EM2016

Mit der Kraft seiner Fans will Irland jetzt auch zur WM

Trotz der Niederlage gegen Frankreich fahren die Iren erhobenen hauptes zurück auf die Insel. Der Blick geht nach vorn.

Wie ein Mann: die Iren und ihre großartigen Fans

Wie ein Mann: die Iren und ihre großartigen Fans

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die Iren hatten verloren und fühlten sich doch wie die größten Champions. Trotz des Achtelfinal-Knockouts bei der Fußball-EM gegen Gastgeber Frankreich war die Hochstimmung am Montag immer noch nicht verflogen, als sich die Spieler in die Heimat verabschiedeten.

„Ich bin stolz auf das Team und stolz auf die Unterstützung. Die Kombination aus beidem hat es zu einer unvergesslichen Reise für uns werden lassen“, schwärmte Trainer Martin O'Neill einen Tag nach dem 1:2 gegen Frankreich. Mit Blick auf die anstehende WM-Qualifikation für Russland 2018 sagte der Coach gar eine „rosige Zukunft“ voraus.

Eine Mischung aus Pathos und Stolz machte Irlands Kicker bei dieser EM unerwartet stark und führte sie zum Erstaunen vieler Beobachter bis in die K.o.-Runde. „Das Band zwischen den Fans und den Spielern ist etwas ganz Besonderes“, sagte Verteidiger Seamus Coleman. „Die Fans haben eine entscheidende Rolle gespielt. Wir sind wahnsinnig stolz auf sie – und sie auf uns.“

Ein „Extraschub Energie“

Mit lauten Gesängen hatten die Anhänger ihre Boys in Green am Sonntag noch gefühlte Ewigkeiten in der Arena gefeiert. Minutenlang standen die Profis vor der Kurve und lauschten fast ungläubig den Klängen von „The Fields of Athenry“ – zu einer Zeit, als die siegreichen Franzosen schon längst in den Katakomben verschwunden waren.

Für Tausende irische Fans war dies nur der Auftakt einer nächtlichen Party-Tournee in der Altstadt von Lyon. O'Neill sprach von einem „Extraschub Energie“, den die Anhänger den Spielern mit ihrem ausgeprägten Enthusiasmus gegeben hätten. Und fast hätte es sogar zu einer EM-Sensation gegen den Gastgeber gereicht.

Doch nach der frühen Führung durch Robbie Brady unterliefen dem Underdog zwei Defensivfehler zu viel – Antoine Griezmann nutzte sie aus. „Wir haben dennoch eine großartige Gruppe, eine tolle Mannschaft“, sagte Verteidiger Richard Keogh und kündigte an: „Jetzt versuchen wir alles, um die WM-Qualifikation zu schaffen.“

Jetzt in die WM-Qualifikation gegen Serbien

Auf kontinentaler Ebene war schon die Achtelfinal-Teilnahme ein riesiger Erfolg, mit dem nach einem 0:3 im zweiten Gruppenspiel gegen Belgien kaum zu rechnen war. Doch die Iren wuchsen zum Vorrunden-Abschluss gegen eine italienische B-Elf über sich hinaus, gewannen 1:0 und schafften das Weiterkommen.

„Dieser Sieg hat die Beziehung zwischen Fans und Mannschaft zementiert“, befand O'Neill, der stolz resümierte: „Wir haben jede Menge Herz und Leidenschaft in all unsere Spiele gepackt, aber wir haben auch Fußball gespielt.“ Die Hoffnung ist groß, dass die Erlebnisse die Iren beflügeln.

Schon am 5. September startet die WM-Qualifikation mit einem Spiel in Serbien. „Unsere Spieler sind Dank dieser internationalen Erfahrungen bei der EM besser geworden“, stellte O'Neill heraus. Inzwischen ist auch das Selbstbewusstsein größer geworden.