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Thomas Helmer: „Gomez in dieser Form ist nicht zu ersetzen“

Thomas Helmer findet die Kritik von Mehmet Schol überzogen, lobt die Moral des Teams und macht sich Sorgen wegen der Verletzten.

Der verletzte Mario Gomez verlässt den Platz, umringt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (l.) und Bundestrainer Joaschim Löw

Der verletzte Mario Gomez verlässt den Platz, umringt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (l.) und Bundestrainer Joaschim Löw

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Hamburg.  Die harsche Kritik von Mehmet Scholl an der Taktik von Bundestrainer Joachim Löw kam für mich überraschend, immerhin haben wir zum ersten Mal eine italienische Mannschaft in einem Turnier bezwungen. Vorab: Mehmets Angriff auf Chefscout Urs Siegenthaler finde ich überzogen. Die Nationalmannschaft hat seit vielen Jahren ein erstklassiges Team hinter dem Team – und dazu gehört Siegenthaler.

In der Sache kann ich Mehmet verstehen. Gegen Italien haben wir unsere Offensive mit der gewählten Dreierkette zugunsten der Defensive geschwächt. Wir haben erneut auf den Gegner taktisch reagiert, dies kann man als Zeichen von Schwäche werten.

Andererseits ist auch Löw zuzustimmen, wenn er analysiert, dass diese Formation ein gutes Rezept gegen Italiens Zwei-Mann-Sturm war. Da galt es, zunächst die Zentrale abzusichern, dies ist gelungen. Insofern gibt Löw der Erfolg recht.

Thomas Müller ist unser Sorgenkind

Das Elfmeterschießen war unfassbar dramatisch. Ich kann nur erahnen, wie lang der Weg für den Schützen von der Mittellinie bis zum Strafraum sein muss. Umso mehr Respekt habe ich vor jedem, der sich dieser Verantwortung stellt.

Dies gilt auch für Mesut Özil, der nicht gekniffen hat, obwohl er im Spiel gegen die Slowakei verschossen hatte. Seine Körpersprache war positiv, dass der Ball gegen den Pfosten prallte, auch Pech. Bei Thomas Müller fügte sich der sehr schlecht geschossene Elfmeter in seine gesamte Turnierleistung.

Thomas ist bislang unser größtes Sorgenkind. Dennoch ist er eminent wichtig für unsere Mannschaft. Allein durch seine Präsenz, durch sein permanentes Attackieren sorgt er für Gefahr und zieht Verteidiger auf sich. Ich bin sicher, dass er bei dieser EM noch treffen wird.

Schweinsteigers Ausfall wäre dramatisch

Bastian Schweinsteiger hätte seiner Leistung mit einem verwandelten Elfmeter die Krone aufsetzen können. Aber trotz seines Scheiterns hat er exzellent gespielt. Ich war skeptisch, als er so früh eingewechselt werden musste. Ich hätte nicht gedacht, dass seine Kräfte für mehr als 100 Minuten reichen.

Für den weiteren Turnierverlauf wird jetzt viel davon abhängen, wie sich die angespannte Personalsituation entwickelt. Der Ausfall von Mats Hummels durch die Gelbsperre trifft uns schon sehr. Umso mehr müssen wir jetzt hoffen, dass Jerome Boateng seine Probleme mit der Wade in den Griff bekommt.

Sami Khediras Verletzung ist bitter. Dramatisch würde dieser Ausfall jedoch erst, wenn auch Schweinsteiger passen müsste. Sicher ist bereits das Turnieraus für Mario Gomez, ein harter Schlag für Löw. Denn Mario hat an Ballfertigkeit zugelegt. In seiner Form können wir ihn nicht gleichwertig zu ersetzen. Ich würde Müller in die Zentrale schicken.

Thomas Helmer war 1996 mit der ­deutschen Mannschaft Europameister und ist heute Moderator bei Sport1.