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Am Sonnabend treffen sich die Meister der Blockbildung

Die Defensivabteilungen von Bayern München und Juventus Turin sind der Grund für die Stabilität von Deutschland und Italien bei der EM.

Klären vieles gemeinsam: Hummels und Boateng, hier gegen den Polen Arkadiusz Milik

Klären vieles gemeinsam: Hummels und Boateng, hier gegen den Polen Arkadiusz Milik

Foto: Christophe Petit Tesson / dpa

Évian-les-Bains.  Nichts ist unmöglich. Oder wie Jerome Boateng in diesen Tagen lächelnd sagt: „Gehen tut alles.“ Der Chef der deutschen Verteidigung war vor dieser hübschen Formulierung gefragt worden, ob es denn vorstellbar wäre, dass eine Mannschaft den EM-Titel gewinnen und auf dem Weg dorthin keinen einzigen Gegentreffer kassieren könne.

Ein Blick in die Geschichtsbücher des Fußballs lässt eine Antwort als alternativlos erscheinen: „Nein, geht nicht.“ Aber das schert einen wie Boateng nicht.

Schließlich hat das deutsche Nationalteam in vier Spielen kein Erfolgserlebnis des Gegners zugelassen – und nur weil jetzt der Widerstand stärker zu werden droht, soll sich nichts daran ändern. „Unser Ziel ist immer, dass erst einmal die Null steht.“

Duell der besten Defensiven der Welt

Das ist nun keine ganz neue Aufgabenstellung, aber die Vehemenz, mit der dieses Ziel verfolgt wird, hat mittlerweile Ausmaße angenommen wie sonst nur beim kommenden Gegner im Viertelfinale: Italien, Land der Verteidiger.

Das Spiel am Sonnabend wird das Duell der beiden derzeit besten Defensiven der Welt. Zusammen haben sie genau ein Gegentor bei diesem Turnier hinnehmen müssen.

Und noch etwas ist ihnen gemein: Jede wird vornehmlich vom jeweiligen Landesmeister bestückt: Bayern München hier, Juventus Turin dort.

Deutsches Abwehr-Trio kennt sich lange

Im deutschen Tor ist Bayern-Keeper Manuel Neuer (30) längst das internationale Maß der Dinge, vor ihm räumt Boateng (27) urgewaltig auf und daneben verrichtete Mats Hummels (27) seinen Dienst sehr, sehr zuverlässig. Seit dessen Vertragsunterschrift im Mai ist er in der öffentlichen Wahrnehmung schon ein Bayern-Spieler, offiziell wird er es im Spiel gegen Italien erstmals sein.

Das Trio kennt sich seit vielen, vielen Jahren und verteidigt genau so lange schon zusammen. Das bedeutet: Jeder kennt den anderen, Automatismen greifen auch in Stresssituationen besser.

Die Bayern-Fraktion bildet eine derzeit fast unüberwindbare Instanz, an dessen rechte Seite sich nun in Joshua Kimmich (21) ein weiterer Bayer gesellt.

Italiens Abwehr kommt auf 38 Dienstjahre

Bei den Italienern ist der Einfluss eines einzelnen Vereins noch augenscheinlicher. Nicht nur die italienische Torwartlegende Gianluigi Buffon (38), sondern auch die vor ihm streng herrschende Dreierkette bestehend aus dem abgeklärten früheren Wolfsburger Andrea Barzagli (35), dem allzu furchtlosen Giorgio Chiellini (31) und dem eleganten Anführer Leonardo Bonucci (29) stehen beim italienischen Rekordmeister unter Vertrag. Zusammen kommen sie dort auf 38 (!) Dienstjahre.

Wenn sie spielen, entsteht eine azurblaue Wand, die am eigenen Strafraum alles wegverteidigt. Das einzige Gegentor kassierte Italien beim 0:1 im dritten Gruppenspiel gegen Irland, als Trainer Antonio Conte die halbe Mannschaft schonte, darunter Buffon und Chiellini.

„Die spielen seit Ewigkeiten zusammen und verstehen sich blind. Sie haben von kleinauf gelernt, dass man sich über ein 0:0 mindestens genauso freut wie über ein 3:3“, beschreibt Bundestrainer Joachim Löw einen defensiven Grundgedanken, der sich auch bei der deutschen Mannschaft mehr und mehr zu verfestigen scheint.

Es wird nun wieder darum gehen, mit aller Macht ein Gegentor zu verhindern. „Wenn man gegen Italien mit 0:2 zurückliegt, dann wird’s sehr, sehr schwer, weil die Abwehrspieler dann auch mal den Ball auf die Tribüne jagen und dabei lächeln“, sagt Löw, der bei einer dieser seltenen Wenden gegen italienische Teams dabei war. Turin führte im Champions-League-Achtelfinale im März mit 2:0 und schien auf dem Weg in die nächste Runde. Doch das Spiel ging nach Verlängerung mit 2:4 verloren. Gegner: Bayern München.