EM2016

Füchse-Trainer: „Unsere Spieler sind jetzt schon Helden“

Wie der Füchse-Trainer Erlingur Richardsson seinen Heimaturlaub auf der isländischen Insel Vestmannaeya erlebt.

Gut gelaunt: Füchse-Coach Erlingur Richardsson

Gut gelaunt: Füchse-Coach Erlingur Richardsson

Foto: Fotostand / Wedel / picture alliance / Fotostand

Berlin.  Dieser Heimaturlaub ist ein besonderer für Erlingur Richardsson. Seit zwei Wochen ist der Trainer des Handball-Erstligisten Füchse Berlin auf der Insel Vestmannaeya und genießt die Sommerpause, bevor am 11. Juli das Training in Berlin startet.

Besondere Freude bereitet ihm die isländische Fußball-Nationalmannschaft, die bei ihrer ersten EM-Teilnahme noch kein Spiel verloren hat. Nach Unentschieden gegen Portugal und Ungarn folgte durch das 2:1 gegen Österreich der Einzug ins Achtelfinale, wo die Isländer am Montag auf England treffen (21 Uhr, ARD).

„Wie diese Partie ausgeht, ist eigentlich egal. Die Spieler sind jetzt schon die Helden in den Augen aller Isländer“, sagt Richardsson. Ganz Island ist im Fußballfieber. „Jedes Kind läuft mit einem Trikot seines Lieblingsspielers durch die Straßen“, erzählt er.

Warum die EM für die Präsidentwahl ein Probelm ist

Allzu viele sind aber gar nicht mehr im Lande. Nachdem 30.000 Isländer die ersten drei Spiele ihrer Helden in den Stadien verfolgt haben, sind inzwischen noch mehr nach Frankreich gereist, um sie zu unterstützen. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung befinden sich außer Landes.

„Das könnte für die Präsidentschaftswahl ein Problem werden“, sagte Richardsson am Freitag. Der kleine Inselstaat ist sich aber der Bedeutung dieser EM bewusst, so richtete das Innenministerium extra ein Wahllokal im Camp des Nationalteams in Annecy ein, damit die Fans dort über den Nachfolger von Präsident Ólafur Ragnar Grímssons abstimmen konnten. Islands neuer Präsident heißt seit Sonntag früh Gudni Johannesson, die Wahlbeteiligung war gut.

Jetzt können sich die Isländer wieder ganz dem Fußball widmen. Richardsson hat die Spiele bislang zu Hause mit Freunden angesehen. In Reykjavik gibt es Public Viewing, überall sonst werde in Bars und Kneipen geschaut, verrät Richardsson: „In Island weißt du nie, ob es nicht gleich wieder anfängt zu regnen.“

Moderator hat mit einigen Spielern zusammengespielt

Auch beim Fußballschauen ist er ein Analytiker: „Die Mannschaft hat während der EM jetzt mehr hinten drin gestanden und kein aggressives Angriffsspiel aufgebaut – in den Qualifikationsspielen haben sie meines Erachtens einen besseren Fußball gezeigt, aber es hat ja bislang gut funktioniert. Sie spielen mit einem großen Herzen, das sieht man.“

Die Leidenschaft springt über, zuletzt auf Kommentator Gudmundur Benediktsson, der durch seine schrill artikulierte Freude bei Islands 2:1 gegen Österreich zu großer Bekanntheit gelangt ist. „Er hat mit einigen Spielern zusammengespielt, da ist er natürlich mit viel Emotion dabei“, weiß Richardsson.

Trainer und Koch kommen aus Vestmannaeya

Nationalteam-Trainer Heimir Hallgrímsson ist eigentlich Zahnarzt auf Richardssons Heimatinsel Vestmannaeya. „In den letzten zwei Jahren hat er den Beruf aber wohl nicht so oft ausüben können“, sagt der Füchse-Trainer.

Auch der Teamkoch Einar Björn Àrnason kommt aus Vestmannaeya. Die Insel wird gespenstisch wirken, wenn die Mannschaft am Montag auf England trifft. „Beim Spiel gegen Österreich war kein einziges Auto auf der Straße, wirklich alle haben geschaut“, sagt Richardsson.

Er hat zwei Jahre in Österreich gearbeitet. „Nach dem Spiel habe ich auch von österreichischen Freunden einige Nachrichten erhalten“, erzählt Richardsson. Viele Glückwünsche waren dabei. Die kleine Nation hat Fans in der ganzen Welt beeindruckt. „Wir brauchen uns nicht mehr zu verstecken“, findet Richardsson.