#PORWAL

Ronaldo und Nani schießen Portugal ins EM-Finale

Nach schwacher erster Hälfte macht der Favorit in der zweiten Halbzeit Ernst und schlägt Wales 2:0. Ronaldo stellt einen Rekord ein.

Nani, Ronaldo und Pereira (v.l.) bejubeln das 2:0 der Portugiesen gegen Wales

Nani, Ronaldo und Pereira (v.l.) bejubeln das 2:0 der Portugiesen gegen Wales

Foto: Darren Staples / REUTERS

Lyon. Halbfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale, Viertelfinale, Halbfinale – und mindestens Finale. So lautet seit gestern die Bilanz von Portugal bei seinen sieben EM-Teilnahmen.

Nach einem ungefährdeten 2:0 (0:0) gegen Außenseiter Wales hat dieses kleine Land und große Fußball-Land am Sonntag in Paris die Chance, endlich den ersten Titel zu gewinnen, für den es in seiner Geschichte zweifelsohne genug Meriten gesammelt hat.

Ob auch für die Verdienste bei diesem Turnier das Endspiel angemessen ist, bleibt letztlich eine akademische Frage. In Lyon gelang den zuletzt viel kritisierten Portugiesen immerhin schon mal der erste Sieg nach 90 Minuten.

Cristiano Ronaldo per Kopf und Nani nach einem Ronaldo-Schuss erzielten mit einem Doppelschlag kurz nach der Pause die Treffer. Die Frage, wer das Partikularduell zwischen den beiden Real-Madrid-Galácticos Cristiano Ronaldo und Gareth Bale gewann, wäre damit auch beantwortet. „Wir sind der Verwirklichung unseres Traumes einen weiteren Schritt näher gekommen“, sagte Ronaldo.

Wales im mausgrauen Zweittrikot

Ihr Heros egalisierte durch seinen neunten EM-Endrundentreffer die Bestmarke von Michel Platini. Derweil fehlte seinem Klubkollegen Bale ohne den gesperrten Aaron Ramsey schlichtweg die Unterstützung. Drei Tage nach dem isländischen Märchen endete im Stade des Lumières also auch das der Waliser.

Passenderweise war die Mannschaft von Chris Coleman im grauen Zweittrikot angetreten. Portugal agierte in Mintgrün – und irgendwo zwischen diesen Farben ließ sich noch in der ersten Halbzeit auch die Attraktivität des Spiels ansiedeln.

Es ging munter los, insbesondere bei Bale, der mit einem Drehschuss nach originell ausgeführter Ecke scheiterte und zwei spektakuläre Soli über rechts aufführte. Danach präsentierte sich die Partie zunächst wie alle vorherigen K.o.-Spiele der Portugiesen bei diesem Turnier: irgendwie entkoffeiniert.

Ramsey fehlte Wales an allen Ecken und Enden

Bedingt konnte das an den Ausfällen auf beiden Seiten liegen. Bei Portugal hatte sich Abwehrchef Pepe mit muskulären Problemen abgemeldet und fehlte Organisator William Carvalho mit Gelbsperre. Schwerer wog auf der Gegenseite das Fehlen der walisischen Nummer Zwei, die gegen Belgien sogar die Nummer Eins gewesen war – Ramsey, einer der besten Spieler dieses Turniers.

Die Dynamik und Kreativität des gesperrten Offensivspielers von Arsenal wurden ebenso vermisst wie sein blindes Verständnis mit Bale. Dem Star gingen die Spielkameraden ab, nicht umsonst versuchte er es mit Soloantritten. Ramseys Ersatz Andy King konnte das walisische Heldenstück nicht inspirieren.

Außerdem spielte der kernige James Collins in der Dreier-Abwehrkette für den ebenfalls gesperrten Ben Davis. In der 50. Minute war er mit Bruno Alves beschäftigt, als João Mário einen Eckball kurz zu Raphael Guerreiro trat und der künftige Dortmunder eine seiner gekonnten Flanken nach innen schickte.

"Wir haben an das Finale geglaubt"

Es war keine glückliche Aufteilung der Waliser, im Rücken des 1,93-Meter-Recken verteidigte der 1,77 Meter kleine James Chester gegen Ronaldo. Er wurde übersprungen. Ronaldo rannte zur Eckfahne, sank auf den Boden, wurde von Körpern begraben, und als er wieder aufstand, gab es auch seinen klassischen Jubel mit dem langgezogenen „Siiiiiiiiiii“-Schrei. „Wir haben an das Finale geglaubt“, sagte er, „auch wenn wir anfangs bei diesem Turnier keine guten Spiele gemacht haben.“

Auf der Tribüne feierte der unpässliche Pepe mit, und als er sich gerade wieder gesetzt hatte, konnte er schon wieder aufstehen. Nani spritzte in einen Ronaldo-Schuss hinein und lenkte ihn entscheidend ins Tor. Danach deutete er auch auf Pepe, der ihm das Tor offenbar prophezeit hatte.

Es war ein verdienter Treffer für Nani, der ein starkes Turnier spielt; und ab der nächsten Saison nicht mehr wie zuletzt für Fenerbahce Istanbul, sondern in Valencia, wie am Vorabend des Halbfinals bekannt gegeben worden war.

Der Rest waren noch ein paar Chancen und viel Gesang hüben wie drüben. Die Waliser feierten ihr Abschneiden beim ersten Turniereinsatz seit 58 Jahren. „As Armas“, sangen derweil Portugals Fans, den Refrain der Nationalhymne: „An die Waffen“. Das nächste Mal am Sonntag im Finale. Mit der großen Chance, die Geschichte endlich zu heilen. Gegen Frankreich oder Deutschland. „Ich hoffe“, schloss Ronaldo, „dass wir danach lachend vom Platz gehen.“