Fußball-EM

„Pogba will beweisen, dass er der Superstar ist“

Der Franzose Patrick Battiston, WM-Halbfinalist 1982 in Spanien, analysiert die französische Nationalmannschaft.

Applaus für einen Unkonstanten: Paul Pogbas beste Spiele kommen noch

Applaus für einen Unkonstanten: Paul Pogbas beste Spiele kommen noch

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Paris.  Als Spieler wurde Patrick Battiston (59) fünf Mal französischer Meister mit AS St. Etienne, Girondins Bordeaux und dem AS Monaco, heute arbeitet er als Sportdirektor bei Girondins Bordeaux. In Deutschland wurde der Innenverteidiger bekannt durch die rüde Attacke von Torwart Toni Schumacher im WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich in Sevilla, bei der er zwei Zähne verlor (Schumacher: „Ich zahle ihm seine Jacket-Kronen“). Insgesamt bestritt Battiston 56 Länderspiele. Vor dem Halbfinale am Donnerstag zwischen Frankreich und Deutschland (21 Uhr, ZDF) analysiert er die „Équipe Tricolore“.

Trainer

Didier Deschamps (47): „Er ist ein Trainer, der viel überlegt und seine Taktik am Gegner orientiert. Er hat den Spielern beigebracht, nicht eigensinnig mit dem Ball zu laufen, sondern den Ball laufen zu lassen.“

Tor

Hugo Lloris (Tottenham Hotspur, 29 Jahre/80 Länderspiel/0 Tore): „Er spielt nicht so spektakulär wie Manuel Neuer, aber ist da, wenn er da sein muss. Er macht, was er machen muss und dirigiert seine Abwehr in aller Ruhe. Ein sehr guter Torwart.“

Abwehr

Bacary Sagna (Manchester United, 33/62/0): „Zuverlässig in der Defensive und mit Ideen beim Spiel nach vorn. Liebt es, auf der Außenbahn nach vorn zu stoßen. Wird aber nie ungestüm. Sehr solide.“

Adil Rami (FC Sevilla, 30/32/1): „War gegen Island gesperrt, erfüllte davor aber seine Rolle und wurde von Spiel zu Spiel selbstbewusster. Die Herausforderung Deutschland wird ihm gut tun. Ich glaube, er wird im Spiel wachsen und reifer werden.“

Laurent Koscielny (FC Arsenal, 30/34/1): „Hat an Reife gewonnen. Wirkt inzwischen wie der Chef der Abwehr. Ist bei gegnerischen Freistößen immer an der richtigen Stelle. Der spielt richtig solide, gut.“

Patrice Evra (Juventus Turin, 35/78/0): „Für ihn gilt das Gleiche wie für Sagna, nur dass er noch mehr Erfahrung hat.“

Mittelfeld

Dimitri Payet (West Ham United, 29/24/6): „Man hat oft den Eindruck, dass er sich versteckt, dass er noch nicht wagemutig genug ist. Aber man sollte ihn nicht unterschätzen, wie er bei dieser EM bislang bewiesen hat.“

Moussa Sissoko (Newcastle United, 26/42/1): „Physische Präsenz, schnell. Prägt das Spiel. Ein interessanter Spieler.“

Antoine Griezmann (Atlético Madrid, 25/32/11): „Ein prächtiger, wenn auch nicht der kräftigste Spieler. Kein Stoßstürmer, aber klug, verschlagen, steht immer am richtigen Platz.“

Paul Pogba (Juventus Turin, 23/36/6): „Es wurde viel von ihm erwartet, und ich finde ihn manchmal übermotiviert. Er will beweisen, dass er wirklich der Superstar ist, den viele Fans in ihm sehen, und das geht manchmal ins Auge. Er muss sein Spiel vereinfachen.“

Blaise Matuidi (Paris St. Germain, 29/49/8): „Er ist besser, wenn er seine Position auf der linken Seite hält und nicht herumwirbelt. Er hat bewiesen, dass er durchschlagskräftig sein kann. Ein Mann für die Zukunft.“

Angriff

Olivier Giroud (FC Arsenal, 29/53/20): „Er hat den Vorteil, dass er ohne Druck spielen kann, weil er weiß, dass er gesetzt ist. Dieses Wissen befreit ihn.“