EM2016

Mario Götze ist zurück auf seinem Stammplatz

Wie schon bei der WM 2014 sitzt der Bayern-Profi in der K.o.-Runde auf der Bank und kann seine Enttäuschung nur schwer verbergen.

Tröstlich: Mario Götze mit Freundin Ann-Kathrin Brömmel

Tröstlich: Mario Götze mit Freundin Ann-Kathrin Brömmel

Foto: Matthias Koch

Lille.  Der „Postillon“ freute sich unbändig über seinen Auftritt im Achtelfinale gegen die Slowakei. Endlich, so das satirische Nachrichten-Portal, könne Mario Götze auf seiner Bayern-Stammposition spielen. Der Offensivmann habe fehlerlos agiert. Das stimmt sicher, wird die Laune des Profis, der in den 90 Minuten beim bislang besten deutschen Auftritt in Frankreich auf die Bank musste, jedoch kaum verbessern.

Erst nach dem Abpfiff, als die Mannschaft ein klares 3:0 und die Fans einen überragenden Julian Draxler auf der linken Seite feierten, hellte sich auch Götzes Miene ein wenig auf. Ja, so ein Kuss von Freundin und Model Ann-Kathrin Brömmel mag über den Moment hinwegtrösten.

Doch Götze mühte sich redlich, nicht als Miesepeter rüberzukommen. „Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum“, hatte er wenige Tage zuvor philosophiert, gut gelaunt ob seiner Einsatzzeiten in der Gruppenphase. Nun ist er eher wieder der Baum, und dennoch lächelte er demonstrativ. Am Montag spaßte er im Training schon wieder mit Bastian Schweinsteiger.

„Spieler mit Engelsgesicht und Dribbling wie ein Teufel“

Götze redete sogar, was nicht eingesetzte Spieler selten tun. „Es ist noch ein langer Weg“, sagte der 24-Jährige: „Da kann noch viel passieren. Ich werde wieder angreifen.“ Angesichts der Lobeshymnen, die auf den Torschützen und Torvorbereiter Draxler gesungen werden, dürfte das schwierig sein.

„Er ist ein Spieler mit einem Engelsgesicht und einem Dribbling wie ein Teufel“, schrieb die italienische Zeitung „La Repubblica“, Draxler sei gar „unbesiegbar“, kommentierte „Tuttosport“. Götze bleibt die Erinnerung an die WM 2014. In Brasilien war nach zwei Spielen sein Stammplatz weg – im Finale wurde er als Joker zum Helden für die Ewigkeit. Doch am Sonntag muss ihm klar geworden sein: Erst einmal ist er raus. Die Enttäuschung darüber war auch an seinen Reaktionen in der Mixed-Zone nach dem Spiel zu erkennen.

Was wirklich in ihm vorgegangen sein muss, erahnte Sebastian Kehl, vier Jahre lang Teamkollege Götzes bei Borussia Dortmund. „Er wird geknickt ins Bett gehen“, sagte der ZDF-Experte: „Das war ein trauriger Abend für ihn.“ Zumal Götze wohl kaum mit einer Ausbootung gerechnet hatte.

Will seinen Platz nicht kampflos räumen

Es spricht für den Techniker, wenn er ankündigt, seinen Platz nicht kampflos räumen zu wollen. Genauso spricht es gegen ihn. Der Teamgeist, vor allem dessen Darstellung nach außen, war 2014 ein Schlüssel auf dem Weg zum vierten Stern. Götzes Aktien, gerade in der Öffentlichkeit, wären sicher gestiegen, hätte er bei allem verständlichen Frust sich ausschließlich für die Leistung Draxlers und der Mannschaft gefreut.

Hätte er seine Enttäuschung in positive Unterstützung für das Team umgemünzt. So wie Torwart Oliver Kahn, nachdem er beim Sommermärchen 2006 Jens Lehmann im Tor den Vortritt lassen musste. So wie Per Mertesacker, der nach vier Startelfeinsätzen seine Rolle als Reservist klaglos hinnahm und 2014 Weltmeister wurde. So wie Benedikt Höwedes vor wenigen Tagen, der die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw pro Joshua Kimmich und gegen ihn lobte.

Auch für das Viertelfinale gilt Götze auf seiner Stammposition als gesetzt, nicht nur beim „Postillon“. Derweil mehren sich die Stimmen, dass es ja auch reiche, wenn Götze erst im Finale wieder eingewechselt wird, um dann den entscheidenden Treffer zu erzielen. Eine schöne Vorstellung. Doch bis es so weit ist, ist Teamgeist gefragt. Auch bei Mario Götze.