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Einzelkritik: Joshua Kimmich zahlt jede Menge Lehrgeld

Kapitaler Fehler des jungen Bayern-Profis führt zu zweitem Gegentor. Aber auch Müller spielt als Mittelstürmer wieder nur enttäuschend.

Außenverteidiger Joshua Kimmich (l.)

Außenverteidiger Joshua Kimmich (l.)

Foto: Federico Gambarini / dpa

Manuel Neuer: Der Torwart der deutschen Nationalelf war zunächst wie schon gegen Italien auch gegen die Grande ­Nation beim Strafstoß von Antoine Griezmann machtlos. Versuchte vor dem 0:2 dann zu retten, was nicht mehr zu ­retten war. Note 4
Joshua Kimmich:
Eher ein Flügelstürmer als ein Rechtsverteidiger. Doch insgesamt war der Profi des FC Bayern zu wenig zielstrebig – und beim 0:2 war der 21-Jährige der Ausgangspunkt des Malheurs im eigenen Strafraum. Note 5

Jermome Boateng (bis 61.): Sein Ausfall nach einer Stunde passte zum gebrauchten Abend. Der Abwehrfels hatte schon in der ersten Halbzeit eine für ihn unübliche Niederlage im Kopfballduell gegen Giroud einstecken müssen, aus dem fast das erste Gegentor entstanden wäre. Revanchierte sich zwar Sekunden nach dem Wiederanpfiff erneut gegen Giroud mit einer Rettungsaktion im letzten Moment, doch eine Viertelstunde später war dann Schluss. Note 4

Benedikt Höwedes: Begeisterte in der ersten Halbzeit gegen Giroud mit der Grätsche des Jahres. Doch die sollte nicht reichen, um seine erste Pflichtspielniederlage im 21. Einsatz für Deutschland zu verhindern. Note 4

Jonas Hector: Man hätte dem Lieblingsschüler von Joachim Löw in Marseille ein bisschen mehr Frechheit von den Lümmeln von der letzten Bank ­gewünscht. Machte seine Seite gegen den harmlosen Sissoko lange Zeit dicht, konnte vorne aber kaum Akzente ­setzen. Note 4

Emre Can (bis 67.): Nur wenige hatten mit dem Einsatz des Mittelfeldspieler vom FC Liverpool gerechnet – und viele hatten diesen bereits nach den ersten vier Ballkontakten, die allesamt beim Gegner landeten, verflucht. Doch der zähe Bursche kämpfte sich in das ­Halbfinale zurück, bis er vom Platz genommen wurde. Note 4

Bastian Schweinsteiger (bis 79.): Das Knie der Nation hielt, aber die Hand der Nation hielt auch – gegen Evra in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Somit war es ausgerechnet der Kapitän, der in seinem 120. Länderspiel seine Crew in schwere Seenot brachte. Endgültig unter ging das Schiff, als der Wahl-Engländer auch vor dem 0:2 zu spät kam. Note 5

Mesut Özil: Deutschlands Bester. Doch ein Özil alleine reicht nicht. Note 3

Toni Kroos: Ließ sich von Bundestrainer Löw einen Tick weiter nach vorne schieben, wodurch seine berühmt-berüchtigten Diagonalbälle seltener als sonst kamen. So fehlte eine Priese Kreativität, ein Nuance Genialität. Note 4

Julian Draxler: Ein bisschen Magie per Hackentrick nach 70 Sekunden, ansonsten viel zu viel fauler Zauber. Note 4

Thomas Müller: Der erste Schuss beim Warmmachen ging an die Latte, der zweite vorbei. Im Spiel danach lief es dummerweise nicht anders. Am Ende so etwas wie Deutschlands tragische Figur des Turniers. Note 5

Shkodran Mustafi (ab 61.): Engagiert, fleißig, aber kein Boateng. Als er kam, fehlte die defensive Stabilität. Note: 5

Mario Götze (ab 67.): Sollte für die Wende sorgen. Sorgte nicht für die ­Wende. Alles in allem ein Turnier zum ­vergessen.

Leroy Sané (ab 79.): Das Juwel vom FC Schalke machte Sekunden nach seiner ersten Einwechslung dieser Europameisterschaft fast den Anschlusstreffer. Es blieb beim „fast“.