EM2016

Die Belgier träumen schon vom Endspiel gegen Deutschland

Nach dem klaren Sieg gegen die Ungarn geben die Belgier ihre Zurückhaltung auf. Der Grund für die neue Stärke liegt auf der Hand.

Nainggolan, Witsel, Fellaini, Carrasco und de Bruyne (v.l.)  jubeln über ihren Viertelfinaleinzug

Nainggolan, Witsel, Fellaini, Carrasco und de Bruyne (v.l.) jubeln über ihren Viertelfinaleinzug

Foto: Rungroj Yongrit / dpa

Marc Wilmots zögerte keine Sekunde. „Das wäre natürlich genial“, sagte der Belgier beinahe euphorisch und lächelte verschmitzt. Die Frage nach einem möglichen Finale gegen Deutschland gefiel ihm offensichtlich: „Das könnte ein sehr schönes Spiel werden.“

Nach der Galavorstellung seiner „Roten Teufel“ gegen Ungarn beim 4:0 sah Wilmots keinen Grund mehr für Zurückhaltung und präsentierte sich angriffslustig wie nie in Frankreich. Paris heißt das Ziel, nichts anderes. Das Viertelfinal-Duell gegen Wales am Freitag in Lille mit Superstar Gareth Bale soll auf dem Weg dahin nur eine Etappe sein. „Natürlich wollen wir ins Finale“, sagte auch Spielmacher Kevin De Bruyne.

Selbst die bisher so kritische belgische Presse feierte den bis dato höchsten Sieg bei dieser EM. „Belgien ist on fire“, titelte „Het Laatste Nieuws“. „Le Soir“ schrieb von einem „perfekten Abend“ und pries vor allem Eden Hazard.

Der Kapitän, launische Diva vom FC Chelsea, zeigte sein bislang bestes EM-Spiel und sorgte mit blitzartigen Tempo-Dribblings abwechselnd mit De Bruyne immer wieder für höchste Gefahr. „Ein Kapitän kann nicht immer nur mit dem Mund sprechen, er muss auch mit seinen Füßen sprechen“, sagte Wilmots über Hazard, „und das hat er gegen Ungarn getan.“

Miesmacher mit Leistung zum Schweigen gebracht

„Es gibt ein paar Miesmacher, wir haben den Deckel drauf gemacht“, sagte Wilmots froh gelaunt. Die Vorstellung vom Sonntagabend dürfte aber auch die Konkurrenten auf der anderen, vermeintlich deutlich schwereren Seite des Turnierbaums ein bisschen das Fürchten lehren.

Denn die Belgier überrumpelten die Ungarn mit Vollgas-Fußball von der ersten Minute an und spielten die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal schwindelig. Dabei vergaßen sie nur „dummerweise“ (De Bruyne) lange Zeit das Toreschießen. Er selbst vergab etliche gute Chancen.

Auch Wilmots war sich bewusst, dass selbst die vier Treffer von Toby Alderweireld (10.), Michy Batshuayi (78.), Hazard (79.) und Yannick Carrasco (90.+1) die Überlegenheit der Belgier nur ungenügend wiedergaben. Und so sagte der 47-Jährige mahnend in Richtung seiner Stars: „In großen Spielen bekommt man nicht viele Chancen, da wird man bestraft, wenn man sie nicht nutzt.“

150.000 Tickets könnten in Lille verkauft werden

So lief es auch beim letzten Duell mit den Walisern. Belgien diktierte in der EM-Qualifikation über weite Strecken die Partie, erspielte sich Chance um Chance, doch Bale traf für die „Roten Drachen“ zum entscheidenden 1:0. „Sie spielen taktisch sehr gut, defensiv und haben einen Superstar“, ist auch De Bruyne klar: „Das wird sehr schwer.“

Zum großen Vorteil, das hoffen Wilmots und seine Mannschaft, soll der keine 20 Kilometer von der belgischen Grenze entfernte Spielort Lille werden. Die Euphorie daheim wächst täglich. „Wenn es 150.000 Plätze gäbe, würden wir sie füllen“, sagte der Trainer.

Hazard, der fünf Jahre in Lille spielte, meinte: „Jetzt dürfen wir weiter träumen.“ Träumen von einem ähnlichen Turnierverlauf wie 1980, als Belgien sich letztmals für ein EM-Viertelfinale qualifizierte. Damals schaffte es das Team sogar ins Finale. Gegner war Deutschland. Belgien verlor 1:2.