Einzelkritik

Boateng schießt im 63. Länderspiel sein erstes Tor

Der Abwehrchef wird immer mehr zur prägenden Figur der Nationalelf. Diesmal besorgt er mit einem Schuss aus 20 Metern die Führung.

Jerome Boateng läuft nach seinem Treffer jubelnd zu Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (r.) und bedankt sich für die gute Behandlung seines Wadenproblems

Jerome Boateng läuft nach seinem Treffer jubelnd zu Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (r.) und bedankt sich für die gute Behandlung seines Wadenproblems

Foto: Peter Kneffel / dpa

Manuel Neuer: Hatte seinen Algerien-Moment, als er gegen Duris aus dem Tor stürmte und wie ein Libero klärte. Seine zweite starke Szene hatte er, als er Kuckas Kopfball aus dem Winkel fischte. War aber insgesamt nicht so gefragt wie beim WM-Achtelfinale vor zwei Jahren in Brasilien. Note 2

Joshua Kimmich: Im Offensivspiel war der Rechtsverteidiger wieder erfrischend, nur nicht ganz so auffällig wie gegen Nordirland. Verlor aber das Kopfballduell gegen Kucka, der dann Neuer zum Eingreifen zwang. Muss sich noch beweisen, wenn Weltklasseflügelspieler zu zähmen sind. Gegenspieler Weiss wurde ausgewechselt Note 3

Jerome Boateng (bis 71. Minute): Die Wade der Nation hielt nicht nur, um spielen zu können – sie hielt auch feste drauf: Der zuvor angeschlagene Innenverteidiger erzielte aus 20 Metern im 63. Länderspiel sein erstes Tor. Wird immer mehr zur prägenden Figur dieser Elf. Wurde in der 71. Minute für höhere Aufgaben ­im Turnier geschont. Note 1

Mats Hummels: Hinten gut, vorn Pässe wie Beckenbauer und mit einer Kopfballvorlage für Draxlers 3:0. Nichts zu meckern. Note 2

Jonas Hector: Fleißig wie immer, aber der Kölner Linksverteidiger findet bei Flanken noch zu selten den Mitspielerschädel. Hinten dafür ohne große Pro-bleme. Note 3

Sami Khedira (bis 76.): Bis zu diesem Achtelfinale wusste man nicht genau, ob diese EM-Endrunde das Turnier des Turiners wird. Nach dem Achtelfinale lässt sich das immer noch nicht zweifelsohne berichten. Rackert viel, meist aber im Verborgenen. Note 3

Toni Kroos: Das Metronom des deutschen Spiels. Gibt den Takt nach vorn vor und hat fast immer das richtige Timing im defensiven Zweikampf. Verteilt manchmal lange Pässe wie Zuckerstückchen an seine Mitspieler. War wieder eine Augenweide. Note 2

Thomas Müller: Arbeitete in seinem 75. Länderspiel viel für andere, fand für sich selbst immer noch nicht das ersehnte erste EM-Tor. Note 3

Mesut Özil: Verschoss einen Elfmeter in der ersten Halbzeit, als wäre das eine für ihn zu leichte Aufgabe. Erster Elfmeter-Fehlschuss der Deutschen bei einer EM seit Uli Hoeneß’ Wolkenschuss von 1976. Diesmal nicht so konzentriert wie gegen Nordirland. Note 3

Julian Draxler (bis 71.): Durfte nach der Auszeit gegen Nordirland wieder links beginnen und verdrängte damit Götze auf die Bank. Spielte stark: flink, ballsicher, torgefährlich. Ließ Kucka ins Leere laufen, als er Gomez’ 2:0 mit einer feinen Finte vorbereitete. Erzielte eines der bisher schönsten EM-Tore zum 3:0. Draxler, der lange als das große Talent im deutschen Fußball galt, aber nicht über diesen Status hinwegkam, wurde zum „Man of the Match“ gekürt. Note 1

Mario Gomez: Gab einen vorzüglichen Prellbock gegen den Wrestlertypen Skrtel. Tut dieser Mannschaft gut, weil er dorthin geht, wo es wehtut – und wo die Torchancen sich verstecken. Vollstreckte wie ein Vollblutstürmer zum 2:0. Zwei Spiele in der Startelf, zwei ­Tore bei dieser EM. Deutschland hat wieder einen brauchbaren, echten ­Mittelstürmer. Note 2

Benedikt Höwedes und Lukas Podolski ersetzen Boateng und Draxler. Machten keine Fehler. Ohne Note