Schwimmen

Marco Koch will im Schlaf nach Rio

Schwimm-Weltmeister Marco Koch bereitet sich im Labor auf Olympia vor und startet bei den Dienstag beginnenden German Open in Berlin.

Marco Koch geht ab heute bei den German Open im Europasportpark an der Landsberger Allee über seine Paradedisziplin 200 Meter Brust an den Star

Marco Koch geht ab heute bei den German Open im Europasportpark an der Landsberger Allee über seine Paradedisziplin 200 Meter Brust an den Star

Foto: Alejandro Garcia / dpa

Berlin/Köln.  Für seinen Ruf als einer der größten Tüftler der Branche hat Marco Koch einiges getan. Seine Knieprobleme etwa bekam der Brustschwimmer aus Darmstadt im letzten Jahr mit Hilfe einer zwei mal einen Meter großen Magnetmatte in den Griff, die er auf einer Messe für Naturheilkunde entdeckt hatte.

Mit Medizinern tauscht er sich über mögliche Nahrungsergänzungsmittel aus; mit Physiotherapeuten über Behandlungsmethoden, die er selbst durchführen kann. Und wegen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit lautet das Motto in Kochs Küche „Glutenfrei, fast vegan.“

Ins Bild des perfektionistischen Schwimmprofis passt, dass er bei einem Projekt des DSV, das aktuell in Berlin läuft, sofort die Hand hob. Mit Untersuchungen in einem Schlaflabor soll bei ausgewählten deutschen Top-Schwimmern die Einstellung auf die schwierigen Wettkampfzeiten in Rio – die olympischen Finals beginnen um 22 Uhr Ortszeit (das ist drei Uhr morgens MESZ) – optimiert werden.

Leistungshöhepunkt zeitlich verlegt

Mit Hilfe individuell angefertigter Lampen können die Athleten ihren Tagesablauf so variieren, dass ihr Körper – bei einem angenommenen Leistungshöhepunkt zwischen 15.30 und 17 Uhr – während der Spiele das Gefühl hat: Okay, hier ist es 22 Uhr, aber für mich ist es 15:30 Uhr – und ich bin leistungsbereit.

„Auch hier ist Marco Koch direkt mitgegangen, war einer der ersten im Schlaflabor. Weil er sagt: Klar, ich will wirklich alles nutzen, um am Ende gut zu sein“, sagt Henning Lambertz der Morgenpost.

Entsprechend kann der Chefbundestrainer den 26-Jährigen ab Dienstag auch bei den German Open an der Landsberger Allee, zweiter Teil der Olympia-Qualifikation, begrüßen – obwohl Koch als Weltmeister über 200 Meter Brust das Rio-Ticket genauso bereits in der Tasche hat wie Paul Biedermann, der 2015 bei der WM in Kasan Dritter über 200 Meter Freistil wurde.

Biedermann bei German Open nicht dabei

Im Gegensatz zu Koch verzichtet Paul Biedermann auf einen Trip in den Europasportpark (Paul-Heyse-Straße 26, Prenzlauer Berg, bis 8.7., ab 10 Uhr, Final-Tickets ab 16 Uhr 6 Euro, Vorläufe frei). Von den 16 Athleten, die bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Monaten die erste Teilnorm schafften, haben zehn bereits alle Anforderungen erfüllt.

Die übrigen sechs – Leonie Beck (800 Meter Freistil), Christian Diener (200 Meter Rücken), Lisa Graf (200 Meter Rücken), Philip Heintz (200 Meter Lagen), Sarah Köhler (400 und 800 Meter Freistil) und Damian Wierling (50 Meter Freistil) – müssen die Mai-Zeiten bestätigen.

„Das sollte nur eine Formsache sein“, sagt Lambertz, der mit Koch, Biedermann und Franziska Hentke, Europameisterin und WM-Vierte über 200 Meter Schmetterling, drei Medaillenkandidaten mit nach Brasilien nimmt.

Angst vor Daniel Gyurta

Die besten Chancen auf Edelmetall räumt der 45-Jährige Brust-Spezialist dabei Koch ein – dessen bisherige Weltjahresbestzeit vom Amerikaner Josh Prenot in 2:07,17 Minuten allerdings gerade um eine halbe Sekunde unterboten wurde.

„Da muss sich Marco Koch schon anstrengen – denn so schnell war er noch nie“, kommentiert Lambertz, den zudem das Versteckspiel des Ungarn Daniel Gyurta beunruhigt. „Weil ich glaube“, so der Bundestrainer, „dass er irgendwo in seiner Heimat alles dafür tut, den Olympiasieg von 2012 zu wiederholen.“