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CR7 gegen RL9: Die Stars stehen gehörig unter Druck

Cristiano Ronaldo und Robert Lewandowski haben bei der EM ihr Können noch nicht gezeigt. Jetzt ist womöglich die letzte Gelegenheit.

Cristiano Ronaldo (l., hier im Zweikampf mit Kroatiens Darijo Srna) wartet auf den Titel mit Portugal

Cristiano Ronaldo (l., hier im Zweikampf mit Kroatiens Darijo Srna) wartet auf den Titel mit Portugal

Foto: Clive Mason / Getty Images

Marseille.  Über das Verhältnis zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi wurde schon viel spekuliert. Die einen sagen, beide würden den Erfolg einander neiden, um selbst in einem noch besseren Licht zu stehen. Andere behaupten, sie würden sich mehr als nur respektieren, die Leistung des anderen insgeheim sogar bewundern.

Fakt ist: Die beiden besten Fußballer der Welt beobachten sich nur aus der Ferne. Doch sie können sich einander wohl besser verstehen als jeder andere. Messis Rücktritt als argentinischer Nationalspieler nach dem verlorenen Copa-América-Finale könnte Ronaldo vor dem EM-Viertelfinale am Donnerstag (21 Uhr) in Marseille gegen Polen ins Grübeln gebracht haben.

Die EM in Frankreich ist Ronaldos siebtes großes Turnier und seine vielleicht letzte Chance, im Nationaltrikot einen Titel zu gewinnen. Was aber, wenn Portugal auf dramatische Weise ausscheidet? Vielleicht sogar durch einen verschossenen Elfmeter durch Ronaldo? Dass CR7 ähnlich wie sein Rivale spontan seine Nationalmannschafts-Karriere beenden könnte, ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen. Zumal Ronaldo (31) zwei Jahre älter ist als Messi (29).

Ronaldo benötigt nur noch ein Tor zum EM-Torschützenrekord

Doch dazu wird es nicht kommen, glaubt Portugals Nationaltrainer Fernando Santos: „Cristiano ist ein Siegertyp.“ Ohne den Angreifer und dessen zwei Tore gegen Ungarn zum Vorrundenabschluss wäre das Team bereits ausgeschieden.

Beim unansehnlichen Achtelfinalsieg gegen Kroatien (1:0) verzichtete Ronaldo dann zugunsten der Teamtaktik weitestgehend auf spektakuläre Einzelaktionen. „Portugal ist ein Team, und Ronaldo ist ein Teamspieler“, lobte Santos seinen Star hinterher.

Gegen Polen wird Ronaldo womöglich wieder mehr offensive Akzente setzen. Schließlich fehlt ihm nur noch ein Treffer zum EM-Torschützenrekord von Michel Platini (9). Der Mann mit den meisten EM-Einsätzen (18) ist er schon jetzt. Auch hat außer ihm noch kein Spieler bei vier Europameisterschaften jeweils mindestens einen Treffer erzielt.

Was ist los mit Lewandowski?

Doch persönliche Titel und Rekorde hat Ronaldo genug gesammelt in seiner Karriere, er sucht den ganz großen Triumph mit seinem Heimatland. Den verpasste er bei der EM 2004 im eigenen Land im Finale gegen Griechenland (0:1). „Das war die einzigartige Chance, Europameister zu werden“, sagt Ronaldo zwölf Jahre später. 2008 (Viertelfinale) und 2012 (Halbfinale) scheiterte Portugal ebenfalls in der K.o.-Runde.

In die Liste der Topstars ohne Titel bei großen Turnieren (Johan Cruyff, Zico, Raul, Eusebio, Zlatan Ibrahimovic oder eben Messi) will Ronaldo auf keinen Fall aufgenommen werden. „Portugal wird große Dinge gewinnen wie eine EM oder eine WM“, sagte er vor Turnierstart.

Damals dachte man auch, dass Robert Lewandowski bei den Polen zum entscheidenden Faktor werden würde, dieser Starstürmer des FC Bayern. Inzwischen fragt man sich: Was ist los mit ihm bei der EM? Vier Spiele, null Tore, lautet seine bisherige Bilanz. Lewandowski selbst sagte zuletzt schmallippig: „Ich muss Geduld haben. Vielleicht werde ich dann belohnt.“

Und so ist man bei den Polen demonstrativ darauf bedacht, RL9 bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Rücken zu stärken. „Er ist unser Anführer und eine sehr wichtige Figur. Er zeigt in jedem Spiel, dass für ihn das Team zählt“, sagt Co-Trainer Bogdan Zajac.

Verteidiger Lukasz Pisczcek analysiert: „Er arbeitet sehr viel für die Mannschaft. Die Abwehrspieler unserer Gegner stürzen sich zu zweit oder zu dritt auf ihn. Wir hoffen, dass Robert nicht sauer ist, weil er in Frankreich bisher nicht trifft. Er wird sich weiter so reinhängen.“