein Drittel.

„Wer es sich leisten kann und viel an unbekannten Orten fahren muss, sollte erwägen, mit dem Mietwagen die Dienste eines erfahrenen Fahrers in Anspruch zu nehmen“, empfiehlt der deutsche Botschaftsrat in Pretoria, Martin Schäfer, „auch die Nutzung eines GPS-Navigationssystems ist sehr zu empfehlen.“ Wichtig sei es, klare Ziele ins Auge zu fassen, sich auf den Linksverkehr einzustellen und die Autofenster geschlossen zu halten. Aber vor allem, vielleicht der wichtigste Rat: „Es ist ganz falsch, sich die Freude an diesem wunderschönen Land durch Negativschlagzeilen verderben zu lassen.“

Die Unterkunft

„Aish“ – so lautet der liebste Klagelaut der Südafrikaner, und mit einem lauten „Aish“ reagiert man vor Ort auf die Besucherprognosen. Ursprünglich hatte das Lokale Organisationskomitee mit 450.000 ausländischen WM-Besuchern gerechnet, nun wird es voraussichtlich nur gut die Hälfte. „Die Nachfrage könnte besser sein“, heißt es bei Dertour in Frankfurt, wo man bisher nur rund 60 Prozent des WM-Angebots verkauft hat. Die positive Seite der Medaille: Die Fifa-Tochterfirma Match, die Hunderttausende Hotelzimmer vermieten wollte, hat Kontingente zurückgegeben. So sind die zunächst oft utopischen Preise gesunken.

WM-Reisen sind also auch jetzt noch buchbar – für rund 20 Spiele sind noch Karten erhältlich. Die großen Reiseveranstalter, die Komplettpakete mit Flug, Unterkunft und Tickets verkaufen, werden ihre Preise wahrscheinlich kurzfristig senken. Ein Drei-Tages-Blitztrip zum letzten deutschen Vorrundenspiel gegen Ghana nach Johannesburg kostet derzeit allerdings noch stolze 2290 Euro.

Das Wetter

Das Turnier findet mitten im südafrikanischen Winter statt – es kann also kalt werden im Juni und im Juli. Und regnerisch. Aber auch sonnig. Denn das Land ist groß und hat verschiedene Klimazonen. Rund um Johannesburg, den Hauptort der WM, scheint die Sonne ungestört. In Kapstadt kann es dagegen im Winter ausgiebig regnen. Tagsüber erreichen die Temperaturen oft 20 Grad. Aber nachts – da kühlt es besonders in den Stadien rund um Johannesburg ab, im Extremfall bis auf den Gefrierpunkt. Aish! Schal und Wollmütze, die man im Sommer in Deutschland sicher nicht mehr braucht, werden beim Finale am 11. Juli ziemlich unentbehrlich sein. Für Optimisten gibt es diese Accessoires übrigens in den deutschen Nationalfarben.

Auskunft: South African Tourism, Frankfurt/Main, Telefon 0800/118 91 18, www.dein-suedafrika.de . Reisende im Land können die Hotline von South African Tourism erreichen unter Telefon 083/123 67 89, das Call-Center beantwortet Fragen in sieben verschiedenen Sprachen, darunter auch auf Deutsch.

Notrufnummern : Die Polizei vor Ort ist unter Telefon 101 11 zu erreichen. 0861/87 49 11 lautet die Notfallnummer für Touristen bei Verlust des Reisepasses, bei Diebstählen oder Unfällen.